Der vor Timmendorfer Strand von einer Sandbank befreite Buckelwal schwimmt auf Kurs hinaus aus der Lübecker Bucht. Dies sagte Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). Eine Kollegin von ihr sei aktuell in einem Schlauchboot direkt neben dem 12 bis 15 Meter langen Meeressäuger.

Zudem werde das Tier ungefähr 300 Meter vor der Küste von einem Schiff der Küstenwache und mehreren Booten begleitet, erklärte Groß. An dem Wal selbst sei kein Sender angebracht worden, da die Haut zu sehr erkrankt sei.

Der Buckelwal war am Montagmorgen auf der Sandbank entdeckt worden. Sein Rücken ragte aus dem Wasser und die brummenden Töne, die der Wal von sich gab, waren vor Ort noch Hunderte Meter entfernt zu hören. Mithilfe einer gegrabenen Rinne befreite er sich in der Nacht zum Freitag.

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© Imago/Susanne Hübner

Nun komme es darauf an, dass der Wal im offenen Wasser bleibt und möglichst in die Nordsee schwimmt, erklärte der Biologe Robert Marc Lehmann. Noch sei er nicht in Sicherheit. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zu Hause sei er erst im Atlantik.

Der Buckelwal (nicht im Bild) wird auf der Ostsee von Schiffen der Küstenwache und Polizeibooten begleitet.

© dpa/Marcus Brandt

In einem Beitrag via Instagram schrieb Lehmann am Freitagmorgen zunächst: „Walrettung geglückt“. Zugleich warnte er aber vor zu viel Optimismus. Nun beginne „die heiße Phase“, in der es darum gehe, dass der Wal nicht erneut an einer anderen Stelle strande.

Rettungskräfte arbeiteten am Donnerstag bis in die Dunkelheit

Zuvor hatten Fotografen und Journalisten am Freitagmorgen das Wasser und den Horizont nach dem Meeressäuger abgesucht und das Tier nicht mehr entdecken können, sagte ein dpa-Reporter vor Ort. Der Buckelwal war Montagmorgen auf einer Sandbank entdeckt worden. Tagelang wurde versucht, das Tier zu befreien. 

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Bis in die Dunkelheit und bei Scheinwerferlicht hatten Einsatzkräfte noch am Donnerstag an der Rettung des Buckelwals gearbeitet. Doch auch dann musste der Einsatz beendet werden. Dabei hatte es schon am Abend Momente der Hoffnung gegeben: Das Tier konnte immerhin ein Stück seine Position verändern, wie ein dpa-Reporter berichtete.

Ministerpräsident sicherte Hilfe zu

„Ich bin einfach nur froh“, sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke. Auch Schleswig-Holstein Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) drückte laut WDR seine Freude über die Rettung aus und dankte den Helfern vor Ort.

Am Donnerstag hatte Günther die Hilfe des Landes zugesagt, als er sich vor Ort selbst ein Bild der Lage machte. Sollte der Meeressäuger frei kommen – wie es inzwischen der Fall ist –, wolle Kiel etwa zwei Boote zur Verfügung stellen, um das Tier durch die Ostsee zu geleiten, berichtete ein dpa-Reporter vor Ort. Damit soll verhindert werden, dass er wieder strandet.

Ministerpräsident Daniel Günther. Buckelwal strandet vor Niendorfer Hafeneinfahrt Timmendorfer Strand, 26.03.26 Timmendorfer Strand Schleswig-Holstein Germany *** Prime Minister Daniel Günther Humpback whale stranded off Niendorf harbor entrance Timmendorfer Strand , 26 03 26 Timmendorfer Strand Schleswig Holstein Germany Copyright: xAgentur54GradÂx/xFelixxKoenigx Ministerpräsident Daniel Günther machte sich am Timmendorfer Strand ein Bild von der Lage.

© Imago/Felix Koenig

Gegenüber dem „WDR“ erneuerte Günther das Versprechen: „Mal gucken, ob wir ihn dabei begleiten müssen und ihm raushelfen müssen, angeboten haben wir es, aber jetzt ist er erst mal nicht mehr am Strand zu sehen.“ Es komme darauf an, dass der Meeressäuger „den richtigen Weg“ findet.

Wal kämpfte sich durch gegrabene Rinne

Für Timmendorf am Strand an der Ostsee hat die beispiellose mehrtägige Rettungsaktion mit Baggern und Tauchern damit ein gutes Ende genommen. Der Buckelwal war Montagmorgen auf einer Sandbank entdeckt worden. Tagelang wurde versucht, das Tier zu befreien. So war etwa am Dienstag ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. Am Donnerstag wurde mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben.

Meter um Meter hatte sich der Wal am Abend durch diese Rinne gekämpft. Auch ein größerer Bagger konnte schließlich von Land aus eingreifen, nachdem ein Damm aufgeschüttet worden war, um das schwere Gerät in Reichweite zu bringen.

26.03.2026, Schleswig-Holstein, Timmendorfer Strand: Bagger arbeiten in der Nähe des gestrandeten Wals. Heute soll ein neuer Rettungsversuch für das Tier unternommen werden. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Zwischenzeitlich waren bis zu fünf Bagger im Einsatz, um den Großwal zu befreien.

© dpa/Daniel Bockwoldt

Das Tier zeigte sich aktiver als in den Tagen zuvor. Die Helfer versuchten es am Abend auch mit Lärm zu animieren – durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder lautes Brummen von sich. Am Ende hätten am Abend nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde – in der Nacht befreite sich das Tier dann selbst.

Das ZDF hatte die Arbeiten und die Rettungsaktion im Livestream übertragen. In den Aufnahmen war zeitweise zu sehen, wie die Baggerschaufel dem Kopf des Tiers sehr nahe kam. Die meiste Zeit war Biologe Lehmann in einem Tauchanzug im Wasser, um den Großwahl zu beruhigen und dem Baggerteam Anweisungen zu geben.

Etwa jede Minute war zu sehen, wie der Wal atmete und eine kleine Fontäne von seinem Kopf in die Höhe spritzte. Gelegentlich ließen sich Seevögel nieder, die dem Wal etwas vom Rücken pickten. 

Möwen sitzen auf dem Buckelwal. Buckelwal strandet vor Niendorfer Hafeneinfahrt Timmendorfer Strand, 26.03.26 Timmendorfer Strand Schleswig-Holstein Germany *** Seagulls sitting on the humpback whale Humpback whale stranded off Niendorf harbor entrance Timmendorfer Strand , 26 03 26 Timmendorfer Strand Schleswig Holstein Germany Copyright: xAgentur54GradÂx/xFelixxKoenigx Immer wieder landeten Möwen auf dem Rücken des Buckelwals.

© Imago/Felix Koenig

Nicht heimisch in der Ostsee

Warum der Wal vor Niendorf aufgetaucht war, ist bislang unklar. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) hatte gesagt, vielleicht sei das Tier krank oder verletzt, vielleicht auch nur erschöpft gewesen. Es könne aber auch sein, dass der Wal einfach durch einen unglücklichen Zufall in diesem Flachwasserbereich gelandet sei.

Nach Angaben der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd handelt es sich bei dem Tier wahrscheinlich um den Wal, der bereits zuvor wiederholt auch vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesichtet worden war und Anfang März durch sein Auftauchen im Hafen von Wismar Aufsehen erregt hatte.

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Großwale wie Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch. Sie könnten demnach auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und in der Ostsee landen. Auch Unterwasserlärm könnte laut Experten eine Rolle spielen. (dpa, mira, lem)