Schon vor 100 Jahren standen Musik, Gesang, Theater und sportliche Darbietungen im Mittelpunkt. Unternehmer Kai Geggus (57) aus Weingarten, der das Anwesen mit Hotel, Gaststätte und Tanzsaal Ende 2020 gekauft und an den gleichaltrigen Gastronomen Oliver Kärcher verpachtet hat, rollt gemeinsam mit dem Namensgeber den roten Teppich aus.

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Kai Geggus (links) und Oliver Kärcher.
Foto: Hans-Joachim Of
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Kai Geggus (links) und Oliver Kärcher.
Foto: Hans-Joachim Of
Das Jubiläum 2026: Große Party zum 100. Geburtstag
Punktgenau 100 Jahre später, am Samstag, 4. April 2026, wird das Jubiläum „100 Jahre Kärcherhalle Weingarten“ ab 19.30 Uhr mit einer großen Party gefeiert. Vier Discjockeys sollen für Stimmung sorgen, dazu seien Überraschungen geplant. Der Eintritt beträgt sowohl im Vorverkauf als auch an der Abendkasse 15 Euro.
Mit einem „Best of“ der größten Hits aller Zeiten sollen am 4. April 2026 alle Freunde von Schlager, Discofox, Freestyle, Latino und Dance-Klassikern auf ihre Kosten kommen. „Wir haben Platz für rund 800 Gäste, wobei die ersten 100 Besucher, die gerne im Dresscode Black & White kommen dürfen, ein Glas Sekt erhalten“, sagt Oliver Kärcher. Zudem wird man mit Getränke-Special-Highlights und einer Frühlingsbowle sowie Wunderkerzen am Tisch aufwarten.
Die Anfänge: Bahnhofsrestauration und Tanzsaal
Dessen Ur-Ur-Großvater Ludwig Kärcher, Metzgermeister und Gastronom, war der erste Besitzer des weithin bekannten Hauses.

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Bahnübergang kurz nach 1900.
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Bahnübergang kurz nach 1900.
Foto: Hans-Joachim Of
Bereits 1910 errichtete Ludwig Kärcher das Anwesen als „Bahnhofsrestauration“, um Pendler, die morgens nach Karlsruhe oder Bruchsal zur Arbeit fuhren, mit einem Vesper zu versorgen. Dies sei die Geburtsstunde des Reisens und des Pauschaltourismus gewesen, wird angemerkt. „Transport und Verpflegung“ als Gesamtpaket.
Die Bahnhofswirtschaft, zu der schon damals ein Tanzsaal gehörte, wurde später deutlich erweitert.
Ausbau zur Mehrzweckhalle: Festsaal, Bühne, Vereinsleben
In den Jahren 1925/26 entstand der bis heute existierende Festsaal mit großer Bühne.
Da es in Weingarten zu dieser Zeit keine Sporthalle gab, diente die Kärcherhalle zugleich als Mehrzweckhalle. Viele örtliche Vereine veranstalteten dort ihre Faschingsbälle. Legendär sind bis heute die Feten in der fünften Jahreszeit, wobei besonders am „Schmutzigen Donnerstag“ die Post abgeht.
Kultstatus ab den 60ern: Bands, Tanztempel, Süddeutschland reist an
Anfang der 60er Jahre nahmen speziell Tanzveranstaltungen immer mehr Fahrt auf und namhafte Musikbands traten an den Wochenenden in der Kärcherhalle auf. Dieser Tanztempel, zu dem Menschen aus ganz Süddeutschland anreisten, erlangte so schnell überregionalen Kult-Status.

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Kärcherhalle Saal mit Wandbild.
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Kärcherhalle Saal mit Wandbild.
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Tatsache ist: Die Kärcherhalle kennt jeder Musikliebhaber bis heute, zumal Formationen wie die „Rocking Stars“, „Night Kings“, „Tops“ oder „Black Water“ der älteren Generation noch bestens vertraut sind. Auch die „Dancing Show Band“ (aus der später die Flippers wurden) oder „The Markees“ mit den Brüdern Edo und Vilko Zanki traten dort regelmäßig auf.
Vilko Zanki über „goldene Zeiten“
Musiker Vilko Zanki, älterer Bruder des vor sechs Jahren verstorbenen Edo Zanki, der in Karlsdorf nach wie vor das renommierte Kangaroo-Tonstudio betreibt, erinnert sich an die „Goldenen Zeiten“. Er stand mit der Band „Florett“ in der 60er Jahren selbst als Gitarrist auf der Kärcherhallen-Bühne und war in der Folge zu den Markees gewechselt.
Zanki sagt: „Nachdem wir mit den Markees den wichtigen Kapellenwettstreit in Bruchsal gewannen, waren wir in aller Munde und spielten auch in Weingarten über ein Dutzend Konzerte, wobei der damals erst 14-jährige Edo Zanki als Sänger und Keyboarder fest zur Band gehörte, bevor er später eine Solokarriere startete.“ Der Song „Sieben Tage noch“ war in den 70ern ein regionaler, oft im Radio gespielter Song.
Umbaupläne und Abschlussparty 2027
Was bringt die Zukunft? Kai Geggus kündigt an, dass die Kärcherhalle komplett umgebaut und von Grund auf saniert werden soll. Der Hotelbetrieb werde eingestellt, stattdessen solle ein Badisches Wirtshaus entstehen.

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Kai Geggus (links) und Oliver Kärcher.
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Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2027 geplant. Zuvor soll es am 13. Februar noch eine große Abschlussparty geben. Künftig, so wird berichtet, soll die neue Lokalität „Wengerder Turmbergbräu mit Biergarten“ heißen.
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