Die Kündigung sei „unausweichlich“ gewesen und habe zu „einer schmerzhaften Situation“ geführt, erklärte Sozialbürgermeisterin Isabel Süßmann (parteilos) in der Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses am 9. März. Neben ihr saß Schulbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP), umgeben von Amtsleiter:innen des Sozialamts, des Schulverwaltungsamts und des Jugendamts. Mit Zahlen und Grafiken versuchte Fezer zu erklären, dass die Stadt im August 2025 große Fehler im sechsstelligen Bereich bei den Abrechnungen des ASB entdeckt habe. Da der Träger auf E-Mails und Telefonate nicht reagiert habe, sei die fristlose Kündigung Anfang Februar der einzige rechtlich mögliche Schritt gewesen. Mutter Stephanie Palm hätte sich in einer solchen Situation von der Stadtverwaltung zumindest klare Informationen gewünscht, zum Beispiel in Form einer Hotline, die über Alternativen informiert. 

„Man kann mit einem Schalter ausschalten, aber nicht einfach wieder einschalten“, räumte Fezer selbst ein. Schulbegleitung funktioniere nur, wenn sie zu den individuellen Bedürfnissen eines Kindes passe und die Chemie zwischen Kind und Begleitung stimme, wusste sie plötzlich und warb um Verständnis bei den Eltern für den langsamen Prozess. Ein paralleler Übergang mit anderen Trägern sei nicht umsetzbar gewesen, betonte sie mehrfach. 

Das sehen die Eltern anders. Eine außerordentliche Kündigung hätte die Situation nicht derart verschärft. Aber die Stadt hielt sich an einen Artikel des Sozialgesetzbuchs, der die Möglichkeit einer fristlosen Kündigung erlaubte. Die Stadt hat den ASB angezeigt, die Staatsanwaltschaft prüft den Sachstand. In einem Gespräch mit der „Stuttgarter Zeitung“ hatte ASB-Geschäftsführer Markus Mitzenheim seinerseits erklärt, die Stadt habe Rechnungen nicht bezahlt, allein 1,3 Millionen Euro seit vergangenen September. Es steht die eine Aussage gegen die andere, mindestens bis ein Gericht entschieden hat. 

Fezer sprach in der Sitzung Anfang März von laufenden Prüfungen und Rückzahlungen und Vertrauensverlust gegenüber dem ASB. Und das, obwohl eine andere Abteilung desselben Trägers weiterhin den Schülertransport für Kinder mit Behinderung organisiert. Droht auch da bald Chaos? Auf diese Frage aus den Zuschauerreihen antwortete Fezer nicht. Im großen Sitzungssaal herrschte eine emotionale Stimmung, begleitet von Applaus seitens der Eltern, als Stadträt:innen die Verwaltung mit mangelnder Transparenz konfrontierten und das Fehlen eines Plans B kritisierten. Und: Wäre das Problem nicht kleiner gewesen, wenn die Verwaltung bereits bei den ersten vermeintlichen Rechnungsauffälligkeiten im August 2025 schneller reagiert hätte? 

Auf Anfrage von Kontext spricht Stadtrat Fabian Reger (Grüne) sein Vertrauen in die Verwaltung aus und begrüßt die geplante Einrichtung eines neuen Sachgebiets, das Mitarbeitende aus Sozial- und Jugendamt zusammenführen soll, um interne Abläufe zu verbessern. Stadtrat Cornelius Hummel (SPD) hingegen möchte erstmal auf die Entscheidung des Gerichts warten, bevor er über mögliche Anpassungen in der Verwaltung nachdenkt.