Welchen Weg nehmen die Kugeln an einem runden Billardtisch? Und lassen sich bestimmte Bruchzahlen als Summe zweier benachbarter Stammbrüche schreiben? Mit solch kniffligen mathematischen Problemen werden sich beim 19. Berliner Tag der Mathematik am 25. April zahlreiche Berliner Schülerinnen und Schüler auseinandersetzen. Der Teamwettbewerb findet in diesem Jahr an der Freien Universität (FU) statt und es sind noch Plätze frei.
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Geknobelt, gerechnet und ausführlich begründet wird in drei Altersklassen: in den Jahrgängen sieben bis acht, neun bis zehn sowie elf bis 13. Die bereits mehr als 110 angemeldeten Teams aus drei bis fünf Teilnehmenden haben so sprechende Namen wie „Mathstermind“, „Albert Fünfstein“, „Nullstellen Ninjas“ oder „π-raten“.
Die Anmeldung ist kostenlos und erfolgt privat. Die Teilnehmenden eines Teams müssen aber aus den entsprechenden Jahrgangsstufen einer einzelnen Schule stammen. „Wir hoffen, wir werden wieder das Limit von 1000 Teilnehmenden erreichen“, sagt Ralf Borndörfer, der an der FU diskrete Mathematik lehrt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Holger Reich koordiniert Borndörfer die rund 160 Helfenden, von denen ein großer Teil an diesem Tag die Aufgaben auswertet.
Pendant zum Nobelpreis
Die Teilnahme ist nicht nur wegen des Gruppenerlebnisses attraktiv, es winken auch Geld- und Sachpreise. Hauptpreis ist traditionell der „Kleine Abelpreis“ in den Jahrgangsstufen elf bis 13. Das Siegerteam fährt zur Verleihung Ende Mai nach Oslo. Der Preis der Norwegischen Akademie der Wissenschaften gilt als Pendant zum Nobelpreis und hat in diesem Jahr besondere Bedeutung: „Erstmals geht die seit 2003 verliehene Auszeichnung mit Gerd Faltings an einen deutschen Mathematiker“, sagt FU-Professorin Marita Thomas, die das Siegerteam nach Oslo begleiten wird.
Der Berliner Nachwuchs wird am 25. April in der Mensa II der FU drei Stunden lang über seinen Aufgaben brüten. Hilfsmittel wie Taschenrechner oder Smartphones sind dabei nicht gestattet.
Nach dem Wettbewerb und vor der Preisverleihung finden spannende Vorträge statt: Jürg Kramer, Mathematiker an der Humboldt Universität, wird erklären, was die großen Leistungen des Abel-Preisträgers Faltings in der arithmetischen Geometrie sind. „Wenn jemand das auf Schulniveau kann, ist das Kramer“, sagt Borndörfer. Andere Vorträge beschäftigen sich mit Mathematik und KI, mit QR-Codes und Navigationssystemen, Recommender-Systemen im Internet und mit den Paradoxien der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
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Ein weiterer Vortrag handelt vom engen Zusammenhang zwischen Zauberkunststücken und Mathematik, ihn hält Ehrhard Behrends. Der emeritierte FU-Mathematiker hatte 1995 den Teamwettbewerb gemeinsam mit seinem verstorbenen Kollegen Martin Aigner ins Leben gerufen. Seitdem findet der Berliner Tag der Mathematik jährlich im Rotationsprinzip an der FU, der HU, der Technischen Universität und der Berliner Hochschule für Technik statt.