Der 1. FC Köln setzt im Abstiegskampf nicht nur auf René Wagner, sondern auch auf Armin Reutershahn. Der 66-Jährige blickt auf eine über drei Jahrzehnte lange Arbeit als Assistenztrainer zurück und soll dem jungen Cheftrainer helfen.

Als Armin Reutershahn erstmals als Assistenztrainer in der Bundesliga arbeitete, war René Wagner gerade einmal drei Jahre alt. Der heutige Co-Trainer des 1. FC Köln begann seine Karriere als zweiter Mann an der Seitenlinie bei Bayer 05 Uerdingen. An wessen Seite? Na klar, Friedhelm Funkel. 195 Spiele wirkten beide in Uerdingen, später noch einmal 194 Spiele gemeinsam bei Eintracht Frankfurt.

Reutershahn ist der Inbegriff von Erfahrung. Insgesamt 1207 Pflichtspiele hat der heute 66-Jährige als Nummer zwei auf der Trainerbank erlebt. Ein einziges, damals nach Funkels Abschied in Uerdingen, als Interimstrainer. Dieses eine Spiel gewann er damals mit 2:0 beim FC St. Pauli.

Kessler erklärt Reutershahns Verpflichtung

Es ist genau diese Erfahrung aus weit über tausend Spielen, die der FC gesucht hatte. Und die Vereine, für die Reutershahn arbeitete, waren auch keine kleinen: Nach Uerdingen kamen der HSV, Nürnberg, Stuttgart, Hoffenheim, Frankfurt, Gladbach, Dortmund, Hertha. Von den großen Traditionsclubs fehlte Reutershahn kaum einer mehr – nun steht auch der FC auf der Liste seiner Arbeitgeber.

Thomas Kessler machte am Montag gar keinen Hehl daraus, warum der 66-Jährige so wichtig sein soll für den FC. „Auch wenn René viel Expertise hat, kann man natürlich nicht wegdiskutieren, dass er in der Bundesliga noch nie eine Mannschaft als Cheftrainer geleitet hat“, sagte der Sportchef. „Mit Armin haben wir jemanden dazu gewonnen, der vor allen Dingen in den letzten Jahrzehnten in der Bundesliga mit unglaublich unterschiedlichen Cheftrainern gearbeitet hat. Deswegen steht uns diese Personalie sehr gut zu Gesicht.“

Armin ist zehnmal länger als ich in der Bundesliga. Ich brauche jemanden, der mich zurückholt, wenn ich zu stark auf dem Gaspedal stehe.

René Wagner

Nach GEISSBLOG-Informationen hatte der FC Reutershahn in der Woche vor dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach als jenen Assistenztrainer identifiziert, den man holen wolle, falls es gegen die Fohlen schief gehen und man sich von Lukas Kwasniok trennen würde. Die Trennung war somit nicht vorbereitet, der Worst Case aber zumindest durchgespielt und mit Reutershahn der Mann an Wagners Seite ausgeguckt worden.

Wagner selbst lernte den 66-Jährigen am Sonntagabend kennen. „Ich kenne den Armin seit drei Tagen. Als klar war, dass Lukas beurlaubt wird und ich die Aufgabe erst mal übertragen bekomme, haben wir uns getroffen“, berichtete Wagner. „Armin ist zehnmal länger als ich in der Bundesliga. Ich brauche jemanden, der mich zurückholt, wenn ich zu stark auf dem Gaspedal stehe. Da stehe ich zu oft. Armin hat jetzt die Bremse in der Hand.“

Standards übernimmt Reutershahn nicht

Reutershahn soll also den besonnenen Part im Trainerteam übernehmen. Welche Rolle genau, wird sich erst in der Länderspielpause herauskristallisieren. „Wir werden uns die nächsten Tage kennenlernen und herausfinden, wo Armins große Stärken liegen.“ Nur eines machte Wagner schon einmal mit einem Lächeln klar: „Ich kann schon sagen: Standards macht er nicht. Das andere klären wir noch.“

Die Standards hatte der FC in den letzten Wochen deutlich verbessert, insbesondere ein Verdienst Wagners im Zusammenspiel mit Denis Huckestein. Der Spielanalyst rückte in den ersten beiden Trainingseinheiten näher an das Trainerteam heran und begleitete die Einheiten auf dem Rasen. So dürfte sich zunächst das Trainerteam mit Wagner und Reutershahn als Duo aufstellen, mit Huckestein und Torwarttrainer Peter Greiber als Ergänzungen.