Standdatum: 29. März 2026.
Autorinnen und Autoren:
Martina Falkenberg
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Diese Silberkette wurde der Tochter Konrad Adenauers geschenkt. Gefertigt hat sie der Vater von Peter Haarstick.
Bild: Radio Bremen
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150 Jahren lang schmiedeten die Haarsticks in Bremen Gold- und Silberschmuck. Jetzt muss der Betrieb schließen. Die Abwicklung zeigt einen Einblick in die Stadtgeschichte Bremens.
Inmitten von Bremen geht ein Stück Tradition zu Ende: Von kunstvoll gefertigten Ringen bis zu Kaffeegeschirr aus Silber – all das hat die Familie Haarstick in den vergangenen 150 Jahren in vier Generationen gefertigt. Der aktuelle und wohl auch letzte Goldschmied der Familie, Peter Haarstick, muss nun die Familiengeschichte abwickeln, da es keinen Nachfolger gibt.
Seit Monaten sortiert er Dokumente und Arbeiten seiner Vorfahren. Denn der Goldschmied möchte ein Stück Stadtgeschichte bewahren.
Ich war ziemlich verwirrt, weil es so vielfältig war. Es hat einen erschlagen. Man kommt vom Hundertsten ins Tausendste.
Peter Haarstick
Er sei manchmal etwas ratlos, wie man das Ganze in Form bringen könnte, erzählt Haarstick. Aber: „Es war mir immer klar, dass da eine Menge Arbeit lauert.“
Auch Prominente schätzten die Arbeit der Haarsticks
Peter Haarstick sortiert die Familiengeschichte in seiner Manufaktur.
Bild: Radio Bremen
Das Eintauchen in die Geschichte der Goldschmied-Dynastie zeigt: Nicht nur die Bremer schätzten die Arbeit der Haarsticks, auch Prominente waren von der Arbeit der Bremer Schmiede-Familie beeindruckt. Stolz zeigt Peter Haarstick die Zeichnung eines Armbands, welches von seinem Vater geschmiedet wurde. „Das hat die Tochter von Konrad Adenauer anlässlich einer Schiffstaufe in Bremen geschenkt bekommen“, erzählt er.
Auch der Worpsweder Künstler Heinrich Vogler schätzte die künstlerische Qualität, für die die Werkstatt der Haarsticks stand, wie Postkarten des Künstlers zeigen. Das Künstlerpaar Uphoff portraitierte sogar die Haarsticks bei der Arbeit. Das Portrait des Großvaters hängt bereits im Bremer Fockemuseum.
Auf das Porträt sollen nun auch die Schmiedearbeiten des Großvaters folgen. Nach einer ersten Untersuchung sei das gefertigte Geschirr hochwertig und stilprägend, meint der ehemalige Kurator der Silber-Sammlung, Alfred Löhr. Für Peter Haarstick ist die Abgabe der kunstvollen Schmiedungen an das Museum ein Weg, die Kunst seiner Vorfahren zu bewahren.
Das zeigt auch eine Verbundenheit zu meinen Vorfahren, die hervorragende Kunsthandwerker waren. Und ich finde, das muss bewahrt werden.
Peter Haarstick
Bremen war in der Vergangenheit führend im Silberhandel
Die Kunstwerke in verschiedensten Stilrichtungen aus mehr als hundert Jahren Unternehmensgeschichte sind für das Museum eine wertvolle Ergänzung. Zudem bieten die Schmiedestücke Einblicke in eine Zeit, in der in Bremen die „Blütezeit des Silbers“ herrschte. Während dieser Zeit war die Silberverarbeitung ein eigener Wirtschaftszweig – und die Manufakturen aus Bremen mit an der Weltspitze. „Die beiden Bremer Firmen ‚Wilkens‘ und ‚Koch & Bergfeld‘ haben den gesamten deutschen und europäischen Markt bestimmt“, führt Alfred Löhr aus.
Mit Fertigungen wie dieser Kaffeekanne wurde Bremen ein wichtiges Zentrum für Silberwaren.
Bild: Radio Bremen
Um 1900 gehört auch die Bremer Silberwarenfabrik zu den größten Silbermanufakturen. Und neben der großen Industrie bleibt auch das kleine Handwerk wie das der Haarsticks erhalten. Bremen ist lange ein europaweit wichtiges Zentrum für Silberwaren und einige bedeutende Arbeiten kamen aus der Hansestadt – auch aus Werkstätten wie eben der der Familie Haarstick.
Heute schmiedet Peter Haarstick nur noch zum Spaß. Er könnte wehmütig sein, aber er hat doch seinen Traum verwirklicht: schon als Kind zog es ihn in die Werkstatt. Als nächstes plant er die Familien-Chronik. Er will von der Besonderheit erzählen, dass vier Generationen das Handwerk lebten und Verbindungen zu namhaften Künstlern wie Heinrich Vogeler aufbauen konnten. Die Geschichte will er digital festhalten.
Da bin ich gerade noch bei der Problemlösung. Es gibt zwar viele Programme, aber so wie ich es mir vorstelle, gibt es das noch nicht.
Peter Haarstick über die digitale Familien-Chronik
Ist die Abhandlung fertig, wird dort auch von einer Schiffsreise auf der Tusnelda zu lesen sein, die sein Urgroßvater machte und dabei ein Tagebuch schrieb. Das fast 170 Jahre alte Buch zeigt Einblicke in die Anfänge des Firmengründers und ist ein weiteres historisches Dokument aus der Familie Haarstick, das inzwischen im Staatsarchiv liegt. Offenbar hat die Familie Haarstick in Bremen eben viele Spuren hinterlassen.
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Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
buten un binnen, 28. März 2026, 19:30 Uhr

