Bücher und Spiele ausleihen oder vor Ort schmökern an sieben Tagen in der Woche von 10 bis 20 Uhr – das ist ab dem morgigen Freitag in der Stadtteilbibliothek Rott möglich. Denn diese wird als erste Bücherei in Wuppertal zur „Open Library“. Der Zugang ist dann mit der Ausweiskarte möglich, auch wenn kein Personal anwesend ist.

Das sei ein wichtiger Baustein für mehr Teilhabe, erklärt Maria Finta, stellvertretende Direktorin der Stadtbibliothek, die die Einführung der neuen Technik hauptsächlich betreut hat. „Für uns ist der Kunde wichtig und dass er noch mehr von uns hat.“ Dank der neuen Technik können die Bürger vom Rott, aber auch aus der ganzen Stadt die Bibliothek noch häufiger nutzen – insgesamt 70 Stunden in der Woche. Das helfe etwa Berufstätigen oder mit Menschen mit vielen Terminen, die Zeit für einen Bibliotheksbesuch zu finden.

Schon jetzt ist die Bibliothek für viele im Stadtteil nicht nur Buch-Ausleihstelle, sondern auch Treffpunkt. Hier kommen Senioren zum Austausch zusammen, junge Eltern besuchen die Bibliothek mit ihren Kindern zum Spielen. Bisher geht das nur zu den Öffnungszeiten dienstags und donnerstags von 10-13 und 14-18 Uhr, künftig an allen Tagen der Woche vom 10 bis 20 Uhr, auch am Wochenende und an Feiertagen.

In diesen Zeiten kann, wer will, gemütlich Bücher und Zeitschriften vor Ort lesen, kann sich mit anderen zum Klönen treffen, für die nächste Klausur lernen oder ganz klassisch Bücher ausleihen. Auch Besuche von Schulklassen können nun flexibler geplant werden.

Damit das möglich ist, wurde einiges an Technik installiert. An der Tür gibt es jetzt ein kleines Terminal, vor das Besucher ihre Bibliothekskarte halten müssen, damit sich die Tür öffnet. Im Inneren registrieren zwei Säulen, wie viele Menschen den Raum betreten, wie viele wieder gehen und auch, wenn ein Buch den Raum verlässt.

Ausleihe und Rückgabe funktionieren schon längst per Technik, neu ist die Möglichkeit, per EC-Karte Gebühren zu zahlen. Damit sich die Besucher wohl und sicher fühlen, wurden Kameras installiert. „Die Bilder werden maximal 96 Stunden gespeichert“, erläutert Maria Finta. Bei der Bibliothek ist man zuversichtlich, dass alle pfleglich mit dem Inventar umgehen: „Ich setze auf die Rotter“, sagt Bibliotheksdirektorin Karin Röhrich. „Sie werden Wert darauf legen, dass die Bibliothek ein Schatzkästchen bleibt.“ Denn die Bibliothek hat vor einem Jahr renoviert und modernisiert neu eröffnet und werde seitdem gut angenommen. Kurz vor 20 Uhr wird eine Durchsage die Besucher auf das Ende der Öffnungszeit hinweisen, ein Wachdienst kurz nach Schluss nach dem Rechten sehen.

Personal abgebaut wird durch das neue Angebot nicht, betont Karin Röhrich. Leiterin Kirstin Hamann, ihre Mitarbeiterin Stefanie Wüsthoff und gegebenenfalls Auszubildende werden weiterhin dienstags und donnerstags vor Ort sein, bei der Suche nach bestimmten Büchern oder anderen Medien helfen oder Fragen beantworten.

Nutzen können das neue Angebot alle, die einen Ausweis der Wuppertaler Stadtbibliothek haben und über 18 Jahre alt sind. Kinder bis 14 Jahre dürfen nur in Begleitung ihrer Eltern kommen, Jugendliche ab 14 Jahre müssen einmal eine Einverständniserklärung ihrer Eltern vorlegen, dass sie bei Schäden die Haftung übernehmen, dann wird ihre Karte freigeschaltet.

Rund sechs Monate haben die Vorbereitungen gedauert, Lieferprobleme bei der Technik haben die Einführung etwas verzögert. Dennoch habe ihnen das IT-Team der Stadtverwaltung immer zur Seite gestanden, lobt Maria Finta dankbar. Rat und Ideen haben sie sich in anderen Städten wie Düsseldorf, München, Hamburg oder Berlin geholt, wo es dieses Angebot bereits gibt und wo man gute Erfahrungen gemacht hat.
Finanziert wird das Projekt über eine Förderung in Höhe von 27 250 Euro des Landes, der Eigenanteil der Stadt beträgt 5450 Euro.

Die Stadtteilbibliothek Rott ist Vorreiter. Wenn es dort gut läuft, könnten weiter Stadtteilbibliotheken folgen. „Wir planen schon für andere Standorte“, sagt Maria Finta.

Feierlich eröffnet wird die „Open Library“ am morgigen Freitag, 10 Uhr, durch Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, die sich dann selbst die Tür zur Stadtteilbibliothek öffnet.