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Seit vier Jahren verteidigt sich die Ukraine gegen Russland. Kiew produziert eifrig Drohnen, doch Rheinmetall-Vorstand Papperger glaubt nicht an ihre Qualität.
Kiew – Zur Verteidigung gegen russische Angriffe ist Kiew im Ukraine-Krieg auf Waffenlieferungen von internationalen Partnern angewiesen: Das ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs so, und auch vier Jahre später hat sich daran nichts geändert. Aktuell spitzt sich die Abhängigkeit Kiews jedoch zu, denn die USA sind seit Ende Februar im Iran in einen weiteren Krieg verwickelt – und der knapst die Ressourcen des US-Militärs an. Der Washington Post zufolge erwägt US-Präsident Donald Trump nun, eigentlich für die Ukraine bestimmte Waffensysteme stattdessen in den Iran umzuleiten.
Rheinmetall-Vorstandsvorsitzender Papperger (l.) und ein ukrainischer Soldat mit Drohne (r.). © picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd und picture alliance/dpa/ukrin | Uncredited
Zugleich drohte Russlands Vize-Außenminister Andrej Rudenko mit „Vergeltungsmaßnahmen“, sollte Kiews Verbündeter Südkorea wie angekündigt neue Waffen an die Ukraine liefern, wie The Korea Times berichtete. Unter jenen besorgniserregenden Vorzeichen für die Ukraine meldete sich nun der Chef des Rüstungskonzerns Rheinmetall, Armin Papperger, zu Wort. Er zweifelt am Potenzial der ukrainischen Streitkräfte, schlagkräftige Innovationen hervorzubringen, um Russland seine Grenzen aufzuzeigen.
Rheinmetall-Vorstandsvorsitzender sieht „keine Innovationen“ bei ukrainischen Drohnen
Rheinmetall-Vorstandsvorsitzender Papperger hat die ukrainische Drohnenindustrie scharf kritisiert und mit seiner Wortwahl international für Empörung gesorgt. In einem am Freitag (27. März) veröffentlichten Interview mit dem US-Magazin The Atlantic wurde Papperger gefragt, wie er den Fortschritt ukrainischer Drohnentechnologie sehe, schließlich habe sich die Ukraine in den vergangenen vier Jahren seit Kriegsbeginn zum führenden Drohnenproduzenten weltweit entwickelt. Papperger fragte zurück: „Wer ist der größte Drohnenhersteller in der Ukraine?“
Hinsichtlich der vom The Atlantic-Interviewer genannten ukrainischen Drohnenhersteller Fire Point und Skyfall entgegnete Papperger scharf: „Das sind ukrainische Hausfrauen. Sie haben 3D-Drucker in der Küche und produzieren Teile für Drohnen.“ Weiter resümierte der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende: „Das ist keine Innovation.“ Doch auch dabei beließ es Papperger nicht: „So spielt man mit Lego-Steinen“, lautete das vernichtende Urteil seitens Deutschlands größtem Waffenproduzenten.
Selenskyjs Berater widerspricht Rheinmetall-Vorstand Papperger vehement
Pappergers Äußerungen lösten prompt eine Reaktion des ukrainischen Präsidentenberaters Alexander Kamyschin aus. Auf dem Kurznachrichtendient X (ehemals Twitter) reagierte Kamyschin, indem er die bisherigen Erfolge ukrainischer Drohnen gegen russische Panzer verdeutlichte. Bei seinen Besuchen in Waffenfabriken habe er häufig ukrainische Frauen gesehen, die genauso arbeiteten wie Männer.
„Unsere Lego-Drohnen, die von Hausfrauen in ihren Küchen gebaut wurden, haben bereits mehr als 11.000 russische Panzer zerstört“, schrieb Kamyschin in direkter Antwort auf den Rheinmetall-Vorstandsvorsitzenden. An Papperger gewandt fügte Wolodymyr Selenskyjs Berater in seinem X-Statement hinzu: „Sie verdienen Respekt.“
Doch Kamyschin war längst nicht der einzige, der Pappergers Äußerungen nicht so stehen lassen wollte. So regten sich auf Online-Kurznachrichtendiensten viele Nutzer auf und veröffentlichten Memes unter dem Hashtag „MadeByHousewives“ sowie andere Anspielungen auf die aus ihrer Sicht wahre Effektivität ukrainischer Drohnen und anderen Kriegsgeräts.
Inzwischen hat Rheinmetall Pappergers Statements zu ukrainischen Drohnen zu korrigieren versucht
Auf Anfrage vom US-Magazin The Atlantic reagierte auch der ukrainische Drohnenproduzent Skyfall: „Wenn eine Drohne, die von ukrainischen ‚Hausfrauen‘ gebaut wurde, ausreicht, um Panzer und Artillerie auszuschalten, dann sind wir wohl offiziell in der Hausfrauen-Ära angekommen“, heißt es in der offensiv formulierten Antwort des ukrainischen Rüstungsunternehmens.
Doch auch auf Seiten Rheinmetalls wurde inzwischen auf Pappergers Äußerungen reagiert. Auf X schrieb das Unternehmen am Sonntagnachmittag (29. März). „Wir haben den höchsten Respekt vor den immensen Leistungen der Ukrainer bei der Verteidigung ihres Landes gegen den russischen Angriff. Jede Frau und jeder Mann in der Ukraine leisten einen unschätzbaren Beitrag. Vor allem gebührt der Ukraine Respekt dafür, wie sie mit begrenzten Ressourcen hocheffektiv kämpft.“
Des Weiteren heißt es im Rheinmetall-Statement auf X: „Die innovative Stärke und der Kampfgeist der Ukrainer sind eine Inspiration für uns. Wir sind dankbar, die Ukraine mit unseren Mitteln unterstützen zu können.“ (Quellen: Washington Post, The Korea Times, The Atlantic, X) (fh)