Bielefeld. Beinahe vier Jahrzehnte: Der kleine Schmuckladen „licht blick“ ist aus dem Gehrenberg in der Altstadt nicht wegzudenken. Doch zum 31. Mai gibt Inhaberin Heidi Deselaers das Geschäft auf, bereits jetzt sind die Artikel um 30 Prozent reduziert. „Aus Altersgründen“, sagt die 71-Jährige. „licht blick“ führt Ohrringe, Ketten, Uhren, Armbänder und Ringe – und, das ist Deselaers wichtig: „Keine Massenware.“ Alle seien sorgfältig ausgewählte Stücke, ein wenig alternativ im Stil.

„Wichtig war uns immer die Vielfalt des Angebots: Modeschmuck und Hochwertiges, sodass für jeden etwas dabei ist.“ 1987 hatte sie das Geschäft mit ihrer Freundin Antje Baumann eröffnet. Der Vormieter habe Gartenmöbel verkauft. Von ihm stammt noch das markante Podest aus Pflastersteinen und der Mauervorsprung im Raum. Das habe perfekt zu ihrem Konzept gepasst.

Und der erste Verkaufsschlager? Sie erinnert sich: „Der absolute Renner damals, das waren Gummibärchen-Ketten.“ Modeschmuck mit bunten Steinen, der originalen Haribo-Süßigkeit nachempfunden. Und auch heute gibt es noch Stücke, die Kunden sonst vergeblich suchten. So wie den Bielefeld-Ring mit Silhouette der Stadt oder einen Siegelring mit Sparrenburg-Motiv. „Die gibt es nur hier“, sagt sie.

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Heiligabend alljährlich „ein richtiger Highlight-Tag“


Geschäftsaufgabe nach 39 Jahren: Der Schmuckladen „licht blick“ in Bielefelds Altstadt schließt seine Türen. - © Sarah Jonek

Geschäftsaufgabe nach 39 Jahren: Der Schmuckladen „licht blick“ in Bielefelds Altstadt schließt seine Türen.
| © Sarah Jonek

Die schönste Zeit sei für sie alljährlich der Heiligabend gewesen, „ein richtiger Highlight-Tag“. Da seien die Unentschlossenen und Kurzfristigen gekommen. „Immer gut drauf und sehr offen“ seien die gewesen. Für einen Stammkunden hätten sie jedes Jahr schon im Vorhinein einen Artikel ausgesucht, weil sie ihn zu Heiligabend erwartet hätten.

An einem Heiligabend habe aber auch das erste Mal ein Einbrecher die Fensterscheibe eingeworfen. Da habe die Polizei sie aus dem Bett geklingelt. Bis nach der Jahrtausendwende, erinnert sich Deselaers, habe es jedes Jahr mindestens einen Einbruch gegeben. „Sogar zweimal in einer Nacht“ sei es in einem Jahr passiert.

Nach dem ersten Anruf der Polizei habe sie einen Glaser bestellt, der ihr versichert habe, die notdürftige Reparatur wäre ausreichend. Kurz danach weckte die Polizei sie ein zweites Mal. Meist hätten es die Täter auf die Uhren abgesehen, die seien leicht zu verkaufen.

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Die beste Freundin als Geschäftspartnerin

„Ohne Antje wäre der ’licht blick’ nie das geworden, was er ist“, sagt Deselaers. Antje Baumann sei für sie nicht nur Geschäftspartnerin gewesen, sondern ihre beste Freundin. Sie wohnten in einer Hausgemeinschaft mit den Ehemännern, zogen gemeinsam sowohl Deselaers Söhne als auch Baumanns Tochter groß.

Kennengelernt haben sich die beiden im Lehramtsstudium in Aachen, beide hatten Geografie als Nebenfach, Deselaers dazu Mathematik und Baumann Germanistik. Das scheint sich in der Aufgabenverteilung widergespiegelt zu haben: Deselaers habe die Bücher geführt, Baumann dekoriert. Den Einkauf machten sie zusammen – bis Baumann 2011 starb. Den Schmerz über den Verlust ihrer besten Freundin spüre Deselaers heute noch.

Weniger trauert sie indes um die Nachfolge. „Es schmerzt mich nicht, dass meine Kinder es nicht übernehmen“, sagt sie entschieden. Auch, welcher Laden wohl nach dem 31. Mai im Gehrenberg 12 firmieren wird, darüber mache sie sich keine Gedanken. Um einen Nachmieter kümmern müsse sie sich nicht. Die Entscheidung zur Schließung sei über zwei Jahre gereift, sagt sie. Und doch: „Ein bisschen Wehmut ist dabei, ist klar. Ich habe das hier sehr geliebt.“

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