Es ist der romantischste und wohl gleichzeitig auch gefährlichste Liebesbeweis, über den gerade ganz Deutschland spricht: ein 15-Jähriger, der einen Linienbus in Wiesbaden klaut, nur um damit seine Freundin im über 130 Kilometer entfernten Karlsruhe zur Schule zu chauffieren.

„Und die Leute sagen, Romantik gibt es nicht mehr“

Seitdem die Aktion vom vergangenen Freitag, 13. März, bekannt geworden war, ist der liebestolle Jugendliche im Netz der gefeierte Star. So schreibt etwa Klima-Aktivistin Luisa Neubauer auf Instagram: „Linienbus statt Porsche, Fridays for Future wirkt.“ Back-Influencerin Sally Özcan aus Waghäusel applaudiert dem Teenager virtuell: „Ehrenmann – lässt seine Frau nicht alleine.“

Back-Influencerin Sally Özcan.

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Back-Influencerin Sally Özcan.
Foto: Christian Charisius/dpa

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Back-Influencerin Sally Özcan.
Foto: Christian Charisius/dpa

Auch die Mehrheit der Kommentatoren lobt die romantische Geste des Jugendlichen, nennt ihn „Gentleman“, „Macher“ oder „Boyfriend of the year“ – auch die ka-news-Community. So schreibt User Manuel Felix Musehold auf Facebook: „Und die Leute sagen, Romantik gibt es nicht mehr.“ Nutzer Moritz Schroeder kommentiert: „Der hat auf jeden Fall ‚Baby, ich mach alles für dich!‘ bis zum Ende durchgespielt. Respekt.“

Andere zollen den Fahrkünsten des Jungen ihre Anerkennung: „Finde es krass, dass er es offenbar geschafft hat, mit 15 ein Schwerkraftfahrzeug von Mainz bis nach Karlsruhe zu fahren – über die Autobahn – durch die Stadt – und gut genug, dass er auf seinem Weg keiner Streife oder jemandem auffiel“, schreibt ein Nutzer auf Instagram unter einem Beitrag des ZDF.

Busunternehmen findet Liebes-Fahrt gar nicht lustig

Gar nicht bewundernswert oder romantisch findet die Aktion hingegen Jörg Martini, der Geschäftsführer der Nassauischen Verkehrs-Gesellschaft (NVG), von deren Betriebshof im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel der Teenager den Bus entwendet hat. „Wir finden das eine sehr ernste Angelegenheit“, erklärt Martini laut mehrerer Medienberichte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Busse der ESWE.

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Busse der ESWE.
Foto: Jörg Halisch/dpa

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Busse der ESWE.
Foto: Jörg Halisch/dpa

Das sieht demnach auch die Wiesbadener Verkehrsgesellschaft ESWE so, in deren Auftrag die NVG-Busse fahren. „Ich mag mir lieber nicht vorstellen, was dabei alles hätte passieren können. Egal, welche Absicht damit verfolgt wird, ich kann bei einer solch gefährlichen Aktion keinen Spaßfaktor erkennen“, so Sprecher Jürgen Hüpohl.

Egal ob romantische Geste oder nicht – Fakt ist: Der Teenager wird sich für den Diebstahl und das Fahren ohne Fahrerlaubnis verantworten müssen. Und danach?

Fans planen für 15-Jährigen eine Karriere als Busfahrer

Wenn es nach den Usern im Netz geht, ist der Führerschein inklusive der glänzenden Karriere als Bus- oder Berufskraftfahrer dem jungen Fahrtalent bereits sicher. Bei der NVG hat der 15-Jährige seine Chancen darauf allerdings bereits verspielt.

Laut der Medienberichte habe das Wiesbadener Busunternehmen tatsächlich ermunternde Zuschriften erhalten, dem Jugendlichen künftig eine Chance zu geben. Dafür habe Geschäftsführer Jörg Martini aufgrund des Tatbestands allerdings nur verständnisloses Kopfschütteln übrig.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Deutsche Bahn (DB) scheinen das hingegen nicht ganz so eng zu sehen: „Wir bilden aus“, schreibt die BVG so etwa schlicht unter dem Beitrag des ZDF auf Instagram und auch die DB kommentiert: „In 2 Jahren könnte er bei uns dann die Ausbildung zum Busfahrer beginnen. Wäre aber nett, wenn er dann nicht nur seine Freundin mitnimmt.“

  • Melissa Betsch

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