Neue Gewaltform

Jugendliche Auftragstäter – Polizei warnt vor gefährlichem Trend

25.03.2026 – 16:29 UhrLesedauer: 3 Min.

Polizisten in Frankfurt führen eine Razzia im Drogenmilieu durch (Archivbild). Die neue Kriminalstatistik legt einen gefährlichen Trend offen.Vergrößern des Bildes

Polizisten in Frankfurt führen eine Razzia im Drogenmilieu durch (Archivbild): Die neue Kriminalstatistik legt einen gefährlichen Trend offen. (Quelle: dpa/Boris Roessler)

Frankfurts Polizei zieht Bilanz. Die neue Kriminalstatistik zeigt: Morde gehen zwar zurück – doch eine andere Art Gewaltverbrechen nimmt zu. Was es damit auf sich hat.

Während die neue Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) einen Rückgang bei Morden verzeichnet, gibt es anderswo einen Anstieg: Laut der Frankfurter Polizei nehmen sogenannte „Violence as a service“-Fälle zu – also Verbrechen, die als eine Art Service erbracht werden.

Es handelt sich dabei um Gewaltverbrechen, für die meist junge Täter angeheuert werden. Solche Fälle nehmen deutschlandweit zu. Auch in der Mainmetropole hat die Polizei einen Trend ausgemacht.

So steht ein Fall am Frankfurter Landgericht aus dieser Woche symbolisch für dieses neue Phänomen: Ein 15-Jähriger wurde wegen eines Brandanschlags auf ein Café in Bockenheim zu vier Jahren und drei Monaten Jugendstrafe verurteilt. Tatbestand: versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung in fünf Fällen.

Laut Gericht warf der Teenager im Sommer 2025 eine selbstgebaute Kugelbombe mit mehreren Litern Brandbeschleuniger in das Café. Der Sprengsatz detonierte und setzte den Raum vollständig in Brand. Der Wirt rettete vier Gäste und sich selbst ins Freie.

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Täter aus den Niederlanden per Snapchat angeworben und eigens für die Tat nach Frankfurt gebracht wurde. Laut Polizei gab es auch in anderen Frankfurter Fällen Festnahmen in den Niederlanden. Oftmals gehe es um Anschläge auf Bars oder Cafés, vermutlich im Zusammenhang mit Schulden.

Die Polizei ordnet den Fall einem Muster zu, das sie „Violence as a Service“ nennt: Kriminelle Netzwerke vergeben Gewaltaufträge gegen Bezahlung an Dritte – häufig an Jugendliche. Viktor Lekic, Leiter der Kriminaldirektion, sagt: „Im vergangenen Jahr haben wir mehrere schwere Straftaten festgestellt, die wir dem Muster ‚Violence as a Service‘ zuordnen.“

Das Besondere dabei: Die Auftraggeber blieben im Hintergrund und seien nur schwer zu greifen. Laut BKA erfolgt die Anwerbung oft über Plattformen oder Messenger-Dienste. Lekic spricht von einer „neuen Qualität der Kriminalität“. Besonders beunruhigend sei, dass Täter inzwischen „vor unserer Haustür im Rhein-Main-Gebiet rekrutiert“ würden.

Neben diesem Phänomen stellte die Frankfurter Polizei weitere Zahlen zur Kriminalität in der Mainmetropole vor. So stieg die Gesamtzahl der Straftaten auf 113.603 Fälle, das entspricht einem Zuwachs von 0,3 Prozent. 62,5 dieser Fälle wurden aufgeklärt.

So stiegen Beleidigungen, Bedrohungen und Körperverletzung das vierte Jahr in Folge – von 14.520 auf 16.005 Fälle. Der Frankfurter Polizeipräsident Stefan Müller sagt dazu: „Die Zündschnur vieler Menschen ist kurz, der Umgang innerhalb der Gesellschaft rau.“