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Hamburg – Zwangspause im Block-Prozess: Wegen des Iran-Kriegs fehlen ausgerechnet die Kronzeugen. Die Israelis David Barkay (68) und Keren Tennenbaum (50) waren maßgeblich an der Entführung der Block-Kinder beteiligt. Chef-Entführer Barkay belastete Christina Block (52) in bisherigen Aussagen schwer. Doch jetzt ist der israelische Luftraum durch den Iran-Krieg stark eingeschränkt, eine Anreise kaum möglich. Die angesetzten Termine für Donnerstag und Freitag wurden aufgehoben!
Die Anklage wirft der Steakhaus-Erbin („Block House“) vor, die Entführung ihrer Kinder Klara (15) und Theo (12) in der Silvesternacht 2023/24 bei Barkays Sicherheitsfirma Cyber Cupula in Auftrag gegeben zu haben. Die Kinder lebten damals beim Vater Stephan Hensel in Dänemark. In einem Mammutprozess wird seit Juli 2025 verhandelt, ein Ende ist nicht in Sicht.

Seit fast einem Jahr läuft der Block-Prozess in Saal 237 im Hamburger Landgericht
Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa
Schlüsselfigur kann nicht aussagen
Eigentlich sollte Kronzeuge Barkay seine Aussage schon beendet haben, siebenmal sagte er bereits aus. Über seinen Anwalt ließ er jetzt mitteilen, dass eine Ausreise aus Israel nicht möglich sei. Auch seine Assistentin Keren Tennenbaum (alias Olga) sollte jetzt vor Gericht aussagen. Auch sie lebt in Israel.

Christina Block legte beim Verlassen des Gerichtssaals den Arm um Gerhard Delling
Foto: Stefan Hesse/BILD
Nach den Erkenntnissen der Ermittler spielt Tennenbaum eine zentrale Rolle bei der Entführung: Unter dem Namen „Doris White“ wohnte sie im Block-Luxushotel „Grand Elysée“ und wurde über die Zeit eine enge Vertraute von Christina Block. Kurz vor der Entführung, am 31. Dezember 2023, hatte sie noch einen vielsagenden SMS-Kontakt mit der Steakhaus-Erbin. Nach der Entführung verließ sie das Land.
Kronzeugen könnten in deutscher Botschaft aussagen
Jetzt prüft das Gericht, ob es möglich ist, die israelischen Zeugen nicht in Hamburg zu vernehmen, sondern per Video zuzuschalten. Eine Option wäre dabei eine Vernehmung in der deutschen Botschaft in Israel, das wäre organisatorisch einfach umsetzbar. Das Gericht prüft mit dem Justizministerium, ob das rechtlich überhaupt möglich ist. So würde die Verhandlung sich zumindest nicht weiter in die Länge ziehen.

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt prüft, ob die israelischen Zeugen in der deutschen Botschaft in Israel vernommen werden könnten
Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa
Aussagen der Block-Kinder werden nicht vorgelesen
Um den Prozess zu beschleunigen, erklärte die Vorsitzende Richterin am 42. Prozesstag, dass die Vernehmungen der Block-Kinder künftig im Selbstleseverfahren stattfinden sollen.
Das bedeutet, dass die Aussagen der Kinder nicht komplett im Gerichtssaal vorgelesen werden, sondern von den Beteiligten eigenständig gelesen werden können. „Das würde uns viel Zeit ersparen“, sagte Richterin Isabel Hildebrandt. Die Verteidiger dürfen diesem Vorgehen widersprechen, die Staatsanwaltschaft schien bereits mit dem Vorschlag einverstanden zu sein.
Der Prozess wird am Montag (30. März) um 10.30 Uhr fortgesetzt.

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Foto: picture alliance/dpa, Marcus Brandt/dpa Pool/dpa, Marco Zitzow, Angerer, Krafft