Franz-Karl Klug, katholischer Seelsorger und Meditationsleiter, brachte die spirituelle Perspektive ein, geprägt auch durch seine Erfahrung mit Zen-Meditation. In biblischer Tradition sei Schweigen Voraussetzung für ein vertieftes Hören – auf die eigenen inneren Regungen ebenso wie auf das göttliche Geheimnis. Im Zentrum stand die Erzählung des Propheten Elija: Gott offenbart sich nicht im Erdbeben, im Feuer oder im Sturm, sondern „im sanften, verschwebenden Schweigen“. Diese Erfahrung betont die Andersartigkeit Gottes und fordert eine Haltung der Offenheit und des Respekts. Gott drängt sich nicht auf, vielmehr lädt die Erfahrung des Schweigens dazu ein, eigene Erwartungen und Gottesbilder zu hinterfragen.
Form und Intensität variieren
Im anschließenden Gespräch, moderiert von Brigitta Sassin, wurden sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede sichtbar. Eine zentrale Parallele liegt in der Begleitung: In der Psychoanalyse wie in der Meditation wird ein individueller Weg unterstützt. Unterschiede zeigen sich jedoch in Form und Intensität der Begegnung. Während analytische Sitzungen regelmäßig und ausführlich stattfinden, sind Gespräche in Meditationskursen oft kurz. Nicht vertieft wurden an diesem Abend etwa ignatianische Exerzitien, die über mehrere Tage hinweg konsequentes Schweigen mit regelmäßiger geistlicher Begleitung verbinden.
Das Publikum beteiligte sich lebhaft mit Fragen und Kommentaren. Rund 70 Personen füllten den Saal, etwa 200 weitere verfolgten die Veranstaltung im Livestream, was ein Zeichen für das große Interesse am Thema war.
Viele der aufgeworfenen Fragen führten an sensible Grenzen: Lassen sich psychoanalytische Arbeit und spirituelle Praxis miteinander verbinden? Kann während einer Analyse auch über religiöse oder mystische Erfahrungen gesprochen werden? Welche innere Stabilität braucht es für längere Schweigezeiten? Und wie verändern sich Wahrnehmung und Selbstverständnis, wenn sich beide Wege kreuzen?
Nicht alle Fragen konnten und sollten abschließend beantwortet werden. Eine vereinheitlichende Synthese blieb bewusst aus. Stattdessen wurde deutlich, dass die Verschiedenartigkeit der Zugänge bestehen bleibt und produktiv sein kann.
So endete der Abend nicht mit eindeutigen Ergebnissen, sondern mit einer vertieften Aufmerksamkeit für das Spannungsfeld von Schweigen und Sprechen. Oder, psychoanalytisch formuliert: Das Thema selbst hat sich im Verlauf des Abends „inszeniert“. Die Auseinandersetzung wirkt über die Veranstaltung hinaus weiter: Welche Qualität hat mein Schweigen im Alltag? Und wie kann ich darüber sprechen?
Der Abend, der online abrufbar ist, versteht sich damit auch als Einladung zu einem weiterführenden, interdisziplinären Austausch.
Brigitta Sassin