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Der Coach hat intern viel Kredit verspielt. Im Sommer steht ein größerer Umbruch an. Ob Riera dann noch dabei ist, bleibt offen.
Am Samstag vertrieb sich der Frankfurter Fußballlehrer Albert Riera die Freizeit damit, sein Können an der sagenumwobenen Anfield Road aufblitzen zu lassen. Vor 60.000 Fans. You‘ll never walk alone.
Wie lange sind sie noch vereint? Trainer Albert Riera und Stürmer Arnaud Kalimuendo. © IMAGO/Jürgen Kessler
Der Mann ist zwar inzwischen fast 44, aber drahtig und topfit, viel verlernt hat der frühere Linksaußen nicht. Das zeigte er schon im Training vor dem Legendenspiel des FC Liverpool gegen Borussia Dortmund, als er den Ball spektakulär per Volleyschuss im Giebel versenkte oder ihn mit der Hacke reinlegte (sieh oben im Video). Dafür ließ er sich gebührend feiern. Albert Riera im Mittelpunkt seiner eigenen Welt. Das gefällt ihm.
Eintracht Frankfurt: Rieras krude Thesen
Dem Spiel in aller Freundschaft konnte er dann nicht so ganz seinen Stempel aufdrücken, spielte aber im zweiten Abschnitt durch. Die Altstars beider Teams, das der Reds gecoacht von Jürgen Klopp, boten den vielen Fans kurzweilige 90 Minuten, am Ende trennten sie sich friedlich mit 2:2.
Der Alltag holt Riera am Dienstag in Frankfurt ein, dann beginnt mit seiner Mannschaft die Vorbereitung auf den Endspurt in der Bundesliga, startend mit dem Heimspiel am Ostersonntag gegen den kriselnden 1. FC Köln. Seine Fußballer, von den Nationalspielern mal abgesehen, blicken dann auf sage und schreibe acht Tage Sonderurlaub zurück. Mitten in der Saison. Nicht nachvollziehbar.
Von Mallorca nach Frankfurt – Die außergewöhnliche Reise des Albert Riera
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Zumal die Eintracht zuletzt offensiv Fußball zum Abgewöhnen zeigte: Zeitlupengekicke ohne Wucht, Inspiration und Tempo. Der Trainer selbst startete nach der 1:2-Niederlage in Mainz mit einer bedenklichen Pressekonferenz in die Kurzferien. Da redete er sich mit verdrehten Fakten und eigentümlichen Aussagen fast um Kopf und Kragen. Viele sind überzeugt, da den zuvor mit Donnerhall angekündigten Albert Riera gesehen zu haben: einen Typen, der nicht verlieren kann und sich zu irgendwelchen kruden Thesen versteigt.
Intern hat der Spanier schon massiv Kredit verspielt, in der Mannschaft aufgrund fragwürdiger Personalentscheidungen und Aufstellungen. Und einigem taktischen Wirrwarr. Aber auch bei den Verantwortlichen. „Albert wird nicht daran gemessen, was am Ende dieser Saison rauskommt“, sagte Sportvorstand Markus Krösche zwar der „FAZ“, schob aber eigentlich entlarvend nach: „Wir bewerten, wie wir Fußball spielen.“
Genau das spricht – aktuell – ganz klar gegen den 43-Jährigen. Selten hat man eine Mannschaft in der Offensive so planlos und lahm gesehen, wie die Eintracht gegen St. Pauli, Heidenheim und Mainz. Drei Kontrahenten, die nun nicht zur Crème de la Crème der Beletage gehören.
Selbst in der Nachspielzeit in Mainz, als Aurele Amende längst den Mittelstürmer gab, wurde der Ball konsequent an der Mittellinie von A nach B gepasst, statt ihn hoch reinzuschlagen.
Das nervtötende Geschiebe hat nichts mit Ballbesitzfußball oder Dominanz zu tun, sondern ist ein klarer Fehler im System.
Genauso wie die merkwürdige Personalauswahl. Hugo Larsson spielt permanent auf der Sechs, ist aber ein klassischer Achter. Mittelstürmer Arnaud Kalimuendo gibt konsequent den (wirkungslosen) Rechtsaußen, Rechtsaußen Ritsu Doan verdingt sich dafür im Halbraum. Und ist völlig verloren.
Auf der anderen Seite spielt Fares Chaibi auf einmal wieder immer, mit altbekanntem Ertrag, nämlich so gut wie keinem. Mario Götze hingegen durfte dreimal gar nicht mitspielen, nach Mainz nicht mal mitfahren. Zwischendrin tauschten auch Nnamdi Collins und Nathaniel Brown mal die Seiten. Muss man alles nicht verstehen.
Kali für Wahi?
Die Frage wird also sein, ob der Coach seinen Experimenten ein Ende bereitet und die Spieler dort einsetzt, wo sie zu Hause sind und ihre Stärken ausspielen können. Denn es geht darum, irgendwie den siebten Platz ins Ziel zu retten.
Um sich in der neuen Saison neu aufzustellen. Ob mit Riera oder ohne ihn, das ist momentan völlig offen. Klar ist: Die Mannschaft braucht dringend eine Blutauffrischung, es steht ein größerer Umbruch an – mal wieder. Dazu gehören neben einigen jungen, talentierten Zugängen auch ein, zwei Spieler, die eine Mannschaft führen und aufrütteln können, furchtlose Auflehner.
Keine gleichförmigen Akteure wie Fares Chaibi, Mo Dahoud oder Ellyes Skhiri. Dahouds auslaufender Vertrag wird nicht verlängert, aber auch Chaibi und Skhiri würden die Frankfurter bei entsprechenden Angeboten keine Steine in den Weg legen. Bei Hugo Larsson ist es so, dass der Schwede gerne selbst den nächsten Schritt gehen würde. Die Eintracht wäre bereit, den zuletzt in seiner Leistung stagnierenden 21-Jährigen abzugeben. 50 Millionen, wie einst kolportiert, sind da eher nicht mehr drin, aber 30, 35 Millionen sollte ein Inselverein schon locker machen können.
Auch in der Abwehr könnte es zu Veränderungen kommen, Nathaniel Brown und Nnamdi Collins sind Verkaufskandidaten, auch wenn Brown gerne noch ein Jahr bleiben würde. Und die Frage wird sein, was aus Arnaud Kalimuendo wird. 27 Millionen wird die Eintracht sicher nicht bezahlen, Sportchef Markus Krösche baut darauf, Nottingham Forest runterzuhandeln. Und Elye Wahi zu verkaufen.
OGC Nizza will den Neu-Nationalspieler der Elfenbeinküste halten, koste es, was es wolle. Eine abermalige Leihe schließt die Einracht aus, pocht auf einen Verkauf. Wahi soll knapp 20 Millionen bringen. Da wäre die Eintracht mit einem blauen Auge davongekommen.