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Berlin – Es war ihr erster großer TV-Studio-Auftritt seit Bekanntwerden ihrer Vorwürfe gegen Ex-Mann Christian Ulmen (50) im „Spiegel“. Collien Fernandes (44) sprach im TV-Talk über ein Thema, das sie selbst betrifft. Sonntagabend war die Moderatorin bei Caren Miosga (56). Sie trug einen grauen Anzug, dazu Turnschuhe. Thema der Sendung: „Digitale Gewalt – wie können Frauen besser geschützt werden?“ Knapp 15 Minuten lang sprachen die beiden TV-Frauen zu zweit miteinander. Fernandes forderte härtere Strafen für Täter und ein konsequenteres Durchgreifen von Justiz und Politik.
Caren Miosga (56) begrüßt ihren Gast zunächst alleine im Studio. Die Sendung wurde nach BILD-Infos am frühen Abend aufgezeichnet. Auch aus Rücksicht auf die Schauspielerin und die Belastung durch die angestoßene Debatte, die seit dem „Spiegel“-Artikel immer größere Dimensionen erreicht hatte.

Ein Auftritt mit Signalwirkung für Fernandes. Sie spricht mit der Gastgeberin über digitale Gewalt gegen Frauen und juristische Lücken in Deutschland
Foto: Claudius Pflug/NDR
Ihr Fall hat eine Debatte entfacht
Seit Jahren setzt sich Fernandes gegen digitale sexualisierte Gewalt ein. Ihr eigener Fall hat die politische Debatte zuletzt neu entfacht. Sie wirft ihrem Ex-Mann Christian Ulmen digitale und körperliche Gewalt vor. In Deutschland sind dazu vergangene Woche Ermittlungen (in Itzehoe) wieder aufgenommen worden.

Christian Ulmen (50) soll im Namen seiner Ex-Frau Collien Fernandes über längere Zeit mit gefälschten Internet-Accounts mit Männern geflirtet und sogar Telefonsex gehabt haben. Sein Anwalt spricht von „unwahren Tatsachen“. Es gelte die Unschuldsvermutung
Foto: ABBfoto/picture alliance/dpa
Kurz vor Ausstrahlung der Sendung postet Collien auf Instagram: „Wie ihr euch denken könnt, geht es mir gerade nicht immer gut. Es ist ein emotionales Auf und Ab, trotzdem freue ich mich natürlich darüber, dass die politische Debatte Fahrt aufgenommen hat, Frauen (und es betrifft tatsächlich in erster Linie Frauen) künftig besser vor digitalem Missbrauch geschützt sein sollen.“

Fernandes schilderte, wie der mutmaßliche Täter Fake-Profile und E-Mail-Adressen in ihrem Namen angelegt sowie flirtende Nachrichten und pornografische Fotos verschickt haben soll
Foto: ARD
Der Auftritt im Detail
Miosga fragt, ob sie mit so vielen Reaktionen gerechnet habe: sowohl im Positiven als auch im Negativen? Fernandes: „Im Negativen tatsächlich ja. Nach der Veröffentlichung bin ich auch erst einmal nicht ins Internet gegangen, weil ich mit sehr viel Hass gerechnet habe. Tatsächlich war ich aber sehr überrascht von dieser positiven Resonanz. Dass es so eine wahnsinnige Bewegung auslöst, dass so viele Menschen auf die Straße gehen – damit habe ich im Leben nicht gerechnet.“
Darum die Anzeige in Spanien
Sie erklärt, warum sie auf Mallorca Anzeige erstattet hat: „Es wird ja in dem Kontext immer viel über das spanische Modell gesprochen. Also in vielen Ländern heißt es, wir müssen nach Spanien schauen, die sind total vorbildlich, was das Thema Gewalt gegen Frauen angeht. Von der digitalen Gewalt sind in erster Linie Frauen betroffen, die Täter sind eben tatsächlich meistens männlich (…) Es kann ja nichts passieren, wenn die Frauen nicht den Mund aufmachen.“

Collien Fernandes spricht eindrucksvoll über ihren Kampf
Foto: Claudius Pflug/NDR
Wie wurde Fernandes auf die Taten aufmerksam? Männer, die mit den gefälschten Accounts von Fernandes Online-Affären hatten, meldeten sich bei ihrem Management. Sie erklärt, wie das lief. Erst Kontakt über Fake-Profile: „Dann ging das oft über in die E-Mail-Kommunikation. Dafür wurden eben E-Mail-Adressen mit meinem Namen angelegt. Und dann wurde es immer flirtiver. Irgendwann kamen Sex-Videos, irgendwann kamen Nacktbilder und teilweise gab es auch Telefonsex.“
Schlimme Vorwürfe, die sie gegen den eigenen Ex-Mann richtet. Dessen Name spricht sie allerdings vor einem Millionenpublikum nicht aus: „Es wurde eine erotische Geschichte verschickt, in der ich vergewaltigt werde, in der beschrieben wird, dass ich ganz klar sage, dass ich das nicht möchte, dass ich Schmerzen habe, dass ich Angst habe. Die Geschichte endet damit, dass ich spermaverschmiert auf dem Boden liege. Ich weine. Es wird immer wieder beschrieben in dieser Geschichte, dass ich weine. Und ja, darüber haben uns Männer informiert, und es gab eben ein Treffen mit jemandem, mit dem ich beruflich zu tun habe, der mich auf unsere Konversationen angesprochen hat.“
Fernandes traf junge Mädchen, die Opfer wurden
Wie Collien die Probleme mit digitaler Gewalt und gefälschten Bildern oder Videos bei anderen wahrnimmt. Sie sagt: „Ich habe eine Gruppe von Schülerinnen getroffen, die das zur Anzeige gebracht haben. Die Jüngste war 14 Jahre alt, als das passiert ist.“
Sie verweist erneut auf die Strafverfolgung in Spanien: „Und auch das ist Teil des spanischen Modells, dass man Schulungen anbietet für die Menschen, die diese Anzeigen entgegennehmen. Also es ist eben zum einen das, was man auf der gesetzlichen Ebene machen kann.“

Fernandes spricht ruhig und bedächtig
Foto: ARD
Aber sie weiß auch: „Niemand sagt: ‚Ich gehe zur Polizei‘ und geht am nächsten Tag los. Man braucht dafür und man hat diesen Gedanken wahrscheinlich schon ewig mit sich herumgeschleppt, bis man überhaupt diesen Schritt geht. Und wenn man dann den Mut hat, diesen Schritt zu gehen, dann ist es total wichtig, wie man dort aufgenommen wird.“
Miosga fragt nach: „Und Sie konnten sich aber überwinden, den Schritt zu gehen, weil das muss ja eine enorme Ohnmacht sein, oder wie muss ich mir das vorstellen?“
Fernandes nennt nicht Ulmens Namen
Fernandes spricht auch über die Schwierigkeiten mit den Behörden: „Die erste Anzeige war ja zunächst gegen Unbekannt. Und da habe ich diverse E-Mails geschrieben, alle möglichen Sachen dort eingereicht. Dann hieß es irgendwann von meiner Ansprechpartnerin in Berlin, mit der es Mail-Austausch gab, dass man nicht mehr zuständig sei. Es ging hin und her. „Und dann gab es anscheinend einen Brief, der mich nicht erreicht hat.“
Miosga fragt nach, ob Fernandes glaube, dass ihr Fall einfach liegengeblieben – und ob dies ein Einzelfall oder ein strukturelles Problem sei. Fernandes: „Das ist das, was mir die Betroffenen, mit denen ich gesprochen habe – auch mit Anwältinnen von Betroffenen habe ich gesprochen. Und tatsächlich ist es so, also zumindest das, was die mir geschildert haben, dass das meistens genau diesen Weg geht, dass die Frauen Dinge einreichen, und dann heißt es hinterher: ‚Das Verfahren wurde eingestellt.‘“

Im Anschluss an das knapp 15-minütige Gespräch zwischen Collien Fernandes und Caren Miosga diskutierten Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (57, 2. v.r.), Ronen Steinke (41, r.) sowie die angehende Juristin und Aktivistin Theresia Crone (l.) zum Thema digitale Gewalt gegen Frauen
Foto: Claudius Pflug/NDR
Es geht auch um das strittige Thema „Deepfakes“. Hier fordert sie härtere Strafen für Täter. „Das finde ich wichtig, dass man den Tätern einfach ganz klar zeigt: Das geht so nicht.“
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Weitere Gäste sprachen nach der Eins-zu-eins-Situation zum Thema. Justizministerin Stefanie Hubig (57, SPD), Ronen Steinke (43), leitender Redakteur Rechtspolitik der „Süddeutschen Zeitung“, und Theresia Crone (24). Die angehende Juristin und Aktivistin wurde selbst Opfer von sexualisierter Gewalt und setzte sich dagegen juristisch zur Wehr.
Der Hintergrund des Konflikts
Fernandes wirft ihrem Ex-Mann massive digitale Übergriffe vor. Es geht um Fake-Accounts, sexuelle Chats mit fremden Männern und drastische Szenarien, die unter ihrem Namen verbreitet worden sein sollen. Auch von „digitaler Vergewaltigung“ ist die Rede. Gegen Ulmen laufen aktuell Ermittlungen. Ulmens Anwalt weist zentrale Punkte entschieden zurück. Vor allem der Verdacht, sein Mandant habe Deepfake-Pornos erstellt oder verbreitet, sei falsch. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat Ermittlungen in der Sache erst kürzlich wieder aufgenommen.