Die Oberbaumbrücke im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg (Quelle: dpa)

Stand: 30.03.2026 • 15:50 Uhr

Sieben Berliner Bezirke nahmen im vergangenen Jahr mehr ein als sie ausgaben, fünf machten Schulden. Friedrichshain-Kreuzberg ist überraschend Schuldenkönig. Der langjährige Minuskandidat Charlottenburg-Wilmersdorf schreibt dagegen schwarze Zahlen.

Sieben Berliner Bezirke haben das vergangene Jahr mit einem Haushaltsplus abgeschlossen. Spitzenreiter ist Lichtenberg (+17,06 Millionen Euro), gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf (+13,09 Millionen Euro) und Spandau (+12,67 Millionen Euro).

Fünf Bezirke haben Schulden gemacht, die meisten entstanden in Friedrichshain-Kreuzberg (-14,92 Millionen Euro). Damit steht der Bezirk aktuell schlechter da als die bisherigen Schuldenmeister Pankow und Steglitz-Zehlendorf.

Woher kommen die Schulden?

Noch im vergangenen Jahr hatte Friedrichshain-Kreuzberg ein vergleichsweise geringes Defizit (-0,88 Millionen Euro). Dass es in diesem Jahr rund 17 Millionen Euro mehr sind, führt die Finanzverwaltung vor allem auf deutlich höhere Ausgaben bei den Hilfen zur Erziehung zurück. Zehn Millionen Euro habe der Bezirk hier mehr ausgegeben als ursprünglich geplant.

Außerdem habe er in anderen Bereichen deutlich weniger eingenommen, als er gedacht hatte. So gab es beispielsweise bei den Grundstücksbewirtschaftungsausgaben drei Millionen Euro weniger als gedacht, sagt die Finanzverwaltung. Das könnte an höheren Miet- oder Energieausgaben gelegen haben.

Das dritte Jahr in Folge fuhren Pankow und Steglitz-Zehlendorf Schulden ein. Nach Angaben der Senatsfinanzverwaltung lag das unter anderem an höheren Ausgaben bei den Hilfen zur Erziehung, außerdem insgesamt an weniger Einnahmen als geplant. Speziell Steglitz-Zehlendorf gab laut Finanzverwaltung deutlich mehr fürs Personal aus, als der Bezirk sich vorgenommen hatte. Alle Bezirke, die im Minus stecken, müssen nun einen Konsolidierungsplan vorlegen.

Erwirtschaftetes Jahresergebnis der Berliner Bezirke 2025

Wieso macht Charlottenburg-Wilmersdorf keine Schulden mehr?

2022 war Charlottenburg-Wilmersdorf noch Schlusslicht, was die Finanzen anging. Der Bezirk fuhr mit -4,7 Millionen Euro mit Abstand die meisten Schulden ein und musste einen Konsolidierungsplan vorlegen. Vor allem bei den Personalausgaben führte der Bezirk ein strenges Controlling ein und hatte das Finanzproblem zwei Jahre später gelöst. Aus Sicht der Finanzverwaltung ist damit der Beweis erbracht, dass es den Bezirken möglich ist, ihre Ausgaben selbst in den Griff zu bekommen.

Kritisch sieht das die für Finanzen zuständige Bezirksbürgermeisterin von Pankow, Cordelia Koch. Charlottenburg-Wilmersdorf habe teilweise Stellen nicht besetzt, um Geld zu sparen. Das sei in Pankow nicht möglich, weil der Bezirk wachse. Sie sieht ihren Bezirk insgesamt auf dem gewünschten Konsolidierungspfad. Andere Bezirke äußerten sich noch nicht zu den neuen Zahlen. Sie hatten sie selbst erst am Montag von der Finanzverwaltung bekommen und sind noch dabei sie zu prüfen.

Erneut Rekordausgaben in den Bezirken

Insgesamt haben die zwölf Berliner Bezirke im vergangenen Jahr 9,88 Milliarden Euro ausgegeben und damit gut acht Prozent mehr als im Jahr davor. Das liegt laut Finanzen vor allem an den weiter gestiegenen Ausgaben für Soziales. Die vorschulische Kindertagesbetreuung kostete beispielsweise 243,4 Millionen Euro mehr als gedacht.

Für Hilfen in besonderen Lebenslagen wie den Hilfen zur Pflege oder Angebote gegen Obdachlosigkeit wurden 185,1 Millionen Euro mehr ausgegeben als vorher veranschlagt. Mehr kostete beispielsweise auch die finanzielle Unterstützung bei höheren Energiekosten (53,5 Millionen Euro). Die Hilfen zur Erziehung schlugen im vergangenen Jahr insgesamt mit 118,5 Millionen Euro mehr zu Buche.

Übersicht Rücklagen der Berliner Bezirke Ende 2025

Millionen auf der hohen Kante

Sieben Bezirke verfügen inzwischen über Rücklagen. Absoluter Spitzenreiter ist auch hier Lichtenberg mit 41,37 Millionen Euro, gefolgt von Reinickendorf mit immerhin noch 27,01 Millionen. Dahinter folgen in der Reihenfolge Spandau, Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Treptow-Köpenick und Neukölln.

Ihre Rücklagen aufgebraucht haben Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte. Genau wie Marzahn-Hellersdorf, Pankow und Steglitz-Zehlendorf haben sie nichts auf der hohen Kante.

Sendung: rbb|24, 30.03.2026, 15:20 Uhr

Audio: rbb|24, 30.03.2026, Ute Schuhmacher

Rundfunk Berlin-Brandenburg