1. Startseite
  2. Wirtschaft

DruckenTeilen

Uns auf Google folgen

Fast die Hälfte der russischen Öl-Exportkapazitäten sind durch ukrainische Angriffe lahmgelegt. Trotzdem erzielt Putin durch den Ölexport Rekordgewinne.

Moskau – Tagtäglich nimmt Kiew im Ukraine-Krieg die russische Ölinfrastruktur ins Visier. Ölexporte sind für die russische Kriegswirtschaft ein wichtiges Standbein, um die horrenden Kosten des Ukraine-Kriegs stemmen zu können. Doch die ukrainische Taktik zeigt ihre Wirkung. Mindestens 40 Prozent der russischen Exportkapazitäten fallen nach Angriffen auf eine wichtige russische Pipeline, Exporthäfen und der Beschlagnahmung von Tankern aus, berichtet Reuters.

Schwarzmeer-Hafen Noworossijsk Der russische Schwarzmeer-Hafen Noworossijsk ist für russische Ölexporte wichtig. Die Ukraine hatte die Anlage Anfang März angegriffen. (Archivbild) © —/AP/dpa

Die Ukraine hatte ihre Drohnenangriffe auf russische Öl- und Treibstoffinfrastruktur im laufenden Monat deutlich ausgeweitet. Alle drei großen westlichen Ölexporthäfen Russlands wurden getroffen: Noworossiysk am Schwarzen Meer sowie Primorsk und Ust-Luga an der Ostsee. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters waren damit zum Stand Mittwoch rund 40 Prozent der russischen Rohölexportkapazitäten lahmgelegt – das entspricht etwa zwei Millionen Barrel pro Tag.

Ukraine trifft Russlands Ölexporte: 40 Prozent der Exportkapazitäten lahmgelegt

Betroffen ist auch die Druschba-Pipeline, die durch die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei führt. Kiew hat darüber hinaus Pumpstationen und Raffinerien ins Visier genommen. Die ukrainische Seite erklärt, Ziel sei es, Moskaus Öl- und Gaseinnahmen zu schmälern, die rund ein Viertel der russischen Staatseinnahmen ausmachen, wie Reuters schreibt.

Diese Länder besitzen die wertvollsten Rohstoffe der ErdeGoldbarren mit Schlacke bedeckt: Rohstoffe entscheiden im 21. Jahrhundert über wirtschaftliche und industrielle StärkeFotostrecke ansehen

Auch die westlichen Verbündeten der Ukraine planen, gegen die russischen Ölexporte weiter vorzugehen. Die britische Regierung hatte am Mittwoch der Armee die Erlaubnis erteilt, sanktionierte Schiffe der russischen Schattenflotte beim Durchqueren britischer Hoheitsgewässer zu entern und zu beschlagnahmen. Großbritanniens Premierminister Keir Starmer habe zugestimmt, „dass die britischen Streitkräfte und Strafverfolgungsbehörden nun Schiffe stoppen können, die vom Vereinigten Königreich sanktioniert wurden und britische Gewässer durchqueren“, teilte die britische Regierung mit.

Großbritannien will stärker gegen Russlands Schattenflotte vorgehen

Großbritannien erhöhe den Druck auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin, erklärte Downing Street. London werde „die Schattenflotte weiter in die Zange nehmen, indem es britische Gewässer, einschließlich des Ärmelkanals, für sanktionierte Schiffe sperrt“. Das werde die Betreiber der Schiffe „zwingen, entweder auf längere, finanziell schmerzhafte Routen auszuweichen oder zu riskieren, von britischen Kräften festgesetzt zu werden.“

Der Kremlchef „reibt sich angesichts des Kriegs im Nahen Osten die Hände, weil er glaubt, dass höhere Ölpreise ihm die Taschen füllen werden“, erklärte Starmer. „Deshalb gehen wir noch härter gegen seine Schattenflotte vor.“ Damit würden Putin die „schmutzigen Profite“ für die russische Kriegsmaschinerie entzogen werden.

Russland als großer Gewinner des Iran-Kriegs: Moskaus Öleinnahmen auf Rekordniveau

Aufgrund des Iran-Kriegs haben Russlands Öleinnahmen aus Seeexporten den höchsten Stand seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine erreicht. Im Durchschnitt erzielt Moskau derzeit rund 270 Millionen Dollar täglich aus seinen Rohölexporten – gegenüber 135 Millionen Dollar im Januar hatte sich der Wert in den vergangenen drei Wochen damit verdoppelt, wie das Wirtschaftsmedium Bloomberg schreibt.

Zusätzlich profitiert Moskau von einer verlängerten US-Sanktionsausnahmeregelung, die es Käufern erlaubt, russisches Rohöl zu erwerben, das vor dem 12. März verladen wurde. Besonders Indien nutzt diese Regelung: Die Anlieferungen stiegen in den ersten 22 Tagen des März auf durchschnittlich 1,14 Millionen Barrel pro Tag, nach 1,09 Millionen Barrel täglich im gesamten Februar. Russlands Urals-Rohöl wird in Indien inzwischen sogar mit einem Aufschlag gegenüber Brent-Öl gehandelt, berichtet Bloomberg weiter.

„Größter Einzelgewinner“: Iran-Krieg kommt für Russland gerade zur rechten Zeit

Der Anstieg der Ölpreise habe Russland zum „größten Einzelgewinner auf kurze Sicht“ des Iran-Kriegs gemacht, sagte Usha Haley, Professorin für internationale Wirtschaft an der Wichita State University, gegenüber Fortune. Und auch die kurzfristige Aufhebung der US-Sanktionen gegen russisches Öl habe Russland „vor einem Rückgang und einem lang anhaltenden Einbruch bewahrt“, sagte die Wirtschaftexpertin.

Somit ist es für die Ukraine noch einmal wichtiger geworden, die russischen Ölexportgeschäfte größtmöglich zu behindern. Wie effektiv die kürzlichen ukrainischen Angriffe letztlich mittelfristig wirken, werden die kommenden Wochen zeigen. Der Iran-Krieg kommt Russland auch indirekt zugute: Die EU-Kommission hat eine Präsentation von Plänen für ein vollständiges und dauerhaftes Verbot von russischen Ölimporten vorerst verschoben. (Quellen: dpa/AFP/Fortune/Bloomberg/Reuters) (sischr)