Ukrainische Drohnen treffen offenbar einen russischen Eisbrecher in der Ostsee. Auch ein großer Energiehafen gerät in Brand.
Ukrainische Streitkräfte haben nach eigenen Angaben einen russischen Militär-Eisbrecher im Ostseehafen Wyborg schwer beschädigt. Laut einem Bericht des „Kyiv Independent“ hat in der Nacht auf Mittwoch ein Drohnenschlag den Patrouillen-Eisbrecher „Purga“ getroffen, der zum Grenzschutz des Inlandsgeheimdienstes FSB gehört. Das Schiff liegt derzeit in einer Werft.
Der Angriff sei der erste bekannte erfolgreiche Schlag gegen ein russisches Kriegsschiff in der Ostsee, so der ukrainische Generalstab auf Telegram. Wyborg liegt in der Region Leningrad, nahe der Grenze zu Finnland, fast 1.000 Kilometer von der Ukraine entfernt.
ANZEIGEEisbrecher kippt auf die Seite
In sozialen Netzwerken kursieren Bilder, die den Zustand des Schiffs nach dem Angriff zeigen sollen. Darauf ist ein weißes Schiff zu sehen, das deutlich auf die Seite gekippt zwischen größeren Schiffen im Hafen liegt. Diese Fotos sind bisher nicht unabhängig überprüft, werden aber in der internationalen Berichterstattung der Purga zugeordnet.
Der belgische Sender BNR berichtet, die Purga könne sowohl als „Eisbrecher, aber auch als reguläres militärisches Kriegsschiff“ eingesetzt werden. Eisbrecher sind Schiffe mit verstärktem Rumpf, die Fahrrinnen durch Eis schlagen. Das russische Fachportal „Paluba“ schätzt die Kosten für ein Schiff dieser Klasse auf rund 18 Milliarden Rubel, also etwa 190 Millionen Euro.
ANZEIGEArktis-Schiff mit Spezialfähigkeiten
Die Purga gehört zur Schiffsklasse Projekt 23550. Laut dem Fachportal „Naval News“ ist es ein Mehrzweck-Eisbrecher, der Funktionen von Schlepper, Patrouillenschiff und Eisbrecher vereint.
Die Schiffe dieser Klasse können Eis von bis zu 1,7 Metern Dicke brechen und sind speziell für die Arktis gebaut. Sie sollen Wassergebiete im hohen Norden überwachen, andere Schiffe begleiten und schleppen, als Versorgungsschiff dienen, bei Rettungsaktionen helfen und Nachschub in entlegene Gebiete bringen.
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Der nun getroffene Eisbrecher ist das erste Schiff der Grenzschutz-Variante innerhalb der Klasse Projekt 23550. Während die Marine-Variante „Iwan Papanin“ als schwer bewaffnetes Kriegsschiff mit Raketenoption konzipiert ist, stellt die nun getroffene Purga das Typschiff der Grenzschutz-Variante dar. Sie teilt zwar die robuste Eisbrecher-Plattform, ist jedoch für die spezifischen Aufgaben des FSB-Grenzschutzes modifiziert und verfügt über eine weniger offensive Bewaffnung. Das sind die technischen Details im Überblick:
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- Länge: etwa 114 Meter
- Breite: rund 20 Meter
- Verdrängung: 9000 Tonnen
- Höchstgeschwindigkeit: 18 Knoten (circa 33 km/h)
- Stammbesatzung: mindestens 60 Personen
Die Reichweite ist so ausgelegt, dass das Schiff bis zu 70 Tage am Stück auf See bleiben kann.
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Die „Iwan Papanin“ in St. Petersburg. picture alliance/dpa/TASS | Valentin Yegorshin Massive Drohnenwelle über Russland
Das russische Verteidigungsministerium meldete zudem, seine Luftabwehr habe in derselben Nacht 389 ukrainische Drohnen abgeschossen. Betroffen seien 13 Regionen in Russland sowie die besetzte Krim. Diese Zahlen lassen sich nicht unabhängig verifizieren.
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In Wyborg selbst wurde nach Angaben des Gouverneurs der Region Leningrad auch ein Wohnhaus im Stadtzentrum getroffen. Er bestätigt einen Einschlag, macht aber keine näheren Angaben zu Schäden oder möglichen Verletzten.
Energie-Drehscheibe Ust-Luga brennt
Weiter südlich wurde zudem ein wichtiger Energiehafen getroffen. In Ust-Luga, einem großen Exportterminal an der Ostsee, brach nach einem Drohnenangriff ein Feuer aus. Laut dem Sender BNR sei die Anlage beschädigt, über die täglich bis zu 700.000 Barrel Öl verladen werden können.
Der Gouverneur erklärte, die Feuerwehr habe einen Brand gelöscht, sprach aber von keinen Opfern. Mehrere Öllagertanks stünden in Flammen und der Terminal sei vorübergehend abgeschaltet, heißt es in den Berichten. Ust-Luga exportiert neben Öl auch Kohle, Getreide und Dünger.