Es sind Fälle, die schockieren und die Öffentlichkeit aufwühlen: der Mord an einer dreifachen Mutter Nina H. in Haunstetten, scharfe Schüsse auf die Loco-Bar in Oberhausen, eine Gewaltattacke auf ein homosexuelles Paar in der Innenstadt. Wer nur die aufsehenerregendsten Verbrechen des Jahres 2025 anschaut, könnte den Eindruck haben, in Augsburg werde das Leben immer brutaler und gefährlicher. Doch repräsentativ für das Gesamtbild sind diese Fälle nicht. Stattdessen spricht die jüngste Statistik der Polizei eine deutliche Sprache: Die Stadt war demnach 2025 so sicher wie selten je zuvor.
Ein Blick auf die Daten der Ermittler zeigt: Die Zahl der in der Stadt erfassten Straftaten ist fast durch die Bank zurückgegangen, und das überwiegend deutlich. Hatten die Beamten im Jahr 2024 noch insgesamt 20.096 Delikte in Augsburg notiert, waren es vergangenes Jahr nur noch 18.675 – ein Rückgang von 11,5 Prozent; zugleich ist es der niedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre. Einzige Ausnahme ist das Jahr 2021, in dem aufgrund der damaligen Corona-Einschränkungen noch weniger passierte.
2025 sei daher „für uns ein besonderes Jahr“, sagte Augsburgs Polizeipräsident Martin Wilhelm bei der Vorstellung der Statistik am Donnerstag. Zumal Augsburg keine Insel im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums ist, der auch die umliegenden Landkreise sowie die Kreise Donau-Ries und Dillingen umfasst. Quasi überall sieht das Bild ähnlich aus. In Augsburg, sagte Wilhelm, gebe es aber „mit den deutlichsten Rückgang an Straftaten“. Die Stadt gilt seit Jahren neben München und Nürnberg als eine der sichersten Großstädte in Deutschland mit mehr als 200.000 Einwohnern.
Faktor Sicherheitsgefühl: Gewalttaten im öffentlichen Raum gehen in Augsburg zurück
Manchmal sind Schwankungen in der Statistik wenig aufschlussreich oder betreffen lediglich Bereiche, die für das Sicherheitsempfinden vieler Menschen kaum Relevanz haben – etwa das Schwarzfahren im öffentlichen Nahverkehr. Das ist dieses Mal anders. So sank 2025 im Vergleich zum Vorjahr nicht nur die Zahl der erfassten Sexualstraftaten von 424 auf 356, ein Rückgang von 16 Prozent. Deutlich geringer ist auch die Zahl der Rohheitsdelikte, ein Begriff, mit dem die Polizisten Raubüberfälle, Körperverletzungen, Bedrohungen und Nötigungen zusammenfassen. 2024 waren es 4763 gewesen, 2025 ermittelte die Polizei in nur noch 4266 Fällen; fast 500 Delikte und mehr als zehn Prozent weniger. Es sind in der Regel jene Straftaten, die „das Sicherheitsgefühl der Menschen besonders beeinträchtigen“, sagte Polizeipräsident Wilhelm.
Mario Huber, der Leiter des Sachgebiets Kriminalitätsbekämpfung im Präsidium, sagte, es gebe „das Empfinden mancher Menschen, dass unsere Gesellschaft immer weiter verrohe“. Dies könne aber durch die Statistik nicht belegt werden. Huber betonte auch den Rückgang an konkreten Tatverdächtigen, speziell bei Kindern und Jugendlichen. Nach den Corona-Jahren war die Kinder- und Jugendkriminalität teils deutlich nach oben gegangen, inzwischen ist die Entwicklung rückläufig. Man hege die Hoffnung, dass mögliche „Nachholeffekte von Corona“ überwunden seien, sagte Huber.
Nicht jeder Tatverdächtige wird später auch von einem Gericht verurteilt
Was man grundsätzlich berücksichtigen muss: Bei den Zahlen der Polizei handelt es sich um eine Statistik der Ermittler, die Fälle wurden noch nicht durch ein Gericht bewertet. Es kann also sein, dass die Polizei einen Fall für geklärt hält, der Verdächtige in einem Strafprozess aber als freier Mann nach Hause geht, weil ihm die Tat nicht nachgewiesen werden kann. Vergleichbare gerichtliche Statistik existieren jedoch nicht.
Dass in Augsburg 2025 auch drastisch weniger Drogendelikte erfasst wurden, sagt beispielsweise nur wenig aus. Rauschgiftstraftaten sind sogenannte Kontrolldelikte. Das heißt: Die Entwicklung dieser Zahl hängt maßgeblich davon ab, wie oft die Polizisten kontrollieren. Hinzu kommt, dass das Cannabis-Gesetz, im April 2024 in Kraft getreten, die Daten immer noch ein wenig verwässert, da im Vergleichszeitraum eben unterschiedliche Gesetzeslagen vorlagen. Man habe zuletzt auch viele Kräfte auf einige Großverfahren im Zusammenhang mit Kokain konzentriert, erklärte Mario Huber. In solchen Fällen versucht die Polizei, die Hinterleute des Drogenhandels in der Stadt zu überführen.
-
Jan Kandzora
Icon Haken im Kreis gesetzt
Icon Plus im Kreis
-
Augsburg
Icon Haken im Kreis gesetzt
Icon Plus im Kreis
-
Polizei
Icon Haken im Kreis gesetzt
Icon Plus im Kreis