Der Zeiger einer Uhr steht auf drei Uhr.

Stand: 28.03.2026 09:45 Uhr

Am Sonntag werden die Uhren von 2 auf 3 Uhr vorgestellt – die Sommerzeit beginnt. Ein Experte aus Braunschweig erklärt, welche Probleme eine EU-weite Zeitzone mit sich bringen würde und warum das Jahr früher mehr Tage hatte.

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) mit Sitz in Braunschweig sorgt für die korrekte Zeit in Deutschland – die gesetzliche Zeit. Sie überwacht die Zeitübertragung. Im Interview mit NDR Niedersachsen spricht Jens Simon, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der PTB, darüber, was während der Zeitumstellung in der Nacht zu Sonntag eigentlich im Zeitlabor in Braunschweig passiert – und warum sich die Erde immer langsamer dreht, obwohl die Zeit gefühlt zunehmend rast.

Herr Simon, was passiert während der Zeitumstellung in Braunschweig?

Jens Simon, Pressesprecher der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig.

Dr. Dr. Jens Simon ist Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig.

Jens Simon: Auf diese Frage kann man ganz schlicht antworten: Da passiert ganz wenig, weil die Zeitumstellung wirklich eine Routineaufgabe ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass in der Nacht von Samstag auf Sonntag hier bei uns in unserem Zeitlabor niemand sein wird. Ich habe mal bei den Kollegen gefragt: Das Einzige, was sie halt wirklich tun, ist, sie haben sich ihren privaten Wecker auf fünf Minuten vor der Zeitumstellung gestellt und gucken dann gebannt auf diesen Funkwecker, den sie auch privat bei sich zu Hause haben. Und wenn sich dieser Funkwecker dann um eine Stunde nach vorne dreht, dann ist alles gut. Weil wenn die Zeitsignale, die aus Mainflingen kommen, richtig sind, dann dreht sich jeder Funkwecker automatisch zur richtigen Zeit.

Und hat die Zeitumstellung bislang immer funktioniert?

Simon: Ja, sie hat bisher immer funktioniert. Eine Fehlaussendung gibt es tatsächlich nicht. Auch nicht nur bei der Zeitumstellung selbst, sondern auch das ganze Jahr über. Ich weiß nicht genau die Prozentzahl, aber die liegt weit über 99 Prozent Sendegenauigkeit. Das heißt, es wird eigentlich niemals ein falsches Signal gesendet. Sollte es mal bei den drei Atomuhren, die wir in Mainflingen stehen haben, zu kleinen Abweichungen oder zu Störungen kommen, dann senden wir einfach lieber nichts, als dass wir etwas Falsches senden würden.

Bei einer EU-Umfrage zur Zeitumstellung im Jahr 2018 sprachen sich mehr als 80 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer für eine Abschaffung aus …

Simon: Da geht es natürlich denjenigen, die hier arbeiten, nicht anders als jedem anderen Menschen auch. Manche spüren das halt, wenn ihnen eine Stunde fehlt und genießen das wiederum andersherum, wenn sie zum Herbst eine Stunde extra bekommen. Und manche, die leiden darunter. Dass es eine EU-weite Frage ist, ob man sich nicht mal von dieser Zeitumstellung verabschieden kann, hat ja eine Folgefrage: ‚Auf welche Zeitzone will man sich denn verständigen?‘ Und das ist aber eine ziemlich kritische Frage.

Der Installation «Zeitfeld» von Klaus Rinke ist bei der Blaustunde in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) zu sehen

Ergebnis der EU-Umfrage

Bei der EU-Umfrage zur Zeitumstellung haben sich mehr als 80 Prozent der Teilnehmer für eine Abschaffung ausgesprochen. Alles deutet nun darauf hin, dass die EU-Kommission dem Votum folgen wird. Von Ralph Sina.

Wenn Sie sich mal überlegen: Was ist der westlichste Punkt der Europäischen Union? Ich glaube, da würden Sie irgendwo in Irland im County Kerry landen. Der liegt etwa bei 39 Grad westlicher Länge. Und dann fragen Sie nach dem östlichsten Punkt: Da landen Sie irgendwo in Lappland. Das ist dann 31 Grad östlicher Länge. Das heißt, Sie haben eine Differenz von 70 Längengraden. Wenn Sie das in eine Zeitdifferenz umrechnen, sind das 4 Stunden und 40 Minuten. Sie würden dann alle diese verschiedenen Staaten unter einen Zeittakt zwingen. Und dass da nicht alle zustimmen können, kann ich gut verstehen.

Manchmal hat man das Gefühl, dass die Zeit davon rast. Wird die Erde eigentlich auch schneller?

Simon: Ganz im Gegenteil. Die Erde wird langsamer. Das ist der eigentliche Punkt: Weil die Erde ist ja aus physikalischer Sicht ein massiver Kreisel, der da durch das Weltall rotiert. Und da wir halt kein starrer Körper sind, bewegen sich die Ozeane, die dann an ihrem Meeresgrund zum Beispiel reiben. Und dadurch entsteht ein klein wenig Wärme, die abgestrahlt wird ins Universum. Das heißt, dem Kreisel geht Energie verloren. Und das heißt wiederum, der Kreisel wird langsamer. Das könnte man mal zurückrechnen. Sie könnten dann fragen: ‚Wenn das so ist, dann war die Erde früher schneller – dann hat sie also vor ein paar Millionen Jahren vielleicht mehr Eigenrotationen geschafft während eines Jahres?‘ Ja, das ist so. Zum Beispiel das Jahr der Dinosaurier, das hatte tatsächlich 400 Tage und nicht nur 365.

Das Zeitgesetz von 1978 beauftragt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), die in Deutschland maßgebende Uhrzeit darzustellen und zu verbreiten. Das dafür erforderliche Steuersignal wird mit einer von der PTB entwickelten Steuereinrichtung inklusive Atomuhren erzeugt – am Sendeort Mainflingen bei Hanau (Hessen). In einem Bereich von etwa 2.000 Kilometern rund um den Sender können die Signale der PTB zufolge 24 Stunden am Tag empfangen werden. Die Überwachung geschieht von Braunschweig aus. Der Sender steuert den Angaben nach unter anderem die Zeitangaben der Rundfunk- und Fernsehstationen, der Uhren der Deutschen Bahn, Schaltuhren in der Energieversorgung, der Verkehrsregelung und -überwachung sowie privater Funkuhren.

Heutzutage sind überall Uhren zu sehen – ob am Handgelenk, auf dem Smartphone, an Bushaltestellen. Reduzieren die PTB-Mitarbeitenden ihre Uhren im Feierabend auf das Nötigste?

Simon: Ich antworte mal für mich persönlich: Ich trage keine Armbanduhr an meinem Handgelenk. Die brauche ich schlichtweg nicht, weil ich natürlich umzingelt bin von diversen Uhren hier. Aber bitte fragen Sie jetzt nicht danach, wie es mit der Zeitsynchronisation aller Uhren aussieht, die auf diesem PTB- Gelände verteilt sind. Das ist auch für eine PTB eine echte Herausforderung.

Sind denn die Beschäftigten bei Ihnen in der PTB pünktliche Menschen?

Simon: Absolut. Das merken Sie wirklich. Man verabredet sich ja zu diversen Treffen, zu irgendwelchen Meetings, zu irgendwelchen Workshops. Sagen wir mal, man hat sich verabredet für 14 Uhr. Sieben Menschen wollten sich dabei treffen. Sechs sind schon vor der Zeit da, sitzen schon am runden Tisch. Der siebte Mensch fehlt um 14 Uhr. Spätestens um 14:01 Uhr ruft man bei dem an und fragt: Wo bleibst du denn? So genau nimmt man es hier dann schon.

Das Interview führte Uwe Day

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