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So hatte sich der THW Kiel die Rückkehr aus der Länderspielpause nicht vorgestellt. Der Handball-Rekordmeister setzt seine Achterbahn-Saison fort und verliert am Freitagabend in Kassel bei der MT Melsungen mit 29:30 – und damit den Anschluss an die Top 3 der Daikin Handball-Bundesliga.
Es ist die dritte Niederlage in den letzten vier Liga-Spielen für die Zebras. Nur das Derby gegen Flensburg (37:33) ging in diesem Zeitraum nicht verloren. Doch der Prestigesieg im Nordduell am vergangengen Spieltag verliert durch die anschließende Niederlage deutlich an Wert. Zuvor hatte der THW schon gegen Gummersbach und Stuttgart gepatzt. Die nächste Saison ohne Champions-League-Teilnahme wird immer wahrscheinlicher.
Dabei hatte THW-Torhüter Gonzalo Perez de Vargas vor dem Spiel noch die Wichtigkeit des Duells bei der MT hervorgehoben: „Für uns ist es ein weiteres Finale im Kampf um die Champions-League-Plätze. Wir wollen das Spiel deshalb auch wie ein Finale angehen und gewinnen.“
Doch das geht gründlich schief, obwohl der THW gut in die Partie kommt, dann aber Stück für Stück den Zugriff aufs Spiel verliert. Bitter obendrein: Veron Nacinovic muss vorzeitig mit Verdacht auf Nasenbeinbruch vom Feld, nachdem er unglücklich einen Ellbogen ins Gesicht bekommt, fällt womöglich aus.
Enttäuschung nach Derbysieg: Rekordmeister Kiel patzt schon wieder
Filip Jicha: „Leider haben wir uns das Leben schwer gemacht mit den verworfenen Chancen. Wenn man hier gewinnen will, muss man viel besser sein.“ Seine bittere Erkenntnis: „Wir können Weltklasseleistungen zeigen, aber die Konstanz fehlt uns.“
Sein Team liegt nur einmal in der zweiten Halbzeit in Front. Je länger das Spiel dauert, desto mehr verliert Kiel den Anschluss. Zehn Minuten vor Ende nimmt Jicha die Auszeit, schwört sein Team bei fünf Toren Rückstand (23:28) nochmal lautstark und energisch ein. Und die Worte zeigen tatsächlich Wirkung. Durch Siebenmeter und Balleroberung stellt der THW binnen wenigen Sekunden auf 25:28. Melsungen verliert komplett den Kopf, schenkt noch zwei weitere Bälle her und plötzlich ist Kiel auf einen dran (27:28 aus Gästesicht).
Dyn-Kommentator Karsten Petrizka: „Das kann hier noch ein schöner Tanz werden.“ Und der wird es auch. Weil Nationalspieler Timo Kastening den nächsten Wurf an die Latte setzt, hat Kiel plötzlich die Chance auf den Ausgleich. Und den besorgt Bence Imre vier Minuten vor Ende. Am 5:0-Lauf der Gäste haben die plötzlich fahrig agierenden Hausherren einen gehörigen Anteil. Doch sie fangen sich gerade noch rechtzeitig, holen sich die Führung zurück (29:28) und halten diese in einer hektischen Schlussphase. Der THW geht leer aus und schiebt mächtig Frust.
Foto: BILD
Kiel-Star Nikola Bylik nach dem Spiel am Dyn-Mikro: „Das ist extrem frustrierend. Wir waren einfach nicht konstant genug in unserem Spiel, haben viel zu viele Fehler gemacht. Am Ende haben wir uns auf gut Deutsch nochmal den Arsch aufgerissen und versucht, die Punkte doch noch irgendwie mitzunehmen. Aber im Großen und Ganzen war das einfach nicht genug.“
Das große Problem: Die fehlende Konstanz. Pytlich ratlos: „Das würden wir manchmal auch gerne wissen, wie das sein kann, dass wir solch große Schwankungen in unserem Spiel haben. Ich habe dafür auch keine Erklärung.“
Zu den gefährdeten Saisonzielen sagt der abwanderungswillige Däne: „Zum jetzigen Zeitpunkt brauchen wir nicht über Champions Leauge zu reden, wir haben ganz andere Dinge, die wir in den Vordergrund stellen müssen.“
Flensburg – Minden 35:31
Vom Kieler Patzer profitiert die SG Flensburg-Handewitt, die trotz starker Torwartleistung von Mindens Tibor Ivanisevic (12 Paraden) keine Probleme mit ihrem Lieblingsgegner hat. Seit 2008 hat Flensburg nicht mehr gegen Minden verloren. Bilanz seitdem inklusive des 35:31-Erfolgs am Freitag: 26 Ligaspiele, 25 Siege für die SG und ein Remis.
Die SG liegt nun fünf Punkte vor Kiel und schiebt sich vorübergehend auch an den Füchsen Berlin vorbei auf Rang zwei. Bester Werfer gegen Minden: DHB-Kapitän Johannes Golla mit neun Toren.
