Zusammen kommen die drei Großwärmepumpen auf dem Dresdner TU-Campus auf 3,9 Megawatt Leistung. Foto: Heiko WeckbrodtZusammen kommen die drei Großwärmepumpen auf dem Dresdner TU-Campus auf 3,9 Megawatt Leistung. Foto: Heiko Weckbrodt

Supercomputer und Großwärmepumpen liefern nun gemeinsam 24.000 MWh Fernwärme pro Jahr

Dresden, 26. März 2026. Statt die Abwärme ihrer „Überlegungen“ wie andere Rechenzentren weltweit in die Luft zu pusten, heizen Künstliche Intelligenzen (KI) und Supercomputer in Dresden damit Wohnungen, Büros und Labore. Die Uni Dresden und „Sachsenenergie“ haben dafür nun drei Großwärmepumpen mit insgesamt 3,9 Megawatt Leistung angeworfen. Der regionale Energieversorger und der Landesbaubetrieb „SIB“ haben dafür insgesamt 6,9 Millionen Euro investiert.

Dresdens Wirtschaftsbürgermeister und O-Kandidat Dirk Hilbert (FDP). Foto: Heiko WeckbrodtDirk Hilbert. Foto: Heiko Weckbrodt

„Die nachhaltige Nutzung der Abwärme der Hochleistungsrechner der TU Dresden ist beispielgebend dafür, wie wir in Dresden unsere Klimaziele erreichen können: mit maßgeschneiderten, innovativen und pragmatischen Lösungen der Partner vor Ort.“
Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP)

Sachsenergie will letztlich auch weg vom Gas

Sachsenenergie-Vorstand Axel Cunow sieht darin einen wichtigen Schritt, um vom Erdgas als Energieträger wegzukommen – eine Überlegung, die während des israelisch-amerikanischen Angriffskrieges gegen den Iran und den daraus folgenden Energiepreis-Schocks auf besonders fruchtbaren Boden fällt. Die Nachhaltigkeits-Beauftragte Maike Heitkamp-Mai von der TU Dresden wiederum lobt die ökologische und nachhaltige Lösung, um Computerabwärme sinnvoll nutzbar zu machen, statt sie teuer und wenig umweltfreundlich in die Luft zu blasen.

Anlage hebt Kühlwasser der Superhirne von 55 auf 90 Grad

Das Prinzip dahinter: Die Supercomputer im „Lehmann-Zentrum“ der TU Dresden werden mit Wasser statt der sonst üblichen Luft gekühlt. Mit diesem bereits recht warmen Wasser heizen die Rechenknechte zunächst den Krone-Bau, den DLR-Komplex und weitere Nachbar-Forschungsgebäude auf dem Uni-Campus. Was danach übrig bleibt, leitet Sachsenenergie an den neugebauten Großwärmepumpen-Komplex nebenan weiter. Der bringt mit zugekaufter Ökoenergie aus den allgemeinen Stromnetzen das 55 Grad warme Computer-Kühlwasser auf über 90 Grad und speist es dann in das Dresdner Fernwärmenetz ein – etwa 24.000 Megawattstunden (MWh) thermische Energie pro Jahr, schätzen die Ingenieure von TU und Sachsenenergie. Dabei kalkulieren sie mit etwa 300 Kilowatt elektrischer Heizenergie, die sie für jede Megawattstunde Supercomputer-Abwärme noch zuschießen müssen.

Zwei weitere Großwärmepumpen bereits in Betrieb

Ähnliche, aber weit kleinere Wärmepumpen hat Sachsenenergie bereits in ihrem „Innovationskraftwerk“ in Reick und an der Behringstraße im Dresdner Westen in Betrieb genommen. Mit Leistungsgraden um die 500 Kilowatt erreichen diese Anlagen aber nur „gerade so“ die Stufe, ab der überhaupt von Großwärmepumpen die Rede ist. Die Anlage auf dem Uni-Campus ist insofern der mit Abstand stärkste Großwärmepumpen-Komplex weit und breit. Deren Leistung dürfte reichen, um rund 2000 Haushalte in Dresden einen ganzen Winter hindurch warmzuhalten.

Mit „Cara“ und „Deneb“ nahen weitere heiße Denker

Zudem kommen demnächst noch weitere „heiße Denker“ hinzu: Am 1. April nimmt das „DLR-Institut für Softwaremethoden zur Produkt-Virtualisierung“ auf dem Uni-Campus seinen Superrechner „Cara“ offiziell in Betrieb. Und im Herbst 2027 schalten die TU-Forscher ihren KI-Supercomputer „Deneb“ an. Zudem soll der Komplex auf dem Dresdner Unicampus als Blaupause für weitere Rechenzentren-Wärmepumpen-Lösungen in ganz Sachsen dienen, kündigt SIB-Chef Oliver Gaber an.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vor-Ort-Termin, Auskünfte Sachsenenergie, TUD, SIB

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt