Die Zeitung hatte unter Berufung auf mehrere nicht genannte Quellen berichtet, das Pentagon prüfe, ob Waffen, die eigentlich für die Ukraine bestimmt sind, in den Nahen Osten umgeleitet werden sollten, da der Krieg mit dem Iran einige der wichtigsten Munitionsbestände des US-Militärs aufzehre. Konkret gehe es auch um Flugabwehrraketen, die eigentlich über die sogenannte Purl-Initiative der Nato an die Ukraine geliefert werden sollen. Über Purl finanzieren europäische Nato-Staaten und Kanada US-Rüstungsgüter für die Ukraine, weil die USA ihre finanzielle Unterstützung drastisch heruntergefahren haben. Sie stellte zuletzt einen Großteil der Munition für die Flugabwehrraketensysteme vom Typ Patriot und andere Luftverteidigungssysteme bereit.

Nach Angaben der „Washington Post“ informierte das Pentagon zudem den Kongress darüber, dass es beabsichtige, etwa 750 Millionen Dollar (651 Mio. Euro) aus dem Purl-Programm umzuleiten, um die eigenen Bestände des US-Militärs aufzufüllen, anstatt zusätzliche Hilfe an die Ukraine zu senden. Ob die an der Initiative beteiligten europäischen Länder wüssten, wie die Mittel verwendet würden, sei unklar. Rutte wollte sich am Donnerstag nicht dazu äußern, ob die Nato darüber informiert wurde.

In der Nähe des Bosporus ist ein sanktionierter Tanker mit russischem Öl an Bord von einer Seedrohne getroffen worden. Es habe eine Explosion gegeben, erklärte der türkische Verkehrsminister Abdulkadir Uraloğlu am Donnerstag. Alle 27 Besatzungsmitglieder seien in Sicherheit, sagte er dem Sender Kanal 24. Die Küstenwache sei zu der unter der Flagge Sierra Leones fahrenden „Altura“ entsandt worden, die sich etwa 18 Seemeilen (33 Kilometer) vom Bosporus entfernt befand. Der Angriff habe wahrscheinlich darauf abgezielt, den Maschinenraum des Schiffes lahmzulegen, sagte Uraloğlu.

Der türkische Sender NTV hatte zuvor von einer Explosion auf der Kommandobrücke der „Altura“ und von Wasser im Maschinenraum berichtet. Das Schiff erlitt demnach Schäden an Deck, an der Brücke und im Maschinenraum. Der Tanker hatte den russischen Hafen Noworossijsk mit rund einer Million Barrel Rohöl an Bord verlassen. Nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes gehört die „Altura“ zur russischen „Schattenflotte“, die zum Transport von Öl genutzt wird, um internationale Sanktionen zu umgehen. Das Schiff ist wegen des russischen Krieges gegen die Ukraine von der Europäischen Union und Großbritannien mit Sanktionen belegt.