Die Fischtown Pinguins stehen vor einem Schicksalsspiel. Die Bremerhavener kassierten im dritten Viertelfinal-Duell der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit den Adlern Mannheim am Sonntag eine herbe 1:5 (0:4, 0:1, 1:0)-Niederlage und liegen in der Best-of-seven-Serie mit 0:3 im Hintertreffen. Die Entscheidung war dabei nach nur zehn Spielminuten schon gefallen.
Damit steht fest: Die Mannschaft von Trainer Alexander Sulzer braucht ein Wunder. Schon ein 0:2 in einer Serie zu drehen, ist eine schwierige Aufgabe. In der Geschichte der DEL gelang das in einer Viertelfinal-Serie erst viermal. Ein 0:3-Rückstand wurde indes noch nie gedreht.
Comeback von Pinguins-Kapitän Urbas verpufft wirkungslos
Dabei gab es vor dem ersten Bully noch positive Nachrichten. Kapitän Jan Urbas stand nach zwei Monaten Verletzungspause endlich wieder im Kader. Der Karawanken-Express war damit wieder komplett, nachdem am Freitag bereits Miha Verlic zurückgekehrt war. Zudem stand auch Verteidiger Matthew Abt wieder auf dem Eis.
Doch auch das langersehnte Comeback des Anführers nützte nichts, die Pinguins wurden gnadenlos von Mannheim überrollt. Bereits in der 5. Spielminute führten die Adler am Sonntag in Spiel drei mit 2:0. Zunächst lief Justin Schütz nach einem Fehler im Spielaufbau von Rayan Bettahar auf und davon und erzielte nach 105 Sekunden die Führung, dann erhöhte Verteidiger William Worge Kreü.
„Der Leon hat das super gemacht. Für ihn ist es auch nicht einfach gewesen. Er hat jetzt lange nicht gespielt. Deswegen Hut ab an ihn, wie er das gemacht hat.“
Sebastian Furchner, Pinguins-Sportdirektor, über Torwart Leon Hungerecker
Doch es kam noch bitterer: In einem folgenden Überzahlspiel benötigte Mannheim nur 10 Sekunden, um gar auf 3:0 zu stellen. Keine neun Minuten waren gespielt, da war die frühzeitige Vorentscheidung schon gefallen. Und hast du kein Glück, kommt auch noch Pech dazu: Ein Schuss von Nicolas Mattinen landete an der Hose von Vladimir Eminger und prallte von dort unglücklich zum 4:0 für die Adler ins Tor (10.).
Damit war der Arbeitstag von Pinguins-Keeper Kristers Gudlevskis schnell beendet, auch wenn der Lette chancenlos war – und Leon Hungerecker kam zu seinem Playoff-Debüt im Bremerhavener Trikot. „Da muss man Guddi dann auch ein stückweit schützen und ein Zeichen an die Mannschaft geben“, sagte Pinguins-Sportdirektor Sebastian Furchner. „Und der Leon hat das super gemacht. Für ihn ist es auch nicht einfach gewesen. Er hat jetzt lange nicht gespielt. Deswegen Hut ab an ihn, wie er das gemacht hat. Er hat dann ein paar richtig gute Sachen entschärft.“
Die Adler brannten in den ersten zehn Minuten ein Feuerwerk ab und führten mit 4:0. Damit war frühzeitig eine Entscheidung gefallen und der Arbeitsabend von Torwart Kristers Gudlevskis beendet. Foto: IMAGO/Hetterich
Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Adler schalteten nach dem hohen Vorsprung einen Gang zurück in den Verwaltungsmodus. Ein echtes Aufbäumen der Gäste blieb trotz der unermüdlichen Anfeuerung der rund 250 mitgereisten Pinguins-Fans ob des Spielstandes aber auch aus. Zumindest fingen sich die Bremerhavener ab dem zweiten Drittel und brachten das Spiel mit erhobenem Haupt zu Ende.
Es galt schließlich, vor dem Schicksalsspiel am Dienstag ab 19.30 Uhr im Duell Nummer vier der Serie, den eigenen Rhythmus wiederzufinden. Doch auch mit halber Flamme kamen stattdessen zunächst die Mannheimer zum 5:0 (33.) durch Kristian Reichel.
Hirose gelingt nur noch der Ehrentreffer
Eingangs des Schlussabschnitts gelang Akito Hirose aber immerhin noch der Ehrentreffer zum 1:5 (41.) für die Pinguins. Und das Positive: Schon in Spiel eins in Mannheim waren die Pinguins beim 2:5 fast chancenlos, meldeten sich im Heimspiel aber stark zurück – bis es unglücklich nach Verlängerung verloren wurde.
Eine solche Steigerung muss nun erneut her, um nicht gar einen Sweep zu kassieren. Also ein Serien-Aus ohne einen einzigen eigenen Sieg. Dafür müssen die Pinguins vor allem in der Defensive besser stehen. 15 Gegentore in nur drei Begegnungen sind deutlich zu viel. Immer wieder schleichen sich im Spielaufbau leichte Fehler ein, die die Gegner zum Toreschießen einladen.
Das Spiel in der Statistik
Mannheim – Pinguins 5:1 (4:0, 1:0, 0:1)
Mannheim: Tor: Franzreb (Mattsson); Abwehr: Mattinen, Renouf – Gawanke, Kälble – Gilmour, Worge; Angriff: Plachta, Esposito, Heim – Ehl, Michaelis, Schütz – O‘Donnell, Solow, Bennett – Proske, Reichel, Kühnhackl.
Pinguins: Tor: Gudlevskis (ab 10. Hungerecker); Abwehr: Eminger, Byström – Abt, Bettahar – Hirose, Bruggisser – Rausch; Angriff: Urbas, Jeglic, Verlic – Krämmer, Miele, Conrad – Smith, Friesen, Kinder – Mauermann, Wejse, Herrmann.
Tore: 1:0 (1:49) Schütz (Ehl), 2:0 (4:35) Worge (Gilmour, Reichel), 3:0 (8:14) Plachta (Esposito, Gilmour/bei 5-4), 4:0 (9:57) Mattinen (O´Donnell), 5:0 (32:40) Reichel (Kälble, Kühnhackl), 5:1 (40:36) Hirose (Smith, Byström).
Strafzeiten: Mannheim: 14 Min. – Pinguins: 6 Min.
Schiedsrichter: André Schrader, Roman Gofman.
Zuschauer: 13.600 (ausverkauft).
Serienstand: 3:0.