„Er hat sehr kleine Hände, aber ein großes Herz und einen wachen Verstand“ – allein schon die Art, wie Bernard Hoffmeister im „Zakk“ angekündigt wird, verbreitet gute Laune und schürt frohe Erwartungen. Beides, das war am Ende des kurzweiligen Abends klar, wurde eingelöst. Das Publikum fühlte sich bestens unterhalten bei der Debütlesung des Düsseldorfer Autors aus seinem Roman „Benjamin im Stroboskop“. Präsentiert hatte er das frisch erschienene Werk auf der Leipziger Buchmesse: „Jetzt ist es draußen in der Welt, ein krasses Gefühl.“
Einen guten Anteil am Gelingen des Abends hatte Moderatorin Meral Ziegler. Souverän, sachkundig und perfekt vorbereitet befragt sie Hoffmeister zwischen den Leseblöcken zum Inhalt des Buches. Protagonist ist Benjamin, 29 Jahre alt, untersetzt und überfordert. Hoffmeister beschreibt ihn als „dauerironischen Intellektuellen“, der sich im Düsseldorfer Unibetrieb herumtreibt und parallel dazu in ein ominöses neues Format der Kleinkunst eintaucht. Die Handlung, sagt Meral Ziegler, reiße einen strudelartig mit, sei verweisungsreich und gespickt mit Anspielungen, etwa auf Arno Schmidt. Warum er diese postmoderne Erzählform gewählt habe? „Ich glaube, das Fragmentierte und Zerfaserte entspricht dem, wie ich mein eigenes Leben wahrnehme“, antwortet der Autor. „Man kann privates Glück empfinden, und in den Nachrichten ist die Hölle los. Vielleicht ist die Welt zerbrochen, aber man kann mit den Scherben ein bisschen leuchten.“
In seiner Lesung greift Hoffmeister Stellen mit Düsseldorf-Bezug auf. Die S-Bahn nach Benrath und das Kreuzherreneck in der Ratinger Straße, jene Kneipe, in der Reinhard Mey einst seine Goldene Schallplatte für „Über den Wolken“ entgegennahm. Hoffmeister wohnt nahe des Worringer Platzes, auch diesen Ort hält er fest: „Keiner, wo man gerne abhängt. Aber er hat etwas, was mich reizt.“
Andere Episoden tragen seine Poetry-Slam-Kumpel Luca Swieter, Caroline Benz und Kaleb Erdmann vor. Während sie lesen, zeigt sich auf Hoffmeisters Gesicht ein sonniges Lächeln. Der rote Faden des Buches ist Benjamins bevorstehende Promotion über die ästhetische Fragmentierung bei Walter Benjamin, dem „Posterboy der Kulturtheorie“. Dessen unvollendetes Passagenwerk, eine Materialsammlung von 1000 Seiten, entstanden zwischen 1929 und 1940, diente Hoffmeister als Orientierung und Inspiration. Das drückt sich auch in den Überschriften der kurzen Kapitel aus, die mysteriöse Buchstaben- und Zahlenkombinationen aufweisen. Benjamin, so der Autor, sei ein Vertreter der Düsseldorfer Bubble, „gebildet, aber irgendwie hängen geblieben“. Seinen Roman will er als Fundgrube verstanden wissen: „Man soll mitnehmen, was man braucht, den Rest lässt man einfach liegen.“
Am 16. April um 19.30 Uhr liest Bernard Hoffmeister aus „Benjamin im Stroboskop“ im Kirchencafé „Mittendrin“ in Gerresheim, Hardenbergstr. 1. Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.