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Hamburg – Es war einmal ein böser Wolf in einer Großstadt … Leider kein Märchen, sondern gefährliche Realität: Das Tier biss einer Frau in Hamburg-Altona ins Gesicht. „Wolfangriffe durch gesunde Tiere hat es bei uns in den letzten 200 Jahren nicht gegeben“, sagt der Leiter des Bereichs Natur- und Artenschutz bei der Deutschen Wildtierstiftung, Dr. Andreas Kinser. Was den Wolf in die Stadt trieb und was jetzt mit dem eingefangenen Tier passieren könnte.
Darum war der Wolf allein unterwegs
Dass der Wolf allein unterwegs war, ist nach Einschätzung von Experte Kinser zunächst nichts Ungewöhnliches. Gerade junge Tiere streifen oft auf sich gestellt umher, wenn sie ihr Rudel verlassen. „Der Jungwolf war wahrscheinlich einfach auf Wanderschaft“, so der Wildtier-Experte. Ungewöhnlich ist jedoch, wo das Tier unterwegs war: mitten in einer Großstadt.

Dr. Andreas Kinser ist Forstwissenschaftler und Leiter des Bereichs Natur- und Artenschutz bei der Deutschen Wildtierstiftung
Foto: Deutsche Wildtier Stiftung
Warum ist der Wolf bis in die Mitte der Stadt gewandert?
Dass ein Wolf überhaupt bis ins Zentrum einer Millionenstadt läuft, kommt selten vor. Kinser sieht zwei mögliche Gründe dafür: „Junge Tiere sind sehr neugierig – ähnlich wie Hundewelpen.“ Gleichzeitig wachse der Druck durch die steigende Wolfspopulation in Deutschland. Gerade rund um Hamburg gebe es inzwischen wieder mehr Tiere. „Es kann eine Mischung aus Neugier und Populationsdruck gewesen sein“, so der Experte.
Wie verhält sich ein Wolf in einer Stadt?
Für einen Wolf ist eine Großstadt eine völlig fremde und bedrohliche Umgebung. Statt Ruhe, Wald und Beute trifft das Tier hier auf Lärm, Menschen und Verkehr. „Da ist für ihn überall der größte Feind – der Mensch“, sagt Kinser. Er hält es deshalb für wahrscheinlich, dass sich das Tier bedroht fühlte.
Mehr zum ThemaWerden Wolfsbegegnungen häufiger?
Trotz steigender Wolfszahlen in Deutschland sieht Kinser keinen Grund zur Sorge. Der Fall in Hamburg sei bislang einmalig. „Das ist mir der erste bekannte Fall, dass ein Wolf bis in die tiefste Innenstadt vorgedrungen ist“, sagt der Experte. Auch künftig rechnet er nicht mit ähnlichen Vorfällen. Begegnungen mit Wölfen bleiben selten – und Angriffe noch viel mehr.
So sollte man bei einer Begegnung reagieren
Wer einem Wolf begegnet, kann sich laut Experte Kinser zunächst sogar glücklich schätzen. „Wenn es wirklich ein Wildtier ist, ist eine Wolfsbegegnung etwas ganz Besonderes“, sagt er. Kommt das Tier jedoch näher – unter 20 Meter –, gilt: Ruhe bewahren. Wer sich groß macht, die Arme hebt, laut schreit und klatscht, signalisiert dem Wolf Stärke. „Man muss dem Tier imponieren“, so Kinser. Gerade junge Wölfe würden sich in der Regel schnell zurückziehen.
Zur Person
Dr. Andreas Kinser ist Forstwissenschaftler und Leiter des Bereichs Natur- und Artenschutz bei der Deutschen Wildtierstiftung. Er verantwortet die operativen Projekte im Artenschutz und gilt als ausgewiesener Experte für Wildtiere in Deutschland.