Abriss oder Erhalt? Das SEZ in Friedrichshain steht erneut im Zentrum einer grundlegenden Debatte der Berliner Stadtentwicklung. Während der Berliner Senat auf Neubau setzt, bringt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg neue Ideen für eine Transformation des Bestands ins Spiel. ENTWICKLUNGSSTADT zeigt zehn mögliche Nutzungen – von Sportzentrum bis Creative Hub.
Neue Ideen stellen die bisherigen Abrisspläne für das SEZ infrage. ENTWICKLUNGSSTADT zeigt zehn konkrete Alternativen für eine mögliche Zukunft. / © Visualisierung: Open AI / Collage und Konzeption: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Open AI / Collage und Konzeption: ENTWICKLUNGSSTADT
Eigentlich schien die Zukunft des SEZ in Friedrichshain lange entschieden: Abriss, neuer Schulcampus, Wohnungsbau. Doch zuletzt ist Bewegung in die Debatte gekommen. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bringt eigene Ideen ein und plädiert für eine Neubewertung des Bestands.
Statt eines vollständigen Rückbaus rücken zunehmend Konzepte in den Fokus, die das Gebäude erhalten und zugleich neu interpretieren wollen. Damit steht das SEZ gewissermaßen sinnbildlich für eine grundlegende Frage der Berliner Stadtentwicklung, die immer wieder neu debattiert wird: Abriss oder Transformation?
Mögliche Nutzungen für das SEZ: Vereinssport, Gesundheitszentrum, Kreativ-Hub oder Logistikdrehkreuz
Die Bandbreite möglicher Nutzungen für ein umgebautes und modernisiertes SEZ ist dabei bemerkenswert vielfältig, denn: das Gebäude steht bis heute nicht unter Denkmalschutz und könnte daher zumindest theoretisch recht flexibel um- und ausgebaut werden.
Vom klassischen Sport- und Erholungsbad über ein kombiniertes Gesundheitszentrum bis hin zu einem Schul- und Vereinssportstandort reichen die eher pragmatischen Optionen. Darüber hinaus sind aber auch kreativere Ansätze möglich, etwa ein urbaner Kreativ- und Produktionshub oder ein Messe- und Kongressstandort.
Vorbild ICC: Ist eine Umnutzung des SEZ mit neuem Nutzungskonzept realisierbar?
Hinzu kommen transformative Szenarien wie ein Gesundheitscampus mit ergänzendem Wohnen oder ein klimaangepasstes Schwammstadt-Projekt – je nachdem, ob ein solches Betrieb in Landesregie oder in Kooperation mit privaten Investoren umgesetzt wird, wie es im Berliner Westend beispielsweise beim vergleichbaren ICC geplant ist.
Natürlich stellen sich dabei die üblichen, entscheidenden Fragen: Wie groß müssen die Eingriffe in die bestehende Gebäudestruktur sein, welche Kosten kommen auf die Projektverantwortlichen zu? Im Gegenzug zum ICC oder dem Haus der Statistik am Berliner Alexanderplatz ist der nicht vorhandene Denkmalschutz für das SEZ womöglich sogar eher Fluch als Segen, denn die Bauherren müssten nur wenig Rücksicht auf bestehende Tragwerksstrukturen und Elemente im Gebäudekomplex nehmen.
ENTWICKLUNGSSTADT zeigt in diesem Artikel zehn denkbare Nutzungsoptionen und ordnet sie im Kontext der aktuellen Debatte ein.
Neues Sport- und Gesundheitszentrum: Multifunktionale Nutzung im SEZ
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Das SEZ bietet ideale Voraussetzungen für ein multifunktionales Sport- und Gesundheitszentrum. Bestehende Raumstrukturen könnten für Schwimmbecken, Therapieflächen und Trainingsbereiche neu interpretiert werden. Durch die Kombination aus öffentlichem Sportangebot und medizinischer Nutzung entstünde ein hybrides Nutzungskonzept. Ein solcher Ansatz würde sowohl die historische Funktion aufnehmen als auch zeitgemäße Anforderungen integrieren.
Kreativ- und Produktionszentrum: Neue Perspektiven für den Bestand
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Das SEZ könnte zu einem vielseitigen Kreativ- und Produktionsstandort transformiert werden. Große Hallen und offene Strukturen eignen sich für Studios, Werkstätten und gemeinschaftliche Arbeitsräume. Gleichzeitig wären Flächen für Ausstellungen, Aufführungen und kulturelle Formate denkbar. So entstünde ein Ort, der Arbeiten, Produzieren und Öffentlichkeit miteinander verbindet.
Schul- und Vereinssportzentrum: Infrastruktur für Bewegung und Bildung
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Das SEZ bietet ideale Voraussetzungen für ein zentrales Schul- und Vereinssportzentrum. Bestehende Hallen könnten für den Schulsport sowie für Trainings- und Wettkampfbetrieb von Vereinen genutzt werden. Durch die Mehrfachnutzung entstünde eine effiziente und ganzjährig ausgelastete Sportinfrastruktur. Ein solcher Ansatz würde den wachsenden Bedarf an Sportflächen im Bezirk gezielt adressieren.
ZLB im SEZ: Ein neuer Ort für Wissen und Öffentlichkeit
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Das SEZ könnte zum seit Jahren gesuchten und bislang nicht gefundenen neuen Standort für die geplante Zentral- und Landesbibliothek transformiert werden. Die vorhandenen Raumvolumen ermöglichen flexible Nutzungen für Lesesäle, Archive und Arbeitsbereiche. Gleichzeitig ließen sich öffentliche Funktionen wie Veranstaltungen und Ausstellungen integrieren. So entstünde ein offener, urbaner Ort für Bildung, Kultur und Begegnung. Diese Option müsste allerdings vollständig vom Land Berlin finanziert werden.
Soziales Zentrum im SEZ: Raum für Integration und Gemeinschaft
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Das SEZ könnte zu einem zentralen Ort für soziale Projekte und integrative Angebote entwickelt werden. Bestehende Flächen ließen sich für Beratungsstellen, Familienangebote und gemeinschaftliche Einrichtungen nutzen. Ergänzt um temporäre Wohnbereiche könnten auch Geflüchtete untergebracht werden. So entstünde ein vielseitiger Ort für Unterstützung, Begegnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Schwammstadt-Quartier: Klimaanpassung und Nachverdichtung verbinden
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Das SEZ-Areal könnte zu einem Modellprojekt für klimaangepasste Stadtentwicklung werden. Der Bestandsbau bliebe erhalten und würde durch Dachbegrünung, Wasserflächen und Retentionssysteme in ein Schwammstadt-Konzept integriert. Ergänzend könnten mehrere Wohntürme entstehen, die dringend benötigten Wohnraum schaffen. So ließe sich Klimaanpassung mit urbaner Nachverdichtung sinnvoll verbinden.
Urbanes Logistikzentrum: Neue Rolle für einen zentralen Standort
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Das SEZ könnte auch zu einem innerstädtischen Logistikstandort umfunktioniert werden. Die großen Hallenflächen bieten gute Voraussetzungen für Umschlag, Lagerung und Verteilung von Waren. Ergänzt um Ladezonen und Flächen für E-Transporter ließe sich die letzte Meile effizient organisieren. Ein solcher Ansatz würde die wachsenden Anforderungen der urbanen Logistik aufnehmen.
Rückkehr des SEZ: Neues Leben als Sport- und Erholungsbad
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Aufwendig, aber nicht unmöglich – und von vielen Berlinerinnen und Berlinern immer wieder gefordert: Das SEZ könnte an seine ursprüngliche Nutzung als Sport- und Erholungsbad anknüpfen. In modernisierter Form wären Wasserlandschaften, Rutschen und Freizeitbereiche denkbar. Ergänzt um Wellness- und Erholungsangebote entstünde ein vielseitiger Freizeitstandort. Damit könnte das Gebäude wieder zu einem beliebten Anlaufpunkt für breite Bevölkerungsgruppen werden.
Schule im Großformat: Das SEZ als Lern- und Lebensort
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Im Zuge einer Umnutzung könnte das SEZ zu einer großflächigen Schule mit ergänzenden Funktionen transformiert werden. Neben klassischen Unterrichtsräumen wären auch offene Lernlandschaften und Aufenthaltsbereiche denkbar. Die vorhandenen Hallen bieten zusätzliche Potenziale für Sport und Veranstaltungen. Damit ließe sich ein zukunftsorientierter Lernort im Herzen Friedrichshains schaffen.
Kongresszentrum im Bestand: Flexible Flächen für Veranstaltungen
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Das SEZ bietet Potenzial für ein flexibles Kongress- und Veranstaltungszentrum. Bestehende Raumstrukturen könnten für Ausstellungen, Vorträge und Netzwerkformate angepasst werden. Gleichzeitig ließen sich kleinere Konferenzräume und ergänzende Angebote integrieren. So entstünde ein urbaner Veranstaltungsort mit breitem Nutzungsspektrum.
Weiterentwicklung des SEZ: Senat, Bezirk und private Investoren müssten an einem Strang ziehen
Die Vielzahl möglicher Nutzungsoptionen zeigt durchaus, dass das SEZ keineswegs am Ende seiner Lebensdauer angekommen sein muss. Vielmehr eröffnet der Bestand zahlreiche Perspektiven für eine Weiterentwicklung, die sowohl städtebaulich als auch gesellschaftlich relevant sein könnten.
Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die beteiligten Akteure – insbesondere Senat und Bezirk – zu einer gemeinsamen Linie finden. Ohne eine abgestimmte Strategie drohen die unterschiedlichen Interessen weiterhin zu blockieren.
Gleichzeitig wird eine Realisierung vieler Konzepte wohl nur mit der Einbindung privater Investoren möglich sein. Erst im Zusammenspiel von Politik, Verwaltung und Wirtschaft kann aus den Ideen eine tragfähige Zukunft für das SEZ entstehen. Bedarf für die oben vorgestellten Konzepte gibt es in Berlin in jedem Fall.
Quellen: Berliner Zeitung, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Naturfreunde Berlin, Berliner Morgenpost, Gemeingut in BürgerInnenhand, Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte GmbH, Stefan Forster GmbH, Open AI










