Widerstand gegen den Entwurf kommt vor allem aus dem organisierten Sport. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) etwa verlangt mehr Mitsprache und wandte sich gegen „einen staatsdominierten Sport“. Der DOSB zeigte sich auch verärgert, dass es keine Absprachen über die Standortentscheidung für Leipzig gab. Der DOSB will sich weiterhin für Frankfurt/Main stark machen, wo der Dachverband seinen Sitz hat, neben einer Vertretung auch in Berlin.
Auch Athleten fühlen sich übergangen
Die Staatsministerin verteidigte den geplanten Standort. Damit solle die Unabhängigkeit der Agentur gestärkt werden, sagte Schenderlein bei der Vorstellung des Entwurfs am Mittwoch. Es ist jedoch fraglich, ob das Gesetz, wie von ihr erhofft noch vor der Sommerpause in Kraft treten kann.
Denn auch Athleten fühlen sich hier übergangen. Johannes Herber etwa, der Chef des Vereins Athleten Deutschland, kritisierte im ZDF, es gebe keine verbindliche Rolle für sie im Stiftungsrat, nur im beratenden Sportfachbeirat ohne Entscheidungsbefugnis: „Die Botschaft, die da gesendet wird: Wir wollen über Athleten entscheiden, aber nicht mit Athleten.“
ARD-Sportschau-Experte eher skeptisch
Auch der Ex-Spitzen-Biathlet Erik Lesser, heute ARD-Sportschau-Experte, reagierte zurückhaltend auf die geplante Spitzensportagentur. Der aus Thüringen stammende Sportler sagte MDR AKTUELL, er hoffe, dass sie „auch wirklich sinnstiftend ist, dass das Geld da nicht nur verbrannt wird“.
Die Entscheidungen müssten von echten Experten kommen und auch wissenschaftlich fundiert sein, sagte Lesser weiter.
Ein weiteres „Trial and Error“ könne sich Deutschland nicht mehr leisten, „wenn man sich den Medaillenspiegel der letzten Olympischen Spiele mal anschaut“. Unter bestimmten Bedingungen allerdings könne die nun geplante Spitzensportagentur „der richtige Weg“ sein.
Lesser betonte zugleich, dass es für erfolgreichen Spitzensport auch eine starke Basis im Breitensport brauche. Es gebe heute viel zu wenige Kinder im Nachwuchs, Sportstätten und Vereine seien oft überlastet. Darum brauche es mehr Unterstützung für Kitas, Schulen und Vereine. Auch müssten baufällige Sportstätten saniert werden. All das helfe, Sport attraktiver zu machen.