
AUDIO: Warm, offen, heimisch: Café macht religiöse Vielfalt erlebbar (5 Min)
Stand: 27.03.2026 06:00 Uhr
Im „Café [ein]heimisch“ in Braunschweig kommen Menschen verschiedener Religionen und Weltanschauungen zusammen. Die muslimischen Betreiber wollten einen Raum schaffen, in dem Gastfreundschaft mehr ist als ein Geschäftsmodell.
Der Duft von frisch gemahlenem Kaffee hängt in der Luft, gemischt mit Kardamom und einem Hauch von Zitronenschale. An einem Tisch wird leise gelacht, am nächsten diskutiert jemand mit ausladenden Gesten. Eine Frau mit Kopftuch blättert in einer Zeitung, zwei Studenten beugen sich über einen Laptop, ein älterer Mann rührt bedächtig in seinem Tee.
Mitten in der Braunschweiger Innenstadt hat Aysenur Demir – zusammen mit ihrem Ehemann – vor drei Jahren das „Café [ein]heimisch“ eröffnet. Auf den ersten Blick wirkt es wie viele andere Cafés – und doch ist hier etwas anders: „Wir achten darauf, dass wir barrierefrei sind, dass alles halal ist, dass auch muslimische Menschen ganz entspannt hier essen können. Wir haben eine Spielecke, sodass auch junge Familien mit Kindern sehr gerne hierher kommen. Wir versuchen, dass sich hier jeder wohl fühlt. Natürlich kann man nicht immer alles abdecken, aber wir geben unser Bestes, sodass sich hier alle wie zu Hause fühlen“, sagt Aysenur Demir.

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„Late Night Ramadan“ als bundesweiter Vorreiter
Im „Café [ein]heimisch“ treffen sich Menschen verschiedener Kulturen und Religionen: Muslime, Christen, Menschen ohne religiöse Bindung. Studierende, Familien, Nachbarn aus dem Viertel. An der Theke sitzt die die 25-Jährige Berra; sie kommt vor allem wegen der Atmosphäre: „Ich merke das vor allem bei den Mitarbeiter*innen, weil wir auch verschiedene Religionen und Kulturen haben. Wir kommen ganz oft ins Gespräch. Vor allem wenn wir religiöse Themen besprechen, haben wir mehr Perspektiven als nur eine einseitige. Es kommt wirklich zu einem interreligiösen Dialog, und das ist ganz besonders an dem Café und auch bei Veranstaltungen wie dem ‚Late Night Ramadan‘ zum Beispiel.“
Während andere Cafés geschlossen wurden, gingen hier nach dem Fastenbrechen beim „Late Night Ramadan“ noch einmal die Lichter an. Dann blieben die Türen an manchen Abenden länger geöffnet. Menschen verschiedener Kulturen kamen zusammen. Seit drei Jahren gibt es dieses Angebot, erzählt Aysenur Demir: „Meistens sind das eher Bars, die länger geöffnet haben. Also dachten wir: Lasst uns mal ausprobieren, auch nach Iftar zu öffnen. Das ist so gut angekommen, dass wir das dann regelmäßig gemacht haben. Mittlerweile sind auch sehr viele Cafés deutschlandweit dieser Idee nachgegangen. Es kommen teilweise 150, 200, 250 junge Menschen an diesem Abend und quatschen miteinander. Dieser Abend hat eine ganz besondere Atmosphäre.“

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Interreligiöser Treffpunkt und Ort für Austausch
Durch eine unscheinbare Tür gelangt man in einen separaten Veranstaltungsraum. Kein Nebenraum für private Feiern, sondern ein bewusst geschaffener Ort für Austausch. Hier finden Lesungen statt, Diskussionsabende, kulturelle Formate: „Dadurch, dass wir nicht nur ein Frühstücks-Café sind, sondern auch Veranstaltungen anbieten, hat sich das auch zu einem interreligiösen Ort entwickelt. Aber unser Hauptkonzept war das nicht am Anfang“, erklärt Demir.
„Es fühlt sich immer gut an, wenn man hier ist“
Manche brechen hier ihr Fasten, andere setzen sich einfach dazu, bleiben auf einen Tee oder ein Gespräch. So wie die 26-jährige Zelal. Für sie ist das Café längst mehr als ein Ort zum Verweilen – eher ein zweites Wohnzimmer: „Es fühlt sich hier wirklich heimisch an, es fühlt sich warm an. Nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die Menschen, alle, die hier arbeiten. Man wird immer mit einem Lächeln begrüßt. Es fühlt sich immer gut an, wenn man hier ist. Dass ein Café so einen Ort schafft, das finde ich ganz besonders.“
Vielleicht ist es gerade diese selbstverständliche Offenheit zwischen unterschiedlichen Glaubensrichtungen, die dieses Café besonders macht – ein Ort, an dem religiöse Vielfalt nicht trennt, sondern im Alltag miteinander ins Gespräch kommt.