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Mann des Tages: Deniz Undav (Mitte) erzielt das Tor zum 2:1, nachdem er bereits in der ersten Halbzeit von den Fans gefordert wurde. © Tom Weller/dpa
Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt gegen Ghana mit 2:1. Nach vielen Wechseln verliert das DFB-Team die Struktur, siegt aber dennoch.
Julian Nagelsmann hatte vor den beiden Testspielen gegen die Schweiz und Ghana verbale Vorkehrungen getroffen. Der Bundestrainer bat die Medien inständig: „Auch wenn es mal ein Unentschieden geben sollte, müsst ihr nicht gleich alles in Grund und Boden schreiben.“ Die Bitte um moderate mediale Rücksichtnahme war gar nicht notwendig, das weiß man seit Montagabend. Denn drei Tage nach dem spektakulären 4:3 in Basel gewann die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der ausverkauften Stuttgarter Arena auch ihren drittletzten Test vor dem ersten WM-Spiel (am 14. Juli in Houston/Texas gegen die Insel Curacao) mit 2:1 (1:0) gegen Ghana. Deniz Undav markierte in der 87. Minute eiskalt den verdienten Siegtreffer nach Vorarbeit des zuvor vom wenig einfühlsamen Publikum ausgepfiffenen Leroy Sané.
Nagelsmann hatte zuvor zunächst durchblicken lassen, dass er mehr aufs Einspielen denn aufs Experimentieren setzen wollte. Dem kam er nicht nach, was vor allem mit Blick auf die hohen Belastungen der führenden Klubspieler nachvollziehbar erschien. Schon in der Startelf standen vor dem etatmäßigen Ersatztorwart Alexander Nübel drei weitere Spieler, die gegen die Schweiz beim Anpfiff noch auf der Bank gehockt hatten: Der Frankfurter Linksverteidiger Nathaniel Brown durfte im dritten Länderspiel erstmals von Beginn an mitspielen, der zurückgekehrte Ex-Dortmunder Pascal Groß (Brighton) spielte anstatt Leon Goretzka, Nick Woltemade (Leicester) stürmte zentral, Leroy Sané rückte nach seiner schwachen Vorstellung in Basel auf die Bank und kam erst nach 78 Minuten für Nick Woltemade.
Im schwäbischen Regen hatte Nagelsmann schon vor dem Anpfiff im ARD-Interview den Frankfurter Brown noch einmal ausdrücklich gelobt: „Er ist ein echt kompletter Spieler, kein Lautsprecher, deshalb ist es nur fair, ihn genau zu beobachten.“ Die Beobachtung am Montagabend zeigte, dass Brown mit seinen 22 Jahren schon einen reifen Spieler abgibt, der sowohl in kleinen Räumen oft kluge Lösungen findet, aber auch in großen Räumen dank seines Tempos gut unterwegs ist.
Diese großen Räume taten sich immer wieder auf, denn die vom Deutschen Altmeister Winfried Schäfer beratenen Westafrikaner erwiesen sich als lediglich mittelmäßig organisiert. Trainer Otto Addo hatte vorher noch gemutmaßt: „Wenn wir mutig sind, können wir den Deutschen wehtun.“ In der 22. Minute wurde der ghanaische Trainer dann aber sauer. Sauer auf sein Team. Denn von dem verlangten Mut war bis dahin rein gar nichts zu sehen gewesen. Ghana geriet in manche Verlegenheit und mit mehr Glück als Verstand auch wieder hinaus.
Und obwohl es Deutschland gut machte, wenn auch nicht jeder Spielzug gelang, verschaffte das schwäbisch geprägte Publikum zum Beginn der Kehrwoche seinen Wünschen lautstark Raum und rief kollektiv nach dem Stuttgarter Stürmer Deniz Undav. Für so viel landsmannschaftliche Verbundenheit bedankte der VfB-Mann sich postwendend weithin sichtbar – und später mit seinem sehenswerten Treffer.
Die Gäste kamen derweil gegen von den Sprechchören leicht irritierte Deutsche ein klitzekleines wenig besser auf. Ihre beiden besten Konter unterband allerdings der aufmerksame Nathaniel Brown jeweils in vorbildlicher Abwehrhaltung. Auf der anderen Seite hatte das schon Florian Wirtz, dem diesmal nicht alles gelang, bei einem Freistoß den rechten Außenpfosten gestreift. Jonathan Tahs Schuss wurde wenig später knapp übers Tor abgelenkt.
Aber schließlich fiel doch noch vor der Pause die überfällige deutsche Führung. Denn in der Nachspielzeit ahndete Schiedsrichter nach VAR-Hinweis ein klares Handspiel des Wolfsburgers Jonas Adjetey. Den Strafstoß verwandelte Kai Havertz problemlos.
Zur zweiten Halbzeit wechselte Nagelsmann gleich drei Leute ein: Undav für den weitgehend unscheinbaren Serge Gnabry, Antonio Rüdiger für Tah und Lennart Karl für den Elfmeterschützen Havertz. Prompt flankte Wusel Karl perfekt auf Woltemade, der seine insgesamt eher unglückliche Vorstellung mit einem Lattenkopfball abrundete. Einen von der Sorte, die man auch reinmachen kann.
Es folgte nach einer Stunde noch eine Auswechselorgie der Deutschen, unter anderem durften sogar die Stuttgarter Lokalhelden Chris Führich und Josha Vagnoman mitspielen. Da gab es dann auch für die Fans nichts mehr zu meckern. Dafür aber für den Bundestrainer. Nach sieben Auswechslungen (am Ende waren es gar acht) ging etwas die Struktur verloren. Was dazu führte, dass Vagnoman in der 70. Minute vom Union-Berlin-Profi Derrick Köhn überlaufen wurde und Abdul Fatawu per Direktabnahme der Ausgleich gelang. Doch die die unbeugsamen Deutschen schlugen spät zurück.