Der Wolf, der seit dem Wochenende durch Hamburg geirrt war, ist am Montagabend gefangen worden. Laut Polizei Hamburg schwamm er zuletzt in der Binnenalster. Mithilfe einer Schlinge gelang es den Beamten, das Raubtier am Jungfernstieg zu erhaschen und aus dem Wasser zu ziehen. Völlig entkräftet sei es gewesen. Seit Sonnabend war der Wolf an vielen Orten gesehen worden – und hatte auch einer Frau ins Gesicht gebissen.
Zu den Bissen kam es laut Polizei gegen 19 Uhr an der stark frequentierten Altonaer Einkaufsemeile Großen Bergstraße. Demnach soll der Wolf in eine Einkaufspassage neben Ikea gelaufen sein; unter anderem befinden sich dort eine Aldi- und eine Edeka-Filiale. Eine Frau soll daraufhin versucht haben, das Tier „aus dem Gebäude zu führen“, hieß es vonseiten des polizeilichen Lagedienstes. Der Wolf biss ihr daraufhin ins Gesicht. Schwer verletzt wurde sie ins Krankenhaus gebracht.
Wolf in Hamburg am Jungfernstieg gefangen: Frau in Altona ins Gesicht gebissen
Abermals flüchtete das Tier, dieses Mal in Richtung St. Pauli. Zahlreiche Menschen sichteten es an der Feldstraße und bei den Messehallen. Abendblatt-Informationen zufolge soll es schließlich inmitten der City vor Polizeibeamten in die Binnenalster gesprungen sein. Wenig später gelang es den Ordnungshütern, den Jungwolf am Alsterpavillon aus dem Wasser zu ziehen.
Das Tier soll so erschöpft gewesen sein, dass die Beamten es ohne Betäubung in eine Transportbox treiben konnten. Ein Mitarbeiter des Wildgeheges Klövensteen soll nach Abendblatt-Informationen den Wolf mit nach Rissen genommen haben, wo am Dienstag entschieden werden soll, wie es mit ihm weitergeht.
BUKEA-Sprecher sagt: Bevölkerung sei nicht akut gefährdet
Erst am Montagvormittag hatte Philipp Wenzel, Sprecher der Hamburger Umweltbehörde (BUKEA), bestätigt, dass es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf handelte. Seit Sonnabend war es in den Elbvororten mehrfach gesichtet worden. Wolfsexperte Norman Stier von der TU Dresden identifizierte das Tier demnach mithilfe eines Videos, auf dem es zu sehen ist.
Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr, erklärte der BUKEA-Sprecher. „Obwohl der Wolf am Wochenende mehrfach gesehen wurde, zeigte er ein stark ausgeprägtes Fluchtverhalten, reagierte äußerst scheu und zog sich sofort zurück, sobald Menschen oder Hunde seinen Weg kreuzten“, hieß es in der Mitteilung weiter. Die BUKEA betonte aber, dass der Wolf ein Wildtier sei und man sich ihm nicht nähern solle. Sollten Menschen dem Raubtier begegnen, sei Abstand geboten, man solle nicht wegzulaufen und sich stattdessen durch lautes Sprechen oder Klatschen bemerkbar machen.
Wolf in Hamburgs Elbvororten gesichtet – BUKEA bittet Halter, ihre Hunde anzuleinen
Zuerst wurde der Wolf in Blankenese gesehen, im Sven-Simon-Park und im Schinkelspark am Falkensteiner Ufer. Außerdem tauchte das Raubtier in einem Garten am Klein Flottbeker Weg, am Bahnhof Othmarschen und in Nienstedten auf. Nachdem zwischenzeitlich nicht klar gewesen war, ob es sich wirklich um einen Wolf handelte, folgt nun die Gewissheit.
Experten vermuten, dass es sich höchstwahrscheinlich um einen „Welpen in der Abwanderungsphase von seinem Rudel“ handle, hieß es vonseiten der Umweltbehörde. Augenzeugen berichten, dass das Tier abgemagert gewirkt habe.
Hamburger Naturschützer gehen davon aus, dass sich der Wolf verlaufen hat
Wölfe legen auf der Suche nach einem eigenen Revier weite Strecken zurück. Untypischer ist aber, dass ein Tier sich so weit ins Stadtgebiet wagt. Die städtische Umgebung bei Tag bedeutet für das Tier enormen Stress, sagen die Experten, besonders weil Wölfe den Kontakt zu Menschen und Hunden grundsätzlich meiden. Die Naturschützer gehen davon aus, dass sich der Wolf verlaufen hat und momentan einen Weg aus der Stadt sucht.
Hamburgs Polizei nahm die Lage ernst, erklärte Sprecher Thilo Marxsen. Die Beamten stünden mit der BUKEA und den zuständigen Jägern in Kontakt. Aufgabe der Polizei ist es, mögliche Gefahren abzuwehren und die Behörden zu unterstützen. Das heißt: Falls es zu einer konkreten Gefahr kommen sollte, werden weitere Schritte geprüft, erklärte Marxsen.
Augenzeuge aus Othmarschen berichtet: „Das ist kein Hund, das ist ein Wolf“
Mehrere Augenzeugen hatten sich am Wochenende bei den Behörden gemeldet. Darunter ist auch ein Anwohner aus Othmarschen.
Thomas Laboch gehört zu denen, die das Tier gesehen haben. Er war sich sofort sicher: „Das ist kein Hund, das ist ein Wolf“, berichtet er. Insgesamt sollen sechs Sichtungen bei der zuständigen Umweltbehörde gemeldet worden sein. Aus Othmarschen, Nienstedten und aus Blankenese gibt es Hinweise, wonach ein Wolf gesehen wurde, meistens, wie er Straßen überquerte. Laboch selbst wohnt im Friedensweg in Othmarschen. Er traf auf das Tier am Sonntag um 11 Uhr.
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„Ich habe an meinem Motorroller gearbeitet, als der Wolf über den Zaun sprang“, berichtet er im Abendblatt-Gespräch am Montagmorgen. Er habe nur fünf Meter von dem Tier entfernt gestanden und sie hätten sich für einige Sekunden angesehen. „Dann drehte sich der Wolf um und sprang zurück über den etwa 1,60 Meter hohen Zaun. Das war ein magischer Moment.“ Warum sich Laboch so sicher ist, dass es ein Wolf und kein Wolfshund war, wie einige Hamburger vermuten?
Wolf in Hamburgs Elbvororten gesichtet: Augenzeuge berichtet von Begegnung
„Das ganze Verhalten war das eines Wildtieres. Kein Hund würde das so machen“, erklärt Laboch. Und auch die Größe und Statur ließen bei ihm keinen Zweifel aufkommen. „Es war ein ausgewachsenes und daher recht großes Tier“, schildert es der Hamburger. Ein Nachbar, der ebenfalls auf dem nach innen liegenden Parkplatz war, habe das Tier auch gesehen. „Er kam zu mir und sagte: Das war ein Wolf, oder?“, erinnert sich Laboch. Angst habe er keine gehabt oder Sorge, dass ihm der Wolf etwa tue. „Wäre er näher gekommen, dann vielleicht. Aber so war ich vielmehr überwältigt und beeindruckt.“
Seine Wolfsbegegnung kann der Othmarschener vielleicht sogar beweisen. Er hat zwar kein Foto gemacht, dafür sei es viel zu schnell gegangen. Aber: Auf dem Weg zurück über den Zaun ließ der Wolf laut Laboch ein paar Haare, die er jetzt eingesammelt habe und die Mitarbeiter der zuständigen Umweltbehörde zur Untersuchung abholen wollen.
Umweltbehörde bittet Bevölkerung um Hilfe
Die Bevölkerung wird gebeten, neue Beobachtungen an die Notfallhotline des Wolfsmanagements (Hamburg und Schleswig-Holstein) zu melden: 0174 6330335. Erreichbar sind die Experten aber auch per E-Mail unter wolfsberatung@bukea.hamburg.de.