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Eden Nael Liedtke (links) und Sam Evans vor dem auf die Fläche gebrachten Graphit: „Was schon liegt, kann nicht mehr fallen.“ © Thomas Krumm
Der Künstler Eden Nael Liedtke verschlüsselt lebensgeschichtliche Ereignisse in Symbolen und Chiffren. Seine erste Einzelausstellung läuft in der städtischen Galerie.
Lüdenscheid – Es ist eine sehr persönliche Ausstellung, die der Künstler Eden Nael Liedtke in der städtischen Galerie präsentiert. Die Jury der Märkischen Kulturkonferenz (MKK) kürte ihn im Oktober 2025 im Rahmen einer Auswahlausstellung im Gut Rödinghausen in Menden zum MKK-Stipendiaten des Jahres 2026. Ausgeschrieben war das Stipendium für die künstlerische Gattung der Zeichnung. In drei Räumen der Galerie hat Eden Liedtke nun erheblich mehr Platz für seine Bilder als in dem kleinen Kämmerlein des Gutshofes, das ihm zugewiesen war.
Zur Eröffnung seiner ersten Einzelausstellung kamen am Freitagabend zahlreiche Besucher in die Museen am Sauerfeld. Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen führte in das Werk des gebürtigen Hamburgers ein, der seiner Ausstellung den Titel „Ich will nicht zeichnen, ich will nur spielen” gab. Sie beschrieb die Qualitäten des von ihm verwendeten Graphitstifts: „Er liefert einen präzisen Strich, er ist ideal für Details, Konturen und feine Texturen und ermöglicht eine sehr hohe Strich-Präzision.” Seine Linienführung forme Umrisse und lasse Figuren entstehen.
Vom Kind zum Erwachsenen
Den gezeichneten Szenen liegen vielfach lebensgeschichtliche Ereignisse auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen zugrunde, die in seinem Fall auf dem Weg vom Mädchen zum Mann lagen. In seinen Bildern verschlüssele er diese Ereignisse und Erlebnisse in Symbolen und Chiffren, stellte Susanne Conzen fest: „Die Zeichnungen Eden Liedtkes erzählen Geschichten zwischen Kindheit und Erwachsensein, zwischen Intimität und gesellschaftlicher Konfrontation, und dies stets mit einer feinen Balance aus Sanftheit und Stärke.”
Prof. Dr. Christoph Knecht von der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig fasste Eden Liedtkes Schaffen so zusammen: „Sein Werk setzt sich auf poetische und zugleich präzise Weise mit Erinnerung, Körperwahrnehmung, Geschlechtsidentität, neurodiversen Perspektiven und familiären Strukturen auseinander. Dabei gelingt es ihm, autobiografisches Material so zu verarbeiten, dass ein Resonanzraum für universelle Fragen von Zugehörigkeit, Verletzlichkeit und Selbstermächtigung entsteht.”
Aufenthalt in Japan
Für die Zusammenstellung und Hängung der Bilder hatten Eden Liedtke und seine Lebensgefährtin Sam Evans, die Fotos von einem gemeinsamen Aufenthalt in Japan beisteuerte, mehrere Tage in der Galerie in der Bergstadt verbracht. Beiden galt der Dank von Susanne Conzen. Sie gab den Besuchern der Ausstellung noch eine Empfehlung mit auf den Weg: „Nehmen Sie sich Zeit für die Zeichnungen von Eden Nael Liedtke!”