Dröhnende Bässe, die Tanzfläche so voll wie die Gäste und Stimmung bis der Laden dichtmacht: Ende vergangenen Jahres feierte das PM in Untermeitingen seine letzte Party. Es war die wirklich allerletzte Party. Damit hat sich das PM in eine Liste von Clubs eingereiht, die in den vergangenen Jahren in Augsburg und der Region verschwunden sind: Ostwerk, M-Eins, KKlub, das Schwarze Schaf. Fehlende finanzielle Mittel bei gleichzeitig steigenden Kosten, immer mehr Auflagen und scheinbar immer weniger feierwillige junge Menschen. Das klingt alles eher düster, doch trotz des oft beklagten Clubsterbens halten viele Läden durch. Was ist das Rezept der Augsburger Clubgrößen? Was tun Inhaber und Veranstalter, um die Szene auch 2026 attraktiv zu machen?

Auf einen WhatsApp-Leseraufruf erreichten die Redaktion Zuschriften junger Menschen, die sich Veränderungen im Augsburger Nachtleben wünschen: mehr Räume für selbstorganisierte Partys oder eine vergleichbare Veranstaltung, wie das jährliche Honkey Tonk – aber für elektronische Musik. Vergleichbares soll es 2026 auch geben. Clubbetreiber Sebastian Karner erzählt von Veränderungen in Augsburg, bestehenden Problemen und was in diesem Jahr anders wird.

Gäste kommen nicht nur seltener, sie geben auch weniger aus

Sebastian Karner, Chef der Kantine, Soho Stage und Weissem Lamm sowie Vorstand der Club- und Kulturkommission Augsburg, beobachtet einen Wandel im Ausgehverhalten. „Ab spätestens Ende der Zwanziger nimmt das Ausgehverhalten ohnehin ab.“ Zwar kämen durch die Studierenden „grundsätzlich genug junge Menschen nach“, doch auch sie feierten seltener: „Es gehen insgesamt deutlich weniger Menschen aus als früher – dafür gezielter zu bestimmten Events oder Bookings.“ Statt „08/15-Angeboten“ zähle gutes Programm, außerdem: „Die Gäste kommen später, bleiben aber kürzer.“

Auch sei auffällig, dass die pro Kopf-Ausgaben deutlich weniger würden: „Im Durchschnitt geben Gäste pro Abend weniger aus“, sagt Karner. Gleichzeitig beobachtet er eine neue Zahlungsbereitschaft für einzelne Highlights: Für besondere Bookings oder Live-Acts seien Gäste deutlich eher bereit, mehr zu zahlen als früher.

Wirtschaftlich bleibt der Druck hoch. Zwar sei ein Abend heute seitens der Veranstalter besser planbar, weil der Vorverkauf mittlerweile eine größere Rolle spiele. Doch die Rechnung bleibt kompliziert – auch wegen spürbar höherer Fixkosten. „Die steigenden Kosten bestimmen die Preise – reich wird damit im Jahr 2026 niemand“, sagt Karner. Für die Spielstätten bedeute das enorme Herausforderungen: Die Zeit im Club werde kürzer, Personal- und Betriebszeiten blieben aber gleich. Man müsse „in der kurzen Zeit bestens aufgestellt sein“, zugleich wolle „niemand nur für zwei Stunden arbeiten“.

Alternative Abendprogramme sind selten erfolgreich

Karner sieht zudem ein strukturelles Problem: „Von Stadt, Land und Bund sind die Förderungen im Bereich der Nachtökonomie viel zu wenig“, sagt er. Dabei seien Clubs „die Brutstätten der Stars von morgen“. Weil sich diese Nachwuchsarbeit kaum mehr finanzieren lasse, setzten viele Betreiber eher auf Bewährtes – Nachwuchskünstler hätten dadurch zu wenig Chancen.

Das zeigt sich laut Karner auch im Programm: „Nischenmusik ist deutlich zurückgegangen“, stattdessen dominierten Mainstream und elektronische Musik. Nebenräume blieben teils zu oder würden etwa für Beer Pong oder Fotoboxen genutzt – für ihn „verschenktes Potenzial“. Mit Förderungen für Künstlergagen könnten dort wieder Nachwuchsacts spielen, allein von Veranstaltern bezahlt sei das jedoch häufig zu riskant. Wie gelingt Nachtclubs trotzdem der Spagat zwischen Vielfalt und Planungssicherheit?

Um wettbewerbsfähig zu bleiben setzt Karner auf neue Konzepte

Karner sieht die Antwort in einer Mischung aus neuen Ideen und strikter Kalkulation: „Neue Formate, andere Öffnungszeiten, attraktive Getränkespecials, damit auch Menschen mit kleinerem Budget einen guten Abend haben“. Gleichzeitig werde ein „besseres Angebot im nicht-alkoholischen Bereich“ immer wichtiger.

Als einer der Vorsitzenden der Club- und Kulturkommission Augsburg setzt sich Sebastian Karner für ein vielfältiges und erfolgreiches Nachtleben ein.

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Als einer der Vorsitzenden der Club- und Kulturkommission Augsburg setzt sich Sebastian Karner für ein vielfältiges und erfolgreiches Nachtleben ein.
Foto: Helena Karner (Privataufnahme)

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Foto: Helena Karner (Privataufnahme)

Ebenfalls will Karner neue Zielgruppen früh ansprechen: „Wir veranstalten Ab-14- und Ab-16-Partys an ausgewählten Tagen.“ Die Ab-14-Party sei „direkt von Jugendlichen“ angestoßen worden. Auch Veranstaltungen in die andere Richtung, beispielsweise Ü40-Partys, werden laut Karner gut angenommen – ohne die Zielgruppe von Hochschule und Universität wäre die Lage für Augsburgs Nachtlokale jedoch „deutlich schwieriger“. Neben Clubabenden bleiben für Karner Konzerte ein Baustein: „Mittlerweile sind das an die 3000 Shows, die wir seit 2002 veranstaltet haben.“ Konzerte sollen finanzielle Schwankungen ausgleichen, wobei Clubabende das Live-Programm mitfinanzieren.

Die Nachtkonferenz ermöglicht richtiges Club-Hopping durch Augsburg

Die Club- und Kulturkommission Augsburg startet auf Karners Initiative dieses Jahr ein Clubfestival mit sogenannter Nachtkonferenz, das „neue Zielgruppen“ ansprechen soll. Dafür setzt Karner auf niedrige Hürden: „Für 15 Euro sind alle Clubs dabei – das ermöglicht echtes Club-Hoppig.“ So sollen Besucher „in neue Räume, Szenen und Bubbles“ hineinschnuppern. Fördermittel und Sponsoring sollen „den Clubs ermöglichen, ein außergewöhnliches Programm zu gestalten“. Vor allem betont Karner die Kooperation zwischen den Clubs: „Wir machen das gemeinsam. Dieser Vibe ist spürbar.“ Die Veranstaltung sei nicht auf Gewinn ausgerichtet, im besten Fall wolle man bei null rauskommen.

Ganz sicher ist die Planung allerdings noch nicht. „Aktuell sieht es bei einem Teil der Bundesförderung nicht gut aus“, sagt Karner. Man werde zwar nicht scheitern, müsse aber womöglich am Programm sparen: „Die Bundesregierung hat stark gekürzt.“ Die Stadt Augsburg könne die Lücke aus dem Kulturhaushalt nicht schließen – es gehe um „überschaubare 20.000 Euro“, so Karner. „Wir suchen daher weitere Sponsoren, Gönner und Unterstützer, die helfen möchten.“

Das Clubfestival mit anschließender Nachtkonferenz findet laut aktueller Planung vom 4. bis 5. Dezember 2026 statt.

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  • Josefine Reiermann

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