Die US-Regierung erwägt offenbar, einige für die Ukraine bestimmte Waffen in den Nahen Osten umzuleiten. Das geht aus einem Bericht der US-amerikanischen Tageszeitung „Washington Post“ hervor, der am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Drei mit der Angelegenheit vertraute Personen sollen dem Medium demnach von den jüngsten Beratungen innerhalb des Pentagons berichtet haben. Zu den Waffen, die von der Ukraine abgezogen werden könnten, gehören den Insidern zufolge Luftabwehrraketen. Sie sollen im Rahmen eines im letzten Jahr gestarteten Nato-Programms bestellt worden sein, bei dem Partnerländer US-amerikanische Waffen für Kiew kaufen.

Als Begründung für die Umleitung hieß es, dass der Krieg im Iran die Bestände des US-Militärs an besonders wichtiger Munition verbrauche. Der „Washington Post“ zufolge verdeutliche die möglicherweise geplante Umstellung, dass sich die USA zunehmend mit Kompromissen konfrontiert sehen, um den Krieg gegen den Iran aufrechtzuerhalten.

Nato-Programm PURL regelt Waffenkauf

Im Sommer 2025 startete das Nato-Waffenkaufprogramm PURL („Prioritised Ukraine Requirements List“). Diese Initiative für eine priorisierte Waffenbedarfsliste für die Ukraine sieht vor, dass in den USA hergestellte Munition und Waffen an europäische Verbündete und Kanada verkauft werden, damit diese Partner die Waffen dann der Ukraine zur Verfügung stellen.

Das Programm wurde ursprünglich gestartet, um zentralen Forderungen des US-Präsidenten nachzukommen. Donald Trump vertritt die Position, dass die USA in der Vergangenheit einen deutlich zu großen Anteil an der Ukraine-Unterstützung hatten, und forderte in dem Zusammenhang, dass die Alliierten künftig für weitere US-Militärhilfen zahlen sollten.

Was sagen Kiew und seine Verbündeten zum Bericht?

Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte am Donnerstagnachmittag in Brüssel, dass die US-Waffenlieferungen an die Ukraine weitergehen. Konkret sagte er, die von den Verbündeten finanzierte entscheidende Unterstützung fließe, weiter.

Bereits zuvor sagte ein Nato-Sprecher gegenüber der „Washington Post“, dass die Länder „weiterhin ihren Beitrag zum PURL-Programm leisten und kontinuierlich Ausrüstung in die Ukraine gelangt“.

Ein Sprecher des Pentagons sagte dem US-amerikanischen Medium, man wolle sicherstellen, „dass die US-Streitkräfte sowie die unserer Verbündeten und Partner über das verfügen, was sie zum Kämpfen und zum Sieg benötigen“. Weitere Kommentare zu einer möglichen Umlenkung lehnte er demnach ab.

Die ukrainische Botschafterin in den Vereinigten Staaten, Olga Stefanishyna, sagte dem Blatt in einer Stellungnahme, dass Kiew seine Partner laufend über die aktuelle Bedarfslage auf dem Laufenden halte. Dazu gehöre demnach auch der Versorgungsstand im Bereich der Luftverteidigung.

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Sie habe Verständnis dafür, dass es während des Kriegs „eine Phase erheblicher Unsicherheit“ gebe. Stefanishyna konkretisierte dabei jedoch nicht, welche Unsicherheit sie meint. Weiterhin erklärte sie: „Etwaige Engpässe zu Beginn der jüngsten Operationen im Nahen Osten konnten abgefedert werden.“ (mira)