CD-Cover: Courtney Barnett: Creature Of Habit

AUDIO: „Creature of Habit“ – Ein Album, das Gewohnheiten sprengt (4 Min)

Stand: 31.03.2026 17:21 Uhr

Indie Rock, der trotz verzerrter Gitarrenriffs Gelassenheit ausstrahlt – dafür steht die australische Singer-Songwriterin Courtney Barnett. Jetzt erscheint ihr viertes Album „Creature of Habit“, auf dem ausgetretene Pfade verlassen werden.

von Goetz Steeger

Bei dem Gewohnheitstier, dem „Creature of Habit“, handelte es sich um eine Gottesanbeterin, die eines Tages auf dem Türrahmen saß. Courtney Barnett hatte sich ein Haus am Rande der Wüste des kalifornischen Joshua-Tree-Nationalparks gemietet und hoffte auf Inspiration.

Die kam mit dem Tier: sofort schrieb sie den Song „Mantis“, das englische Wort für Gottesanbeterin. Ob es an der Faszination für das Insekt lag oder an der Umgebung, jedenfalls klingt der Song ungewohnt stark nach kalifornischem Dreampop à la Fleetwood Mac:

Unaufgeregt und trotzdem kraftvoll

Das Albumcover mit dem Foto einer Gottesanbeterin ist ein Indiz dafür, wie wichtig die Begegnung mit dem Tier für Courtney Barnett wohl gewesen sein muss.

Mit John Congleton hat sie sich einen renommierten Indie Rock-Produzenten ins Studio geholt, der bereits mit Bands wie Sleater-Kinney und Death Cab For Cutie gearbeitet hat. Barnetts unaufgeregter Gesangsstil und Congletons kraftvoller, praller und pointierter Sound ergänzen sich erstaunlich gut, gerade auch bei den lauteren Songs.

Gewohnheitstier auf neuen Wegen

Ein tragendes Thema auf „Creature of Habit“ ist Veränderung. 2022 gab Courtney Barnett ihr langjähriges Label „Milk! Records“ auf, etwas später zog sie nach Kalifornien.

Auch musikalisch verlässt sie den einen oder anderen bewährten Pfad. Zum Beispiel beim Song „Site Unseen“, mit Katie Crutchfield von Waxahatchee als Gastsängerin. Der zweistimmige Gesang gibt dem Song eine fast süßliche Country-Note.

„Was würde Flea spielen?“

Ein weiterer Gast auf dem Album ist der Red Hot Chilly Peppers-Bassist Flea. „Was würde Flea spielen?“ – war bei den Aufnahmen oft ein geflügeltes Wort, wenn es um den Bass Part ging. Dass sie ihn dann einfach ansprach und fragte, ist auch eine neue Facette ihrer sonst eher zurückhaltenden und scheuen Persönlichkeit.

Courtney Barnetts unprätentiöse, unbemühte Art zu singen und Gitarre zu spielen sollten nicht über ihren Einfallsreichtum, ihre präzise Poesie und Hintersinnigkeit hinwegtäuschen. Alltägliche Themen zu packenden Songs zu machen, ist ein seltene Disziplin, die Courtney Barnett meisterhaft beherrscht.

CD-Cover: Courtney Barnett: Creature Of Habit

Creature of Habit

Courtney Barnett

Genre:
Rock
Label:
Fiction
Veröffentlichung:
27.03.2026