Radikaler Umbau: Medienanstalt ordnet Berliner und Brandenburger Radiolandschaft völlig neu.

Die mabb plant den radikalsten DAB+-Umbau seit Jahren. Während Berlin massiv profitiert, müssen sich Hörer in Brandenburg auf eine völlig neue Senderstruktur einstellen. Mehr Regionalisierung, neue Kapazitäten – aber auch offene Fragen sorgen für Spannung in der Branche.

Die DAB+-Landschaft in Berlin und Brandenburg steht vor einer grundlegenden Neustrukturierung. Kern der Reform ist die Abkehr von bisherigen landesweiten Multiplexen hin zu einem stärker regionalisierten Modell mit insgesamt sechs Versorgungsgebieten. Während Berlin eine eigene Region bleibt, wird Brandenburg in fünf Teilräume aufgeteilt. Ziel ist es, die Radioversorgung flexibler und wirtschaftlicher zu gestalten und sowohl landesweiten als auch lokalen Anbietern besser gerecht zu werden, berichtet radioszene.de unter Berufung auf die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb).

Ein zentrales Ergebnis der Analyse: Das bisherige Nebeneinander von kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Multiplexen ohne Regionalisierung gilt als überholt. Der landesweite Kanal 12D etwa deckt Teile Brandenburgs wie die Prignitz, das Ruppiner Land und die Uckermark nicht ausreichend ab. Gleichzeitig belastet die flächendeckende Verbreitung insbesondere kleinere lokale Anbieter mit hohen Kosten – für viele Programme war ein Einstieg in DAB+ bislang wirtschaftlich kaum möglich, so radioszene.de.

Strukturelle Schwächen des bisherigen Systems

Auch beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) zeigen sich strukturelle Grenzen. Mehrere Regionalversionen von Antenne Brandenburg und radio eins werden aktuell parallel landesweit ausgestrahlt, ohne gezielte regionale Ausspielung. Zudem fehlen Kapazitäten für spezielle Angebote wie das sorbische Programm in der Niederlausitz. Die Reform soll hier künftig deutlich mehr Flexibilität schaffen.

Hintergrund sind strukturelle Schwächen des bisherigen Systems: Landesweite Verbreitung galt als zu teuer und wenig passgenau für lokale Programme. Künftig soll die Verteilung der Kapazitäten gezielter erfolgen – insgesamt 864 sogenannte Capacity Units stehen zur Verfügung, bei denen es eine Aufteilung zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und privaten Anbietern geben soll. Auch die bisherigen landesweiten Kanäle sollen perspektivisch aufgegeben werden.

Erhebliche Umstellungen für private Anbieter

Für private Anbieter bedeutet die Reform erhebliche Umstellungen. In der aktuellen Ausschreibungsphase werden zunächst vier Kapazitäten für landesweit verbreitete kommerzielle Programme sowie eine für nichtkommerzielle Anbieter vergeben. Perspektivisch könnten bis zu 14 Programme entstehen, die in allen sechs Regionen zur Ausstrahlung kommen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Anbieter müssen stärker regionalisierte Inhalte liefern.

Ein Nebeneffekt der Neuordnung ist eine Verschiebung der Angebotsvielfalt. Während in Berlin ab 2028 deutlich mehr Kapazitäten zur Verfügung stehen – rund 40 kommerzielle Programmplätze statt bisher 32 –, könnte sich die Vielfalt in einzelnen Regionen Brandenburgs verringern. Diese Entwicklung sorgt bereits jetzt für Diskussionen innerhalb der Branche.

Die geplante neue Struktur:

  • Berlin: rbb 88.8 und Cosmo plus drei weitere Programme; zusätzlich 3 mabb-Kapazitäten
  • Nordwest (Prignitz): Antenne Brandenburg (Studio Perleberg); ergänzt durch 3 regionale mabb-Programme
  • Nordost: Antenne Brandenburg (Studio Prenzlau); ergänzt durch 3 regionale mabb-Programme
  • Ost (Oderbruch): Antenne Brandenburg (Studio Frankfurt (Oder)) und radioeins FFO; plus 3 mabb-Programme
  • Südost (Niederlausitz): Antenne Brandenburg (Studio Cottbus), radioeins CB, rbb24 Inforadio und sorbisches Programm; plus 3 mabb-Programme
  • West (Potsdam): Antenne Brandenburg (Studio Potsdam); ergänzt durch 3 regionale mabb-Programme
  • Berlin & Brandenburg (landesweit): radio eins, Fritz, radio 3 und rbb24 Inforadio; dazu bis zu 4 mabb-Programme landesweit

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Bildquelle:

  • 250326 MABB Radiolandschaft neue Struktur: KI-generiert, basierend auf Daten von radioszene.de, Karte: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, Frankfurt am Main