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Bis zu 11.000 Autos rauschen im Sommer täglich über den Grödner Pass. Die Gemeinden in Südtirol ziehen jetzt die Reißleine. Eine Fahrverbotszone kommt.
Wolkenstein in Gröden – Italien-Urlauber kennen es zur Genüge: Man träumt von einem unberührten Bergpass in den Dolomiten – und landet im Blechlawinen-Stau. Am Grödner Joch in Südtirol soll damit bald Schluss sein. Ab Sommer 2027 gilt dort eine Fahrverbotszone für Touristen.
Die Schönheit Südtirols: Ein Blick über das Grödner Joch (ital.: Passo Gardena). © IMAGO / Westend61
Der Druck war jahrelang gewachsen – jetzt haben die Gemeinden des Grödner- und des Gadertals einstimmig gehandelt. Ihr gemeinsamer Plan: Das Grödner Joch, das die beiden Täler miteinander verbindet, wird von Mai bis Oktober zur Sperrzone für Nicht-Anwohner. In der Hochsaison rollen dort täglich bis zu 11.000 Fahrzeuge über die Passstraße – Zahlen, die laut Il Dolomiti das Bergökosystem und die Geduld der Einheimischen an ihre Grenzen bringen.
Grödner Joch ab 2027 für Urlauber gesperrt: Alpenverein begrüßt Fahrverbot in Südtirol
Der Alpenverein Südtirol (AVS) freut sich über die Entscheidung. „Für uns als Alpenverein ist das ein historischer Moment“, sagt AVS-Präsident Georg Simeoni dem Nachrichtenportal stol.it. Ein autofreies Grödner Joch bedeute mehr Erholung für alle. Auch für das Sellajoch unterstütze der Verein einen solchen Schritt.
Das Konzept stammt aus einer technischen Arbeitsgruppe und ist bereits in allen Details ausgearbeitet. Weil es sich um eine Provinzstraße handelt, muss die Südtiroler Landesregierung dem Plan jedoch noch zustimmen, bevor er in Kraft treten kann. Es ist nicht die einzige Maßnahme gegen den überbordenden Tourismus in der Alpenregion. Einige Südtiroler Gemeinden verdoppelten jüngst die Kurtaxe.
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Frei fahren dürfen künftig nur noch Bewohner der beiden Täler sowie Personen mit nachgewiesenem Arbeitsgrund – etwa Handwerker oder Großhändler – und Hotelgäste entlang der Strecke. Alle anderen kommen nur noch mit Online-Reservierung auf den Pass: Dafür stehen 150 kostenpflichtige Parkplätze zur Verfügung. Wer keinen Platz ergattert, muss einen erheblichen Umweg in Kauf nehmen: entweder rund 42 Kilometer über Sellajoch und Pordoi – oder sogar bis zu 100 Kilometer durch das Pustertal.
Als Ausgleich für die Einschränkungen setzt die Provinz auf den öffentlichen Nahverkehr. Die Busverbindungen sollen im 15- bis 20-Minuten-Takt fahren, wie der Sender Rai berichtet. Für die Seilbahnen von den Tälern hinauf zum Pass gelten die normalen Südtiroler Nahverkehrstarife. (Verwendete Quellen: Il Dolomiti, Rai, Ansa, stol.it) (moe)