• Das DRK bietet seit November 2025 im Jugendzentrum Findorff und Alt-Aumund mit dem Projekt „Frühschicht“ Anlaufstellen für junge Wohnungslose und weitere Jugendliche mit Problemen.
  • Die Frühschicht unterstützt unter anderem bei der Ausbildungssuche, bietet Tagesstruktur und niedrigschwellige Hilfe, finanziert vom Jobcenter und Sozialressort mit Kooperation der Jugendhilfe.
  • Laut Bundesbauministerium ist die Zahl wohnungsloser Jugendlicher und Minderjähriger bundesweit zuletzt stark gestiegen; das Projekt will durch intensive Betreuung Erfolge bei der Integration erzielen.

Mehr anzeigen
Weniger anzeigen

Auf dem Tisch im Aufenthaltsraum des Jugendzentrums Findorff steht ein kleines Frühstücksbuffet bereit. Denn seit November 2025 ist in dem Freizi des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auch vormittags Betrieb. Grund ist die „Frühschicht“, ein Projekt, das unter anderem Wohnungslosen bis 25 Jahren eine Anlaufstelle bieten soll. „Durch den gedeckten Tisch fühlen sich die Leute willkommen. Dann öffnen sie sich und erzählen von ihren Problemen“, sagt die Hauswirtschafterin Lilia Ohlrogge-Ster. Das Modellprojekt richtet sich nicht nur an junge Wohnungslose, sondern unter anderem an junge Menschen mit unterbrochenen Bildungsbiografien, psychischen Belastungen, Gewalt- und Konflikterfahrungen und Suchtproblematiken. Es soll den Jugendlichen eine Tagesstruktur geben und unter anderem niedrigschwellig bei der Ausbildungssuche und Berufswahl unterstützen.

Dafür kooperiert das Jobcenter mit der Jugendhilfe: Ein kleines Team des DRK aus fünf Mitarbeitenden steht dafür jeweils in den Freizis Findorff und Alt-Aumund 25 Stunden pro Woche bereit. Das zunächst auf 18 Monate angelegte Projekt wird zu 30 Prozent vom Sozialressort und zu 70 Prozent vom Jobcenter finanziert.

Wo weiter Bedarf besteht

Laut Sozialressort ist das Konzept eine Weiterentwicklung des Projekts „Andocken“, das von 2018 bis 2024 in der Innenstadt angesiedelt war. Die Beratungsstelle der Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (WabeQ) war mit Personal und Arbeitsstunden großzügiger ausgestattet, bekam aber keine Anschlussfinanzierung.

Dass weiter Bedarf besteht, belegen Daten der Bundesregierung: Die Zahl der Jugendlichen ohne Wohnung zwischen 18 und 25 Jahren hat sich in drei Jahren bundesweit fast verdreifacht. Das berichtet die Wochenzeitung „Die Zeit“ mit Verweis auf die Antwort des Bundesbauministeriums auf eine Anfrage der Linken. Demnach galten zum 31. Januar 2025 rund 55.700 Unter-25-Jährige als wohnungslos, drei Jahre zuvor waren es 18.800. Auch die Zahl der Minderjährigen ohne Wohnung ist bundesweit sprunghaft angestiegen: von 47.000 Ende Januar 2022 auf 137.000 im Januar 2025. Gerade junge Leute leben oft als sogenannte Sofahopper in verdeckter Wohnungslosigkeit.

„Wir waren mit zweieinhalb Stellen schon im Andocken-Projekt integriert. Der Vorteil an den Standorten in den Jugendzentren ist die direkte Öffnung ins Quartier“, erläutert Maria Schönebaum, Leitung des Zentrums für Schule und Beruf. Die DRK-Einrichtung setzt sich für die Integration und den Bildungserfolg von jungen Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf ein. „Wir haben in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit teilweise Besucher, die mit ähnlichen Problematiken zu tun haben“, sagt Jasmin Bohlmann, Leitung der Jugendförderung in den DRK-Freizis.

Einzelfallbegleitung auch nachmittags

Sozialpädagoge Bastian Selter hat auch jahrelang das „Andocken“-Projekt begleitet. Weil das Zeitfenster nun früher am Tag sei, versuche das Team morgens, junge Leute aus den Notunterkünften anzusprechen. Im Jugendzentrum habe man Küche, Dusche und Waschmaschine schon vorgefunden, gleichwohl seien hier Absprachen erforderlich. Die Einzelfallbegleitung finde auch nachmittags statt, etwa für Behördengänge oder Arztbesuche, sagt Sozialpädagogin Laura Gros.

Was die Jugendlichen in verdeckter Wohnungslosigkeit betrifft, arbeitet die Frühschicht mit der Zentralen Fachstelle Wohnen zusammen. „In Bremen ist es einfach, bei Freunden unterzukommen. Dadurch ist es schwer, diese Leute zu finden. Und viele wissen nicht, dass sie hilfebedürftig sind“, sagt Selter. Während junge Männer eher Kurzanliegen hätten, nutzten junge Frauen häufiger eine längere Beratung. Vielfach lebten wohnungslose Frauen in finanzieller Abhängigkeit zu Männern, um nicht auf der Straße zu landen.

Herausfordernd sei zunächst, ein Netzwerk aufzubauen, sagt Selter: „Die Zielgruppe ist sehr gut darin, sich durchzuschlagen und unter dem Radar zu laufen.“ Beim Netzwerken komme ihm zugute, dass er parallel in der Jugendberufsagentur des Jobcenters junge Geflüchtete berät.

Alditüte mit 30 alten Briefen

Wichtig sei, den Jugendlichen eine Anlaufstelle zu bieten, wo nicht sofort Anforderungen an sie gestellt würden. „Hier können sie jeden Tag kommen und einfach sein“, sagt Selter. Ein Grundsatz, der auch in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit verankert sei, sagt Bohlmann.

Nur dass die Frühschicht-Besucher oft vor stärker verfestigten Problemen stehen: „Der Klassiker ist die Alditüte mit 30 alten Briefen, die erst mal sortiert werden müssen. Oft sind es zehn Baustellen gleichzeitig: Anträge beim Jobcenter, Schuldnerberatung oder Probleme mit der Polizei“, sagt Selter. Bei der Problemlösung gebe es oft einen guten Draht zu den Ansprechpartnern. „Wir wissen, wen wir fragen müssen.“

Nach knapp fünf Monaten Laufzeit sei es noch ein Fernziel, die Teilnehmenden aus dem Leistungsbezug zu holen. „Unsere ersten Erfolgserlebnisse sind, dass wir Leute in Maßnahmen anmelden konnten, wo es auf der Kippe stand. Mit Glück werden wir bald die erste Person aus den Schulden herauskriegen“, berichtet Selter. Wie lange positive Entwicklungen manchmal brauchen, weiß er aus dem „Andocken“-Projekt. „Eine Person, die anfangs wohnungslos war, hat mir ein paar Jahre später ihr Abiturzeugnis in die Hand gedrückt. Das ist, was wir hier auch versuchen wollen, zu erreichen.“

Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.

→ Mehr Infos

Zur Startseite