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Frankfurt (Hessen) – Eine Pflegeschülerin des Universitätsklinikums Frankfurt hat während ihres Dienstes einen Livestream auf TikTok gestartet, dabei Einblicke in ihren Arbeitsalltag gegeben und den Zuschauern Fragen beantwortet. In dem Stream, der am 7. März auf der nephrologischen Station entstand, waren auch Gespräche mit Kollegen zu hören. Dabei fielen abfällige und nicht akzeptable Äußerungen über einen Patienten.
Der TikTok-Livestream entstand am Nachmittag des 7. März auf der Nephrologie (Station für Nierenerkrankungen) des Universitätsklinikums. Im blauen Schwesternkittel und mit Mundschutz filmt die Schülerin minutenlang sich selbst, ihr Arbeitsumfeld sowie Gespräche mit Kollegen in einem Aufenthaltsraum, in dem auch sensible Patienteninformationen ausgetauscht werden.
„Haste ne Handgranate dabei?“
So war im Livestream zu hören, wie ein Kollege – genervt vom mehrfachen Klingeln eines Patienten des Krankenhauses – gegenüber einer anderen Kollegin äußert: „Guten Tag, haste ‘ne Handgranate dabei?“ Und weiter: „Ach, Scheibenkleister. Ich brauche das für Zimmer 11 am Fenster.“ Die TikTok-Pflegeschülerin: „Ne, dafür brauchen wir was Schlimmeres.“ Sie fügt hinzu: „Was Stärkeres.“

Die Pflegeschülerin ging während ihrer Schicht bei TikTok live. Im Zuge dessen fielen im Gespräch mit Kollegen abfällige Äußerungen über mindestens einen Patienten
Foto: Kevinits/YouTube
Im weiteren Gesprächsverlauf sagt der Pfleger: „Vielleicht sollte ich mir ein scharfes Taschenmesser kaufen.“ Die Pflegeschülerin: „Taschenmesser ist cool.“ Der Pfleger erwidert, dass er dem Patienten mit dem Messer „die Finger zum Klingeln abschneiden“ könne. Sagt noch: „Ne super Idee.“
Pflegekräfte arbeiten häufig unter hoher Belastung – dennoch sind solche Äußerungen und das Filmen im Dienst nicht akzeptabel.
YouTuber deckte Fall auf
YouTuber Kevin Hartwig brachte den Fall an die Öffentlichkeit und informierte die Uniklinik über den Vorfall. Ein Fall, der auch Fragen nach dem Umgang mit solchen Aufdeckungen aufwirft – insbesondere in einem Arbeitsfeld, das für viele Beschäftigte mit erheblichem Druck verbunden ist. Der 32-Jährige arbeitete früher selbst als Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer Intensivstation. Heute sucht und findet er regelmäßig verbotene Livestreams im Pflegebereich.

YouTuber Kevin Hartwig ist gelernter Gesundheits- und Krankenpfleger. Heute leistet er Aufklärungsarbeit in Sachen Social Media im Pflegebereich. Er appelliert an die Politik, das Thema in Bezug auf Patientenschutz ernst zu nehmen
Foto: Kevinits
Hartwig zu BILD: „Patientenschutz sollte niemals vernachlässigt werden. Wir brauchen neue Gesetze für dieses Phänomen und wollen potenzielle Streamer aufklären. Social Media darf kein rechtsfreier Raum sein.“
Uniklinik: „Beschäftigungsverhältnis beendet“
Auf BILD-Anfrage teilte das Klinikum mit: „Die im Livestream getätigten Aussagen stehen den Werten des Universitätsklinikums Frankfurt diametral entgegen. Der respektvolle und wertschätzende Umgang mit unseren Patientinnen und Patienten hat höchste Priorität. Darüber hinaus wurde der Livestream ohne jegliche Genehmigung durchgeführt. Aufgrund dieser Sachverhalte sind arbeitsrechtliche Konsequenzen erfolgt und in diesem Kontext wurde ein Beschäftigungsverhältnis beendet.“

YouTuber Kevin Hartwig veröffentlichte den Vorfall am Frankfurter Uniklinikum auf seinem Kanal
Foto: Kevinits/YouTube
Die zuständigen Aufsichtsbehörden seien über den Vorgang informiert worden. Kevin Hartwig habe zwischenzeitlich mit der Pflegeschülerin gesprochen, die sich einsichtig gezeigt hätte. Ihren Job hat sie trotzdem verloren.