Mehr als zwei Drittel der iranischen Produktionsanlagen für Raketen und Drohnen sowie ein Großteil der Marine sollen zerstört sein. Das meldete am Donnerstag der Befehlshaber des für den Nahen Osten zuständigen US-Militärkommandos (Centcom), Admiral Brad Cooper. Über 10.000 militärische Ziele seien getroffen worden.

Die US-Armee habe außerdem 92 Prozent der größten Schiffe der iranischen Marine beschädigt oder zerstört, sagte Cooper. Damit habe Teheran „nun die Fähigkeit verloren, in der Region und weltweit in nennenswertem Maße seine Macht auf See auszuüben und Einfluss zu nehmen“.

Die Häufigkeit iranischer Drohnen- und Raketenstarts sei um 90 Prozent zurückgegangen, so Cooper. Die US-Armee habe Teheran außerdem „die Fähigkeit genommen, sie wiederherzustellen“. Die US-Streitkräfte „liegen bei der Erreichung der ganz klar definierten Ziele im Zeitplan oder sind dem Zeitplan sogar voraus“, sagte Cooper.

Umleitung von Ukraine-Militärhilfe möglich

Die Erfolgsmeldung des US-Militärs wurde am Donnerstag konterkariert durch neue Berichte, wonach die USA noch mehr Ressourcen im Nahen Osten konzentrieren wollen. Laut „Washington Post“ erwägt die US-Regierung, für die Ukraine bestimmte Waffen in die Region umzuleiten. Grund dafür sei, dass der Krieg im Iran Bestände des US-Militärs an besonders wichtiger Munition verbrauche, berichtete die Zeitung unter Berufung auf drei Insider.

Debatte

Iran-Krieg: Wie gefährlich ist die Lage?

Die Ukraine wäre davon hart getroffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte am Donnerstag vor einem drohenden Geldmangel für die Armee. Er kritisierte zudem die Aussetzung eines Teils der US-Sanktionen gegen russische Öllieferungen wegen des Iran-Krieges. Aus den Einnahmen könne Moskau den Angriffskrieg weiter finanzieren. „Geld bedeutet Drohnen. Geld bedeutet Menschen“, sagte er.

Beratungen nahe Paris

Finnlands Staatschef Alexander Stubb befürchtete gar, dass die von den USA vermittelten Gespräche zur Beendigung des Ukraine-Krieges vor dem Aus stehen könnten. „Das könnte am Krieg im Iran liegen, der viel Aufmerksamkeit vom Krieg in der Ukraine ablenkt“, sagte Stubb am Donnerstag der norwegischen Zeitung „VG“. Beide Kriege sind am Donnerstag Thema beim Treffen der Außenministerinnen und Außenminister der G-7-Staaten nahe Paris. Für US-Außenminister Marco Rubio ist es seine erste Auslandsreise seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar.

Zwischen Drohung und Diplomatie

Wie es nach fast vier Wochen anhaltenden Krieges am Golf weitergehen könnte, ist unklar. Derzeit bewegen sich die USA zwischen dem Aufbau einer Drohkulisse und diplomatischen Versuchen. „Sie verhandeln übrigens und sie wollen unbedingt eine Einigung erzielen“, sagte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch (Ortszeit) erneut.

Am Donnerstag bekräftigte er nachdrücklich, dass es Verhandlungen gebe. „Die iranischen Verhandler sind ganz anders und ‚seltsam‘“, so Trump in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social. „Sie sollten besser bald Ernst machen, bevor es zu spät ist.“ Dann gebe es kein Zurück, „und das wird nicht schön werden!“

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, drohte ebenso: Zwar gebe es „produktive“ Gespräche auf diplomatischer Ebene. Aber trotz der Verhandlungen sei Trump bereit, die „Hölle“ im Iran losbrechen zu lassen.

Iran dementiert weiter

Auch das pakistanische Außenministerium erklärte auf X, dass indirekte Gespräche zwischen den USA und dem Iran im Gange seien. Pakistan übermittle Nachrichten zwischen beiden Seiten. Die Türkei und Ägypten würden die Bemühungen unterstützen.

Offiziell dementiert die Führung in Teheran aber jede Art von Verhandlungen mit den USA, zuletzt lehnte Außenminister Abbas Araktschi Gespräche mit Washington ab.

G-7-Treffen im Zeichen des Iran-Konflikts

Erstmals seit Beginn des Iran-Krieges treffen einander die Außenminister der G-7 nahe Paris, um über den Umgang mit dem Konflikt zu beraten. Auch US-Außenminister Marco Rubio nimmt teil, während Europa noch nach einer gemeinsamen Linie sucht und bereits wirtschaftliche Folgen spürt.

Israel rechnet mit Waffenruhe durch USA

Israel rechnet laut Medienberichten indes damit, dass Trump bereits am Wochenende im Alleingang eine Waffenruhe mit dem Iran verkünden könnte. Der israelische TV-Sender N12 nannte als möglichen Zeitpunkt Samstag, das Nachrichtenportal Ynet spätestens Mitte kommender Woche. Zuvor wolle man noch möglichst viele militärische Erfolge erzielen.

In einer Sitzung mit Regierungschef Benjamin Netanjahu sei eine „Priorisierung von Zielen“ beschlossen worden, die Israel vorher unbedingt erreichen wolle, berichtete N12. In Israel werde mit einem solchen Schritt Trumps selbst dann gerechnet, wenn die USA mit Teheran keine klaren Vereinbarungen erzielen könnten. Unklar bleibt, wer in Teheran derzeit überhaupt Entscheidungen trifft. Der oberste Führer Modschtaba Chamenei zeigte sich bisher nicht in der Öffentlichkeit.

Mehrere Angriffswellen binnen Stunden

Die gegenseitigen Angriffe in der Region gingen derweil unvermindert weiter. Der Iran nahm Israel am Donnerstag unter intensiven Raketenbeschuss. In mindestens sieben Wellen binnen rund zwei Stunden flogen laut israelischen Militärangaben iranische Geschoße auf Israel. In zahlreichen Gebieten, darunter im Großraum Tel Aviv, in Jerusalem sowie im Norden des Landes, gab es Raketenalarm. Es gab Berichte über Verletzte in Tel Aviv sowie in der arabisch geprägten Stadt Kfar Kassem.

Auch vom Libanon aus gab es erneut Beschuss des israelischen Nordens. Beim Vorrücken der israelischen Armee im Südlibanon wiederum wurde ein Soldat getötet. Der 21-Jährige sei „im Kampf im Südlibanon gefallen“, erklärte die israelische Armee.

Tote durch herabfallende Trümmer

In der emiratischen Hauptstadt Abu Dhabi wurden zwei Menschen durch herabfallende Trümmerteile einer Rakete getötet. Wie das Medienbüro der Stadt mitteilte, wurde eine ballistische Rakete durch das Luftabwehrsystem abgefangen. Dabei seien die Trümmerteile herabgefallen.

Auch andere Golfstaaten meldeten erneut Beschuss ihres Territoriums. In Kuwait seien feindliche Drohnen abgefangen worden, teilte die staatliche Nachrichtenagentur KUNA mit. Das saudische Verteidigungsministerium berichtete, Geschoße in der östlichen Region zerstört und abgefangen zu haben.

Die israelische Armee führte eigenen Angaben zufolge „großangelegte“ Angriffe in weiten Teilen des Iran aus. Dabei sei „Infrastruktur des iranischen Terrorregimes“ anvisiert worden, hieß es. Unter anderem hätten die israelischen Streitkräfte die Stadt Isfahan im Zentrum des Iran attackiert.