Zwei frühere Apple-Manager geben Einblick in die Ära von Steve Jobs. - Copyright: Paul Chinn/The San Francisco Chronicle via Getty Images Zwei frühere Apple-Manager geben Einblick in die Ära von Steve Jobs. – Copyright: Paul Chinn/The San Francisco Chronicle via Getty Images

Apple feiert in dieser Woche sein 50-jähriges Bestehen – und kann auf Jahrzehnte voller Innovationen und ikonischer Produkte zurückblicken.

Die Unternehmensgeschichte ist geprägt von Meilensteinen, die die Tech-Branche verändert haben. Gleichzeitig ist Apple bekannt für eine Unternehmenskultur, die Innovation und Geheimhaltung vereint.

Zwei frühere Führungskräfte, die an einigen der bekanntesten Projekte beteiligt waren, blicken nun auf ihre Zeit bei dem Tech-Konzern zurück.

Sie berichten von ihrer Arbeit in der Ära von Steve Jobs und davon, wie streng geheime Produkte entwickelt wurden.

Tony Fadell, 57, erhielt 2001 einen Anruf, um an einem neuen Apple-Projekt mitzuwirken. Zu dieser Zeit arbeitete er bereits an MP3-Playern und tragbarer Elektronik. Apple suchte jemanden, der ein Gerät für seine damals sechs Monate alte Musikplattform iTunes entwickeln konnte.

Im März 2001 präsentierte Fadell Steve Jobs und anderen Führungskräften das beschwerte Styropor-Modell – den Vorläufer des iPods. Anschließend blieb er fast ein Jahrzehnt bei Apple, zuletzt als Senior Vice President der iPod-Sparte und Berater von Jobs.

Tony Fadell präsentierte 2001 das erste iPod-Modell – ein Projekt, das seine Karriere bei Apple prägte und die Musikindustrie revolutionierte. - Copyright: Justin Sullivan/Getty Images Tony Fadell präsentierte 2001 das erste iPod-Modell – ein Projekt, das seine Karriere bei Apple prägte und die Musikindustrie revolutionierte. – Copyright: Justin Sullivan/Getty Images

„Ein wirklich unglaublicher Moment für mich war der erste iPod – ihn überhaupt fertigzustellen“, sagt Fadell. „Es war ein Projekt, das von Anfang bis Ende nur neun Monate gedauert hat. Es war mein Traum.“

Der iPod war zunächst kein sofortiger Erfolg, so Fadell. Erst mit der Einführung von Windows-Kompatibilität und weiteren Funktionen gewann er an Popularität. Schließlich wurde er zu einem kulturellen Symbol – und tauchte in den Händen von Prominenten wie Shaquille O’Neal auf.

Es folgten zahlreiche Varianten, darunter der iPod Nano, Fadells Lieblingsprodukt. Der kleinere Musikplayer habe „wirklich alles verändert“, weil er deutlich mobiler war.

Doch es gab auch brenzlige Momente. Fadell erinnert sich an eine Situation vor der offiziellen Vorstellung des iPhones – als nur wenige Menschen Zugang zu dem Gerät hatten.

„Das erste iPhone ist mir im Flugzeug aus der Tasche gefallen – bevor es überhaupt gezeigt wurde“, sagt er. Zu seiner Erleichterung wusste niemand, was das Gerät war. Etwa 40 Minuten nach dem Aussteigen bekam er es zurück.

„Niemand wusste, was es ist. Zum Glück. Aber ich hatte es wirklich verloren“, sagt er. „Das war ein beängstigender Moment.“

Glenn Reid, ehemaliger Direktor für Engineering und Consumer Applications, war maßgeblich an der Entwicklung von iMovie und der Foto-App iPhoto beteiligt. Er arbeitete bereits bei NeXT mit Steve Jobs zusammen, bevor er 1998 zu Apple kam.

„Er hat mich kontaktiert, um iMovie zu entwickeln – zu einer Zeit, in der Apple zu kämpfen hatte und fast am Ende war“, sagt Reid. „Das Unternehmen musste wieder relevant werden.“

Bevor Jobs 1996 zu Apple zurückkehrte, schrieb das Unternehmen rote Zahlen. 1997 übernahm er erneut die Kontrolle und leitete tiefgreifende Veränderungen ein. Ein Teil seines Plans war eine neue Art von Videoschnittsoftware. Reid arbeitete dafür in einem kleinen Team von rund 20 Personen – ohne dass der Rest des Unternehmens davon wusste.

Glenn Reid entwickelte iMovie in einem kleinen, abgeschotteten Team – ein „Piratenprojekt“, das Apple in einer kritischen Phase wieder auf Kurs brachte. - Copyright: Bloomberg/Bloomberg via Getty Images Glenn Reid entwickelte iMovie in einem kleinen, abgeschotteten Team – ein „Piratenprojekt“, das Apple in einer kritischen Phase wieder auf Kurs brachte. – Copyright: Bloomberg/Bloomberg via Getty Images

Er beschreibt es als eine Art „Piratenprojekt innerhalb der Firma“ – in Anlehnung an ein berühmtes Zitat von Jobs: „Es ist besser, ein Pirat zu sein, als zur Marine zu gehen.“

Reid erinnert sich, dass er sogar die Fenster seines Büros abklebte, damit niemand sehen konnte, woran er arbeitete. Diese Arbeit habe dazu beigetragen, Apple in einer schwierigen Phase über Wasser zu halten.

„Es war eine ganz besondere Atmosphäre – und so eine Chance bekommt man nicht oft“, sagt Reid.

Während viele Traditionsunternehmen darum kämpfen, relevant zu bleiben, ist Apple heute eines der wertvollsten Unternehmen der Welt und führend im Smartphone-Markt.

Ein entscheidender Faktor sei die Unternehmenskultur gewesen, sagt Reid. Sie habe es auch Mitarbeitern auf unteren Ebenen ermöglicht, innovative Ideen zu verfolgen. In anderen Firmen werde Kreativität oft im Keim erstickt.

Steve Jobs habe ihm zudem beigebracht, wie wichtig es ist, Nein zu sagen, sagt Fadell. Viele Ideen – etwa digitale Kameras oder Fernseher – wurden verworfen. Doch dann kam 2007 das iPhone und veränderte alles.

„Wenn man Ja sagt, dann bedeutet das etwas – und zwar etwas Großes“, sagt Fadell. „Darauf konzentriert man sich.“

Heute wird Apple von CEO Tim Cook geführt, ist fast vier Billionen US-Dollar wert und hat bereits die 17. Generation seines wichtigsten Produkts, des iPhones, auf den Markt gebracht. Die Kultur aus Innovation und Geheimhaltung ist dabei erhalten geblieben.

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