TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Sofia (Bulgarien) – Ein Bild zeigt eine Frau in einem Bus in Sofia. Sie trägt eine graue Jacke und schwarze Leggings, blickt direkt in eine Überwachungskamera. Genau diese Frau soll kurze Zeit später im Stadtzentrum vier Deutsche mit einem Messer niedergestochen haben.

Der erste Notruf ging gegen 19.30 Uhr ein. Zwei Krankenwagen wurden zur Metrostation Wassil-Lewski-Stadion im Bereich des Boulevards Dragan Tsankov in Sofia (Bulgarien) alarmiert. Rettungskräfte fanden dort zwei Männer mit Stichverletzungen. Wie das Universitätsklinikum Pirogow später mitteilte, handelt es sich um zwei Deutsche (63, 65). Beide wurden operiert. Einer konnte das Krankenhaus bereits wieder verlassen, der andere wird noch behandelt. Lebensgefahr besteht nicht.

Der erste Tatort: die Metrostation Wassil-Lewski-Stadion

Der erste Tatort: die Metrostation Wassil-Lewski-Stadion

Foto: BGNES news agency

Nach 15 Minuten der zweite Messerangriff

Nur etwa 15 bis 20 Minuten später dann die nächste Attacke – diesmal an einer Bushaltestelle am Cherni-Vrah-Boulevard. Hier wurden zwei Frauen (27, 27), ebenfalls deutsche Staatsbürgerinnen, durch Messerstiche an Armen und Schultern verletzt. Sie wurden in die Militärmedizinische Akademie gebracht, dort versorgt und noch am selben Abend wieder entlassen. Wieder soll es sich bei der Täterin um die Frau handeln, die kurz zuvor in der Straßenbahn von Überwachungskameras aufgezeichnet wurde.

Die Täterin flüchtete zunächst. Das Innenministerium veröffentlichte noch in der Nacht ein Fahndungsfoto und suchte nach der Verdächtigen. Wenig später konnte die Polizei die Frau fassen. Laut Informationen des Senders NOVA wurde die mutmaßliche Täterin in ihrer Wohnung im Stadtteil Simeonowo festgenommen.

Ermittler prüfen fremdenfeindliches Motiv

Innenminister Emil Dechev erklärte, die Frau leide höchstwahrscheinlich an einer psychischen Erkrankung. Hinweise auf ein terroristisches Motiv gebe es bislang nicht. Die Ermittler prüfen jedoch ein mögliches fremdenfeindliches Motiv. Unklar ist, ob die Frau bereits zuvor polizeibekannt war.

Der erste Angriff war in einer Metrostation. Hier wurden zwei Männer verletzt

Polizisten konnte die Tatverdächtige kurz nach den Messer-Angriffen festnehmen

Foto: BGNES news agency

Täterin soll Zeugen gefragt haben, ob er Ausländer sei

Ein möglicher Zeuge stützt die Vermutung eines fremdenfeindlichen Motivs: Der Mann schrieb auf Facebook, er habe die Frau vor der Attacke gegen 17.50 Uhr in einem Bus getroffen und später auf dem Fahndungsfoto wiedererkannt.

Sie habe ihn auf Englisch angesprochen und gefragt, ob er Hilfe brauche. „Ich habe erst auf Englisch geantwortet, dann auf Bulgarisch, dass ich keine Hilfe brauche und Bulgare bin“, berichtet er. Daraufhin habe die Frau überrascht reagiert und gesagt, er sehe nicht wie ein Bulgare aus. Als er das als Kompliment auffasste, habe sie schroff erwidert: „Das war kein Kompliment!“