Der Flussuferläufer ist zurück aus Afrika. Er ist die Nächte durchgeflogen. Und jetzt, Anfang April, macht er sich auch in Bayern für die Zeit seiner monogamen Saisonehe auf die Suche nach einem geeigneten Nistplatz. Die Kiesbänke der Isar sind geradezu perfekt zum Brüten für diesen kleinen Schnepfenvogel. Wären da nicht die zahlreichen Spaziergänger, Bootsfahrer und Hunde.

Der Druck auf die Naherholungsgebiete wächst mit den steigenden Temperaturen. Das Isartal zählt dabei zu den meistgenutzten Bereichen in Stadt und Landkreis München. Und weil die Besucher – egal, ob sie nun zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Boot unterwegs sind – teilweise auch in sensible Rückzugs- und Fortpflanzungsräume geschützter Tierarten gelangen, bittet die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises München insbesondere in den kommenden Wochen um erhöhte Rücksichtnahme.

Der Flussuferläufer, aber auch der Flussregenpfeifer brüten direkt im Kies in kleinen Mulden. Als besonders geeignet gelten die Kiesflächen im oberen Isartal, dort, wo der Talraum noch oder wieder sehr naturnah ist. Die Eier und Küken sind gut getarnt und werden im Kies leicht übersehen und zertreten. Auch gelten die mittlerweile seltenen Vögel als sehr störungsempfindlich. Die Naturschützer haben daher mögliche Brutplätze zwischen Kloster Schäftlarn und Buchenhain mit Schildern sowie teilweise mit Absperrleinen gekennzeichnet. Für diese Bereiche gilt vom 15. März bis zum 10. August ein absolutes Betretungsverbot.

Einst haben die Kiesbrüter auf den ausgedehnten Schotter- und Sandbänken der Isarauen zahlreiche Brut- und Lebensräume gefunden. Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein war die ungezähmte, vielarmige Isar, die durch Hochwasser ständig ihren Verlauf und das Aussehen ihrer Ufer veränderte, das unbeeinträchtigte Revier von Flussuferläufern und Flussregenpfeifern. Seit dem Ausbau und der Begradigung des Flusslaufs sowie dem Bau von Kraftwerken hat sich das Bild verändert. Nur noch wenige Schotterflächen blieben erhalten. Durch verminderte Hochwasserereignisse verbuschen die Kiesbänke häufig. Vogelarten wie der Flussuferläufer aber sind auf offene Flussauen, auf kiesige Flächen mit niedriger Vegetation angewiesen. Sie verloren große Teile ihrer angestammten Lebensräume.

Nun hat Naturschutz heutzutage einen anderen Stellenwert und die Isar wurde seit Ende der 1980er-Jahre renaturiert, in einen naturnahen Wildfluss rückgebaut. Den Kiesbrütern nutzen diese Maßnahmen aber nur teilweise etwas. Ihre Brutplätze bleiben weiterhin selten. Denn ihr Problem ist vor allem die hohe Freizeitnutzung der Landschafts- und Naturschutzgebiete auf und entlang der Isar. Der Flussuferläufer flüchtet häufig bereits, wenn sich Menschen dem Brutplatz auf weniger als 100 Meter nähern.

Der Flussregenpfeifer ist in Bayern noch etwas häufiger anzutreffen, steht aber auch auf der Vorwarnliste des LBV.Der Flussregenpfeifer ist in Bayern noch etwas häufiger anzutreffen, steht aber auch auf der Vorwarnliste des LBV. Fabian Unger/LBVSeine Eier sind so gut getarnt, dass man sie im Kiesbett kaum sieht.Seine Eier sind so gut getarnt, dass man sie im Kiesbett kaum sieht. Marcus Bosch, LBV Bildarchiv

Um zu unterstreichen, wie bedroht die in den Isarauen brütenden Vögel sind, verweist die Untere Naturschutzbehörde auf die jüngste bayernweite Bestandserfassung. Demnach gab es im Jahr 2012 etwa 150 Brutpaare. Die Anzahl ist innerhalb von etwa zehn Jahren bis 2022 auf weniger als 100 Paare gesunken. Flussregenpfeifer-Paare gibt es in Bayern nur noch etwa 1000. Im Gegensatz zum Flussuferläufer brütet diese Art auch auf vom Menschen geschaffenen Kiesflächen abseits von Flüssen und Bächen, etwa in Kiesgruben. Ihre Situation ist daher weniger kritisch. Gleichwohl stehen auch sie laut Landesbund für Vogelschutz auf der Vorwarnliste, da die Bestände aufgrund ungeeigneter Bruthabitate regional rückläufig sind. Seit 2021 werden Flussuferläufer und Flussregenpfeifer in einem Artenhilfsprogramm vom LBV für das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) geschützt. Weitere Informationen findet man unter www.kiesbrueter.de.

Gesperrte Kiesbänke an der Isar.Gesperrte Kiesbänke an der Isar. Landratsamt München /Geobasisdaten Copyright – Bayerische Vermessungsverwaltung

Die abgesperrten Brutplätze dürfen daher bis Mitte August weder von Land noch von der Wasserseite aus betreten werden. Denn für den Erhalt dieser seltenen Vogelarten zählt jeder einzelne Brutplatz. Das Landratsamt weist darauf hin, dass entlang des Flusslaufs ausreichend „unkritische Bereiche“ für die Erholungsnutzung zur Verfügung stehen. Das gilt auch für frei laufende Hunde. Auch sie stellen eine Gefährdung für die brütenden Vögel dar und sind daher von den gesperrten Zonen fernzuhalten. Die Behörde erinnert zudem daran, dass an der Isar Feuermachen und Grillen außerhalb der ausgewiesenen Bereiche grundsätzlich verboten ist. Bei Verstößen gegen das Betretungsverbot drohen Geldbußen.