„Der größte Gewinner des Konflikts mit dem Iran ist Russland“, so fasst es Ben Cahill von der US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) zusammen. Der Kreml könne nun zuvor preisreduziertes russisches Rohöl „zum vollen Marktpreis“ verkaufen. Das stelle eine „große Wende“ für die Wirtschaft dar, so Cahill zu CNN.

Doch nicht nur russisches Öl wirft wieder viel Geld für den Kreml ab, auch andere Produkte sind durch die iranische Blockade der Straße von Hormus wieder sehr begehrt. Die Meerenge ist ebenso eine wichtige Transitroute für Flüssigerdgas, Düngemittel, Helium und Aluminium – alles Stoffe, die Russland in großen Mengen produziert. Vor dem Iran-Krieg war der Käuferkreis für Öl aufgrund verschärfter Sanktionen der EU und der USA stark geschrumpft.

Die übrigen Kunden forderten hohe Preisnachlässe von Moskau. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) brachen die Exporte von russischem Rohöl und Ölprodukten im Februar auf 6,6 Millionen Barrel pro Tag ein – den niedrigsten Stand seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine 2022. Die Exporterlöse sanken in diesem Monat im Vergleich zum Vorjahr um ganze 30 Prozent. Der Druck schien zu wirken.

Rubel rollt wieder

Mit dem Iran-Krieg hat sich nun einiges wieder umgedreht. Einerseits wegen des explodierenden Ölpreises: Laut dem Berliner Carnegie Russia Eurasia Center lag der Preis für russisches Urals-Rohöl bei 90 US-Dollar (79 Euro) pro Barrel, doppelt so hoch wie im Februar.

Andererseits wegen Trumps drastischer Kehrtwende bei den Sanktionen: Anfang des Monats lockerten die Vereinigten Staaten vorübergehend die Strafmaßnahmen gegen russisches Rohöl auf dem Seeweg, um „den Ölfluss auf dem Weltmarkt aufrechtzuerhalten“.

Vor allem die russischen Öllieferungen nach Indien zogen daraufhin stark an, laut dem Analysedienst Kpler verdoppelten sie sich nahezu. Die Gewinne durch Öl- und Gasexporte machen rund ein Viertel des russischen Budgets aus.

Oligarchen sollen spenden

Der neue Geldsegen für den Kreml kommt der Wirtschaftsforscherin Alexandra Prokopenko zufolge zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Zumindest habe sich der Kreml Zeit verschafft. Denn die kurzfristig durch den Iran-Krieg gekommenen Erleichterungen seien keine dauerhafte Lösung für das große Loch im russischen Budget nach vier Jahren Krieg.

Der Kreml setzte heuer schon einige Maßnahmen zur Entspannung der Budgetlage, etwa eine Sondersteuer auf einige Großunternehmen. Zusätzlich bat Putin einem Medienbericht zufolge Oligarchen um Spenden. Die „Financial Times“ berichtete unter Berufung auf drei Insider, dass Putin am Donnerstag vor einer großen Gruppe prominenter Geschäftsleute sprach, um sie zum Spenden zu bewegen. Das Ziel sei, den Krieg gegen die Ukraine weiterzuführen. Und etliche der Oligarchen dürften der Bitte des Präsidenten gern Folge leisten, so das Blatt.

Zwischen Freund- und Feindschaft

Seit Trump im Amt ist, wurden die Kontakte zum Kreml deutlich freundlicher, während die USA wiederholt Verbündete brüskierten. Mehrmals schwenkte der US-Präsident bei Verhandlungen zum Ukraine-Krieg auf Putins Linie um. Russland wiederum verurteilte die Angriffe Israels und der USA auf den Iran zwar scharf, den Verbündeten in Teheran kam man aber nicht zu Hilfe – wie auch schon bei den Angriffen der USA und Israels auf die iranischen Atomanlagen im vergangenen Sommer.

US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Vladimir Putin während eines Treffens in Anchorage, USA

IMAGO/ZUMA Press/Sergei Bobylev (Archivbild)

Putin und Trump: Wer ist Feind, wer Verbündeter?

Zudem soll Putin laut dem Magazin „Politico“ den US-Unterhändlern einen Deal vorgeschlagen haben: Der Kreml verzichte künftig darauf, Informationen zu möglichen Zielen mit dem Iran zu teilen, wenn die USA ihre Unterstützung für die Ukraine einstellten. Zu einer Abmachung sei es aber nicht gekommen.

Katze, die sich in den Schwanz beißt

Der Iran ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs ein verlässlicher Verbündeter Russlands. Die russische Armee nutzt die von Teheran gelieferte Schahed-Drohnen, Raketen und Munition. Auch im Krieg im Nahen Osten ist der Einsatz von Kampfdrohnen ein Kernelement der iranischen Militärstrategie. Seit Kriegsausbruch feuerte Teheran mehr als 3.000 dieser Drohnen, die kostengünstig produziert werden können, ab.

Inzwischen produziert Russland die Drohnen nach iranischem Entwurf selbst in großem Maßstab und modifizierte sie, um Luftabwehrsysteme zu umgehen und schwerere Nutzlasten zu transportieren. Nun, da der Iran selbst Krieg führt, hat sich der Lieferweg umgekehrt und Russland liefert seine Drohnen in den Iran. Die USA ermöglichten also durch ihren Sanktionenschwenk Russland neue Geldmittel, das dieses nutzt, um den Kampf gegen US-Ziele zu unterstützen.

Die „Financial Times“ berichtete unter Berufung auf westliche Geheimdienstberichte, dass eine große Lieferung derzeit vorbereitet wird. Der Kreml reagierte darauf mit dem Vorwurf von Fake News, in Kiew war man empört und forderte, dass russische Drohnenproduktionsstätten als „legitime Ziele für Militärschläge“ gegen den Iran betrachtet werden sollten.

Kiew kooperiert mit Golfländern

Die Ukraine wiederum, leidgeplagt, aber inzwischen erfahren bei der Verteidigung gegen Drohnen iranischer Bauart, kooperiert nun mit den Golfstaaten. Das ukrainische Know-how ist in den Ländern, die der Iran täglich angreift, gefragt. Am Freitag unterzeichneten die Verteidigungsministerien der Ukraine und Saudi-Arabiens zudem ein Abkommen zur Rüstungskooperation.

Die Ukraine geriet zuletzt jedoch im Schatten des Iran-Kriegs ins Hintertreffen. Nicht nur die Mehreinnahmen für Russland durch den Iran-Krieg sind eine für Kiew unwillkommene Entwicklung. Auch der Nachschub der Militärhilfen aus den USA sind Grund zur Sorge. Schon im Juni des Vorjahres, als die USA und Israel iranische Anlagen bombardierten, wurden Lieferungen nach Kiew verzögert. Laut „Washington Post“ erwägt die US-Regierung bereits, für die Ukraine bestimmte Waffen in den Nahen Osten umzuleiten.

Der Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten zeigt, wie verstrickt und mitunter verdeckt die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Beteiligten sind. In den Iran-Krieg spielen nicht nur militärische, finanzielle und strategische Vorteile eine Rolle, sondern auch die Positionierung der Parteien im Ukraine-Krieg. Für Lösungen der Konflikte ist das wohl nicht zuträglich.