Stand: 31.03.2026 14:46 Uhr

Die Polizei hat am Montagabend in der Hamburger Innenstadt einen Wolf eingefangen. Er hatte zuvor eine Frau in Altona angefallen. Es ist der erste Angriff von einem Wolf auf einen Menschen in Deutschland seit der Wiederansiedlung. Das bestätigte die Umweltbehörde.

Die Frau wurde laut Polizei an der Einkaufsmeile Große Bergstraße in der Nähe eines Ikea-Marktes angegriffen und gebissen. Demnach hatte sie wohl versucht, das verwirrte Tier, das immer wieder gegen eine Glasscheibe lief, aus der Einkaufsmeile zu führen. Dabei wurde sie ins Gesicht gebissen. Sanitäter versorgten sie und brachten sie in ein Krankenhaus. Die Wunde musste genäht werden – anschließend konnte die Frau das Krankenhaus wieder verlassen.

„Das Tier hatte richtig Angst“

Beobachtet wurde die Situation vom Musicaldarsteller Lionel von Lawrence-Oehlen, der mit seiner zweijährigen Tochter einkaufen war. „Ich sah eine Frau, die gefallen ist. Dann hab ich Blut gesehen und gedacht: ‚Das ist ja ein großer Hund. Warte, der hat kein Halsband: Das ist ein Wolf'“, schildert er seine Wahrnehmung gegenüber dem NDR. „Das arme Tier hatte richtig Angst, lief dann wieder gegen die Scheibe und hat es irgendwann dann rausgeschafft.“

Erster Wolfsangriff seit erneuter Ansiedelung

Behördenangaben zufolge ist damit in Deutschland erstmals ein Mensch von einem Wolf angegriffen worden, seit sich dieser wieder in Deutschland ausgebreitet hat. „Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung seit 1998“, sagt eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz der Deutschen Presse-Agentur.

Klaus Hackländer, Wolfs-Experte der Deutschen Wildtierstiftung, sagt dazu: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wolf in eine Siedlung oder sogar in eine Stadt geht, ist groß aufgrund der hohen Anzahl an Wölfen, die wir mittlerweile haben.“

Wolf schwamm in der Binnenalster

Nach dem Vorfall mit der verletzten Frau wurde der Wolf auf St. Pauli, an der Feldstraße und an den Messehallen gesichtet. Polizisten und Polizistinnen konnten ihn dann in der Binnenalster schwimmend entdecken. Mit einer Schlinge zogen sie ihn aus der Alster.

Direkt in der Baustelle des ehemaligen Lokals „Alex“ setzte sich das Tier zunächst noch zur Wehr, weitere Polizisten und Polizistinnen mit Schilden hielten es über eine Stunde in Schach.

Wolf soll wieder in die Natur entlassen werden

Der Abteilungsleiter für Stadtjäger vom Bezirksamt Altona übernahm den Wolf dann gemeinsam mit einem Tierarzt. Dem Tier gehe es gut. Es sei aufgeregt und müsse nun erst mal zur Ruhe kommen, sagte er dem NDR vor Ort.

Experten haben den Wolf noch am Abend mit einem Wildtiertransporter in den Wildpark Klövensteen gebracht. Dann soll das Tier wieder ausgesetzt werden. Wann das passiert und wo genau, ist allerdings noch unbekannt. „Der Wolf hat gerade richtig die Hosen voll und Stress. Wir empfehlen den Wolf in ein dünn besiedeltes Gebiet zu bringen“, sagt Christian Erdmann vom Wildtier- und Artenschutzzentrum. „Vorausgesetzt der Tierarzt hat den Gesundheitszustand des Tieres für gut befunden.“

Am Wochenende im Hamburger Westen gesichtet

Offenbar handelt es sich um das Tier, das am Sonnabend zunächst am Falkensteiner Ufer in Blankenese und am Klein Flottbeker Weg in Othmarschen gesichtet worden war. Am Sonntag meldeten sich laut Polizei weitere besorgte Anrufer, die einen Wolf im Bereich Schinckels Park und Römischer Garten in Blankenese gesehen haben wollen. Auch in der Nähe des S-Bahnhofs Othmarschen wurde der Wolf beobachtet.

Video:
Wolf im Hamburger Westen gesichtet (3 Min)

Mehr als 20 Wolfsnachweise seit 2013

Laut Umweltbehörde gab es in Hamburg seit 2013 insgesamt 21 bestätigte Wolfsnachweise. Zuletzt wurde Mitte März ein verendeter Wolf auf der Autobahn 25 in Höhe der Auffahrt Curslack nach einem Wildunfall aufgefunden.

Rund 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst nach dem Mauerfall kamen mehrere Tiere über Polen nach Deutschland zurück. Mittlerweile streifen Wölfe durch die Wälder zahlreicher Bundesländer.

Ein Wolf blickt nach links.

Der Bundestag hatte die Aufnahme ins Jagdrecht bereits beschlossen. Der Umgang mit dem Wolf ändert sich damit grundsätzlich.

Ausschnitt eines Privatvideos: Ein Wolf läuft über eine Straße. (Quelle: Facebook)

Am Elbdeich bei Fliegenberg und im Hamburg-Rönneburg sind in den vergangenen Tagen Wölfe mit dem Handy gefilmt worden.

Totes Schaf auf einer Weide

Ein Landwirt im Hamburger Süden fand die beiden Schafe morgens auf der Weide – das eine tot, das andere musste eingeschläfert werden.