Anti-Trump-Proteste in den USA
Sie nennen es „psychologische Kriegsführung“
30.03.2026 – 11:19 UhrLesedauer: 6 Min.
Keith Daly: Der Demonstrant trägt in Boston eine Uniform, die an den Unabhängigkeitskrieg in den USA erinnert. (Quelle: Brian Snyder/reuters)
Bereits zum dritten Mal sind in den USA bei den „No Kings“-Protesten landesweit Millionen Menschen gegen Donald Trump auf die Straße gegangen. Es werden immer mehr und ihre Kritik am US-Präsidenten wird immer vielfältiger.
David Schafbuch berichtet aus Boston
Die Stimme von Rahsaan Hall bricht bereits nach wenigen Minuten, so viele Parolen ruft er dem Publikum entgegen. „Keine Throne! Keine Kronen! Keine Könige!“, schreit Hall nach jedem neuen Redner – und die Menge, die sich auf dem ältesten Park des Landes, dem Boston Common, versammelt hat, wiederholt seine Worte. „Willkommen im Widerstand!“, heißt es zu Beginn der Kundgebung, oder „bleibt aktiv, bleibt woke“. Hall trägt dabei ein schwarzes T-Shirt mit der roten Aufschrift „Resist“, auf Deutsch: „Leiste Widerstand“.
Man habe im gesamten Bundesstaat Massachusetts 162 Proteste organisiert, teilt Hall vom Podium aus mit. Nur in Kalifornien, das mehr als 400.000 Quadratkilometer und 30 Millionen Einwohner größer ist, seien mehr Proteste in einem einzelnen Bundesstaat geplant.
Es ist bereits das dritte Mal, dass landesweit unter dem Banner „No Kings“ Menschen in den USA auf die Straße gegangen sind. Die Veranstaltungen richten sich gegen die Politik des Präsidenten, dem viele vorwerfen, sich mehr wie ein König denn ein gewählter Repräsentant des Volkes zu verhalten. Und es werden offenbar immer mehr.
180.000 Menschen kamen an diesem Samstag laut den Veranstaltern im Stadtzentrum Bostons zusammen, beim letzten Protest im vergangenen Oktober lag die Zahl bei 100.000. Landesweit gab es dieses Mal rund 3.300 Kundgebungen in allen 50 Bundesstaaten: Von 5 Millionen beim ersten Protest sei die Zahl auf 7 Millionen beim zweiten und jetzt auf 8 Millionen Demonstranten gewachsen. Zahlen von offiziellen Stellen lagen dazu nicht vor.
Immer größer und lauter werden die Proteste. Doch ob daraus eine Massenbewegung wird, die Donald Trump politisch gefährlich werden kann, ist weiter fraglich. In Boston – einer der Hochburgen der Demokratischen Partei in den USA – ist der Protest bunt, laut und einfallsreich. Doch die konkreten Motive der Menschen unterscheiden sich. Was sie eint: derjenige, den sie jeweils verantwortlich machen für das, was sie kritisieren. Donald Trump.
