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Die russische Wirtschaft ächzt unter den Folgen des Ukraine-Kriegs. Putin räumt zum ersten Mal Probleme ein – und gibt einen kuriosen Grund an.
Moskau – Russlands Kriegswirtschaft ist rund vier Jahre nach dem Überfall auf die Ukraine eingebrochen. Das hat Machthaber Wladimir Putin nun persönlich eingeräumt. „Im Januar dieses Jahres ist Russlands Bruttoinlandsprodukt 2,1 Prozent niedriger gewesen als vor einem Jahr“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur den Kreml-Chef bei einer Regierungssitzung. Auch die Industrieproduktion sei um 0,8 Prozent zurückgegangen.
Wladimir Putin räumt einen Einbruch in der russischen Kriegswirtschaft ein. (Archivbild) © Kristina Solovyova/dpa
Laut Putin sind aber nicht etwa westliche Sanktionen gegen die Ölindustrie des Landes ausschlaggebend für die kriselnde Wirtschaft. Der Präsident nennt stattdessen die 2026 im Vergleich zum Vorjahr gestiegene Anzahl an Feiertagen als Auslöser. Gleichzeitig plädierte er dafür, dass die Regierung in Moskau Maßnahmen trifft, um „auf den Pfad nachhaltigen Wachstums zurückzukehren“.
Russlands Wirtschaft bricht ein – Sanktionen setzen Putins Gas- und Ölgeschäfte unter Druck
Nur mit einer höheren Zahl an Feiertagen dürften die wirtschaftlichen Probleme des Landes nicht erklärt sein. Denn seit vier Jahren führt Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der verschlingt große Mengen an Geld, Ressourcen und militärischer Ausrüstung – und kostet unzähligen Soldaten auf beiden Seiten das Leben.
Entsprechend sieht der russische Ökonom Andrei Yakovlev von der Freien Universität Berlin die niedrige Arbeitslosenquote in Russland nicht als Zeichen der Stärke, berichtete die Wirtschaftswoche. Vielmehr würden die durch den Kriegseinsatz fehlenden Arbeitskräfte eine Lücke in der russischen Wirtschaft reißen, die man nicht kurzfristig schließen könne.
Hinzu kommen westliche Sanktionen gegen den für Russland wichtigen Energiesektor. Die Exporte von russischem Öl und Gas sind in den vergangenen Jahren immer weiter eingebrochen. Eine Analyse der Non-Profit-Organisation „Centre for Research on Energy and Clean Air“ (CREA) ergab, dass die russischen Einnahmen durch den Verkauf fossiler Brennstoffe im vierten Kriegsjahr um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken sind. Das seien insgesamt 27 Prozent weniger als noch vor dem Krieg.
Russland profitiert vom Krieg im Iran
Eine geopolitische Entwicklung scheint sich für Russland aber positiv auszuwirken. Der Krieg im Iran spielt Putins Öl- und Gasverkäufen in die Hände. Euronews berichtete unter Berufung auf Zahlen von CREA, dass die russischen Öl- und Gaseinnahmen seit der Sperrung der Straße von Hormus deutlich gestiegen sind. In den ersten 15 Tagen im März habe Russland täglich rund 372 Millionen Euro aus dem Verkauf von fossilen Energieträgern eingenommen. Das seien etwa 14 Prozent mehr, als der Tagesdurchschnitt im Februar.
Grund dafür sind drastisch gestiegene Ölpreise im Zuge des Kriegs im Nahen Osten. Zusätzlich lockern die USA ihre Sanktionen gegen Moskau. Für einen Zeitraum von 30 Tagen gab US-Präsident Donald Trump den Kauf von russischem Öl frei. (Quellen: dpa, Wirtschaftswoche, CREA, Euronews) (nhi)