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Es wurde phasenweise richtig hitzig im Duell der beiden besten Mannschaften der Oberliga. Am Ende dieser Rudelbildung sahen Paraschiv auf Mannheimer und Reece Hannam auf Aalener Seite die Gelbe Karte. © Jason Tschepljakow
Das 1:1 beim Topspiel in Mannheim hält Aalen an der Spitze – und beweist: Der VfR ist mehr als nur Tabellenführer. Die Analyse.
Mannheim. Wenn der Tabellenführer beim ersten Verfolger gastiert, steht mehr auf dem Spiel als nur drei Punkte – es geht um Reife, Nerven und Charakter. Genau das zeigte das 1:1 zwischen Mannheim und dem VfR Aalen. „Es war ein sehr intensives, teilweise hochklassiges, hitziges und emotionales Spiel. Beide Mannschaften spielen eine herausragende Runde“, fasste Aalens Trainer Beniamino Molinari die 90 Minuten treffend zusammen.
Taktische Disziplin und fehlende Durchschlagskraft
Schon vor Anpfiff war klar: Es würden Kleinigkeiten entscheiden. Beide Teams wussten um die Qualität des anderen – und neutralisierten sich lange. Aalen hatte mehr Ballbesitz, Mannheim lauerte auf Konter. Doch wirklich zwingende Chancen blieben aus, was auch dem Respekt geschuldet war. „Wir wussten, dass wir nicht wahnsinnig viele Chancen kriegen, weil sie auch defensiv sehr stabil sind“, ordnete Mannheims Trainer Marcel Abele ein.
So entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe, bei dem beide Defensivreihen die Angreifer meist im Griff hatten. Die größte Aalener Möglichkeit vor der Pause vergab Odabas nach einer Standardsituation. Mannheim wiederum kam über Stellwagen und Pander zur besten Szene, doch Odabas rettete in höchster Not.
Emotionalität statt Spektakel
Was dem Spiel an Torraumszenen fehlte, machte es durch Intensität wieder wett. Kurz vor der Pause wurde es hitzig, es gab Rudelbildungen und Gelbe Karten – ein Zeichen, wie viel auf dem Spiel stand. „Viele Zweikämpfe, viele hitzige Duelle. Man hat auch von Anfang an gesehen, warum Aalen ganz oben steht. Weil sie einfach eine absolute Top-Mannschaft sind“, lobte Abele den Gegner.
Die entscheidenden Minuten: Elfmeter auf beiden Seiten
Das Spitzenspiel entschied sich in der zweiten Halbzeit – und zwar binnen weniger Minuten. Nach einem Foul von Geyer an Paraschiv verwandelte Esswein den Elfmeter für Mannheim (72.). Die Tabellenführung war für Aalen zu diesem Zeitpunkt weg – aber nur für wenige Sekunden. Denn im Gegenzug holte Antlitz einen Strafstoß heraus, Maksimovic verwandelte eiskalt (74.). „Ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass ich den Ball ins Tor schieße“, so der Torschütze.
Dass Aalen fast postwendend zurückkam, zeigt die Qualität und Moral des Teams. „Wir geben uns nicht auf, sondern wissen, dass wir die Klasse haben, um zurückzukommen“, betonte Innenverteidiger Geyer.
Nervenstärke statt Nervenflattern
Während in der Schlussphase Mannheim viel riskierte und Aalen gute Konterchancen hatte, blieb es beim 1:1. Für Aalen ist dieses Ergebnis Gold wert: Der Vorsprung auf Mannheim (zwei Punkte, ein Spiel weniger) bleibt bestehen, der direkte Konkurrent wird weiter auf Distanz gehalten. „Wir grüßen immer noch von der Sonne und haben alles in der eigenen Hand. Deswegen war der Punkt heute sehr wichtig“, sagte Torwart Otto.
Fans als X-Faktor – und das große Bild
Ein zentraler Faktor im Aalener Reifeprozess ist die Unterstützung von den Rängen. „Unsere Fans machen jedes Auswärtsspiel zu einem gefühlten Heimspiel, das tut den Jungs gut, auch in den schweren Phasen“, so Molinari. Die emotionale Verbindung zwischen Mannschaft und Anhang ist spürbar – und könnte im Aufstiegskampf den Ausschlag geben.
Einordnung: Der VfR Aalen ist angekommen
Der VfR Aalen hat im Topspiel mehr als einen Punkt gewonnen: Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie auch unter maximalem Druck nicht zerbricht, sondern sofort zurückschlägt. Der Reifeprozess ist sichtbar, das Selbstvertrauen der Aalener gewachsen – und die Tabellenführung absolut verdient.
Klar ist aber auch: Mannheim ist noch nicht aus dem Rennen. „Wir werden es weiter probieren, wir werden Aalen weiter jagen“, kündigte Abele an.