Am 2. April findet im Kulturbunker unter dem Diakonissenplatz im Stuttgarter Westen wieder ein Nachtflohmarkt statt. Kurz darauf steht ein Konzert an. Und wer auf etwas ganz Neues Lust hat, freut sich vermutlich über den „Technoyoga“-Abend, der in diesem Monat ebenfalls auf dem Programm steht in der beliebten Kultureinrichtung.
Am wichtigsten aber: So, wie es derzeit aussieht, wird es im Untergrund an der Rosenbergstraße auch noch in den nächsten Jahren Kulturveranstaltungen dieser und anderer Art geben. Entsprechendes hat jetzt Stuttgarts Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) gegenüber unserer Zeitung signalisiert.
Kultur-Nutzung entspricht nicht Planungsrecht
Tatsächlich hing der Weiterbetrieb der Kultureinrichtung zuletzt an einem seidenen Faden. Ende des Jahres läuft die befristete Genehmigung aus, den ehemaligen Lazaretttrakt des über 3150 Quadratmeter großen Luftschutzbunkers zu bespielen. Zwei Jahre lang durfte der Verein auf Grundlage dieser zweiten temporären Genehmigung arbeiten. Ob und wie es danach weitergehen könnte, war bis vergangene Woche auch dem Betreiberverein Kulturdiak Stuttgart völlig unklar. Im Bezirksbeirat West war deshalb Martin Schick, Architekt und Mitglied des Vereins, vorstellig geworden, um die schwierige Lage darzustellen, in der sich die Einrichtung befindet.
Das Problem: Planungsrechtlich darf der Diakonissenplatz eigentlich nicht bebaut sein. Das gilt nicht nur für die Oberfläche mit ihrer Parkanlage, sondern auch für alles darunter. Der Bunker selbst war als Schutzanlage vom geltenden Planungsrecht jahrzehntelang ausgenommen, solange nämlich, wie er tatsächlich eine Schutzeinrichtung war. „Sobald der Bunker aber umgewidmet wird, muss er, wie ein Neubau, dem geltenden Planungsrecht entsprechen“, erklärt Schick.
Personal für Änderung des Bebauungsplans fehlt
Eine vertrackte Situation, aus der die Stadt seit der letzten befristeten Verlängerung der Betriebsgenehmigung vor eineinhalb Jahren glaubhaft einen Ausweg finden wollte. Denn die Verwaltung, so erklärte jetzt auf Nachfrage Baubürgermeister Pätzold, „hat ein großes Interesse daran, dass der Kulturbunker weiterbestehen kann“. Allein, für eine langwierige Änderung des Bebauungsplans, sozusagen der Königsweg, um die Einrichtung planrechtlich dauerhaft abzusichern, fehlten der Verwaltung die personellen Ressourcen.
Bleibt also nur die zweitbeste Lösung, will man verhindern, dass die beliebte Kultureinrichtung im Westen schließen muss: eine erneute befristete Genehmigung um fünf Jahre. Genau die stellt Pätzold nun in Aussicht: „Mit dieser Verlängerung helfen wir uns jetzt erst einmal weiter“, so der Baubürgermeister. Zudem werde sich die Verwaltung mit der Vereinsführung zusammensetzen, um die Möglichkeit einer dauerhaften Lösung zu besprechen.
Proberäume und Ateliers gibt es vorerst nicht
So sieht es im Bunker unter dem Diakonissenplatz aus. (Archivbild) Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Ein anderes Problem ist damit aber noch nicht gelöst: Zwar scheint der Betrieb im sogenannten Lazaretttrakt für die kommenden Jahre gesichert, zumal, wie Pätzold betont, der Brandschutz und die Rettungswege der Anlage funktionierten. Doch was in Zukunft mit dem weit größeren, nach wie vor brachliegenden Teil der ehemaligen Luftschutzanlage passiert, bleibt weiterhin offen.
Der Verein möchte gerne in den bisher ungenutzten zwei Dritteln des Bunkers Proberäume für Bands oder kleine Ateliers einrichten. Dafür hatte die Stadt, so Architekt Schick, ursprünglich bereits Mittel in Höhe von 800.000 Euro genehmigt. Doch wegen der unklaren planungsrechtlichen Gesamtsituation sind die Gelder seit Jahren eingefroren. Auch der Verein hat für die Maßnahme deshalb noch keinen Bauantrag gestellt. Es bleibt also festzuhalten, dass die Vorzeichen für eine weitergehende kulturelle Erschließung von Stuttgarts größtem Tiefbunker weiterhin nicht die besten sind.