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Ein deutscher Supermarkt verbannt Lindt-Goldhasen wegen hoher Preise aus seinen Regalen. Der Fall schlägt Wellen – sogar bis in die Schweiz.
Kassel – Die Preise für Schokolade haben sich in den vergangenen Jahren aus Verbrauchersicht ungünstig entwickelt. Immer teurer wurde die süße Leckerei. Das macht vielen Supermarktkunden gerade zu Festen wie Weihnachten oder auch Ostern sehr zu schaffen. Der Preis für ein bekanntes Produkt eines Markenherstellers wird kurz vor den Ostertagen heiß diskutiert.
Goldhasen von Lindt suchen Kunden in einem Hamburger Supermarkt vergeblich. Der Filialchef zog wegen des Preises für das Schokoprodukt die Notbremse. © Annette Riedl/dpa
Es geht um den Goldhasen von Lindt. Seit vielen Jahren findet dieser sich in zahlreichen Osternestern wieder. Wegen der Preisentwicklung der vergangenen Jahre sehen einige allerdings vom Kauf ab. In einem deutschen Supermarkt ist der Lindt-Goldhase inzwischen gar nicht mehr zu finden, wie ein Einzelhändler jetzt offenbarte.
Kurz vor Ostern: Deutscher Supermarkt verbannt Lindt-Goldhasen aus Regalen – „Die werde ich nicht los“
In Hamburg betreibt Tarik Sarikaya Nachbarschaftsmarkt „nah&frisch“. Der Lindt-Goldhase fehlt im Angebot des Ladens. „Das ist das erste Jahr, ohne den Osterhasen“, erzählte Sarikaya der Bild. Leicht fiel ihm der Verzicht auf den Oster-Klassiker nicht. Aber: „Die Rückmeldungen von den Kunden sind sehr positiv und alle haben Verständnis.“
Der Supermarkt-Chef gab an, dass „der Preis für den Lindt-Goldhasen im Vergleich zum Vorjahr von 6,99 Euro auf 8,99 Euro (unverbindliche Preisempfehlung) gestiegen“ sei. Also um satte 28,6 Prozent. „Die verpflichtende Mindestbestellmenge für Osterartikel liegt bei 1000 Euro – die werde ich nicht los. Kunden schauen auf den Preis, schütteln den Kopf und stellen die Ware zurück. Am Ende bleibe ich auf 30 Prozent sitzen.“
Kaum jemand weiß es genau: Das steckt wirklich hinter den Oster-Symbolen wie Hase oder Ei
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In dem Bericht werden mehrere Kunden zitiert, die den Goldhasen-Verzicht verstehen können. „Die Preise sind überzogen. 8,99 Euro würde ich nicht ausgeben“, sagt eine Rentnerin. „Ich habe Verständnis, wenn Herr Sarikaya auf die Preise achten muss, da es sonst wirtschaftlich nicht funktioniert“, meint ein Kunde.
Die HNA von Ippen.Media gab Lindt die Möglichkeit, zur Entscheidung des Hamburger Einzelhändlers und der eigenen Preispolitik Stellung zu nehmen. Eine Sprecherin des Unternehmens beantwortete eine Anfrage unserer Redaktion wie folgt: „Wir sind uns bewusst, dass Preisänderungen für Verbraucher und Handelspartner ein sensibles Thema sind. Obwohl sich die Lage auf den Rohstoffmärkten in letzter Zeit etwas entspannt hat, liegen die Kakaopreise weiterhin deutlich über dem langfristigen Durchschnitt.“
Die Lindt-Sprecherin erklärte zudem bei HNA von Ippen.Media: „Wir verfolgen eine vorausschauende Einkaufsstrategie und beziehen Kakao langfristig, um stets eine uneingeschränkte Verfügbarkeit zu gewährleisten. Daher wird es einige Zeit dauern, bis wir die Auswirkungen niedrigerer Kakaopreise spüren werden. Neben Kakao umfasst unsere Kostenstruktur auch andere Rohstoffe wie Nüsse und Verpackungen, die weiterhin teuer sind, sowie steigende Kosten im Zusammenhang mit regulatorischen Verpflichtungen und unseren Nachhaltigkeitsverpflichtungen.“
Hoher Preis für Lindt-Schokohasen: Unternehmenschef verteidigt Preispolitik
Unterdessen schlug die Entscheidung des Hamburger Supermarkt-Chefs hohe Wellen – bis in die Schweizer Heimat des Schokoladenherstellers. Mehrere Medien berichteten über den Fall, darunter der Blick und Nau. Obwohl der Kakaopreis an den Börsen inzwischen wieder deutlich nach unten ging, nennt Adalbert Lechner, der CEO von Lindt & Sprüngli, diesen als Hauptgrund der Preisentwicklung.
„Es ist noch viel zu früh, um über mögliche Preissenkungen zu diskutieren“, befand Lechner laut Blick am 10. März auf einer Jahresmedienkonferenz. Der Grund: „Wir kaufen Kakaobohnen für jeweils zwölf bis 15 Monate ein.“ Daher seien aus alten Lieferungen zu höheren Rohstoffpreisen die Kakao-Lager von Lindt noch voll, so Lechners Argumentation. Nach Angaben des Lindt-Chefs sind zudem die Rohstoffpreise von Zucker und Haselnüssen noch recht hoch, was ebenfalls Auswirkungen habe. Derweil hatte sich das Unternehmen kürzlich klar gegen eine Zusammenarbeit mit Discountern wie Aldi und Lidl ausgesprochen.
Verbraucherzentrale nimmt sich Schokohasen vor – das steckt in der Oster-Leckerei
Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hatte kürzlich auf ihrer Website die Inhaltsstoffe von Schokohasen bekannter Hersteller unter die Lupe genommen – darunter neben dem Lindt-Goldhasen auch Produkte von Milka, Kinder und Merci. Das Fazit der Verbraucherschützer: „Ein klassischer Vollmilch-Schokohase besteht hauptsächlich aus Zucker, Kakaobutter, Milchpulver und etwas Kakao.“ Dabei sei der „größte Bestandteil eines Schokohasen in der Regel Zucker – und nicht Kakao“.
Laut Verbraucherzentrale Niedersachsen sind hochwertige Schokohasen daran zu erkennen, dass sie einen hohen Kakaobutteranteil aufweisen. Das erkennen Verbraucher daran, dass die Kakaobutter in der Zutatenliste weit vorn steht. Haselnüsse spielen demnach keine große Rolle in Schokohasen, sie werden in Form von Haselnussmasse „meist nur in geringen Mengen beigemischt, um das Aroma abzurunden“. Demnach dürften hohe Haselnusspreise, die der Lindt-CEO als einen zusätzlichen Grund für die eigene Preispolitik benannte, eine eher untergeordnete Rolle bei der Herstellung von Schokohasen spielen.
Die Ostergeschichte für Kinder
Im PDF wird die Ostergeschichte für Kinder zusammengefasst. © Westend61/Imago/IPPEN.MEDIA
Warum feiern wir eigentlich Ostern? Pfarrerin Natalie Wilke hat die biblische Ostergeschichte kindgerecht zusammengefasst.
Verkaufszahlen zeigen klares Bild: Lindt verliert nach Schoko-Preiserhöhungen zahlreiche Kunden
Dem Blick zufolge reagierten die Lindt-Kunden 2025 eher negativ auf die Preispolitik des Schokoladenherstellers. Demnach hätten Preiserhöhungen von über 40 Prozent innerhalb der vergangenen vier Jahre zu sinkenden Verkaufszahlen geführt. Auch für 2026 geht Lindt offenbar von geringeren Verkäufen aus, hieß es in dem Bericht weiter. Lindt-CEO Lechner erklärte indes: „Im Herbst werden wir entscheiden, ob Preissenkungen möglich sind.“ Die könnten auch notwendig sein, um ein schlechtes Weihnachtsgeschäft zu verhindern.
In den Kommentaren unter den Berichten von Blick und Nau gab es unter den Schweizer Lesern auch Verständnis für die Nachbarn aus Deutschland. „Für viele Deutsche gehört ein Schoko-Osterhase halt dazu. Das ist Wucher“, meinte einer. „Was Lindt macht, ist nur noch Abzocke, wer diese Schokolade kauft, ist selber schuld. Es ist ein Wahnsinn, was diese Herren immer wieder für Ausreden finden, um den Preis zu rechtfertigen“, fasste es ein anderer zusammen. (Quellen: Bild, Blick, Nau, Verbraucherzentrale Niedersachsen) (kh)